Künstliche Intelligenz (KI) wird zunehmend sowohl von Cyberkriminellen als Waffe eingesetzt als auch selbst zum primären Ziel von Angriffen. Dies geht aus dem am Montag veröffentlichten „2026 Threat Hunting Report“ des Cybersicherheitsunternehmens CrowdStrike hervor. Die doppelte Rolle der KI zwingt Unternehmen dazu, ihre Verteidigungsstrategien neu zu bewerten, da das Volumen der Angriffssignale die manuellen Fähigkeiten von Sicherheitsexperten weit übersteigt.
Die im Bericht untersuchten KI-Modelle, -Tools und -Workflows, die Unternehmen eigentlich Wachstums- und Produktivitätsmöglichkeiten bieten sollen, werden von Cyberkriminellen massenhaft für ihre Zwecke missbraucht. Mit der Expansion von Unternehmensnetzwerken, der Zunahme von Endgeräten und dem Einsatz neuer Großer Sprachmodelle (LLMs) für verschiedene Arbeitslasten schaffen Organisationen unwissentlich größere, „ungeschützte“ Angriffsflächen. Diese können zum Diebstahl von Daten, zum Erlangen von KI-Modellzugriffen, zur Überwachung oder sogar zur Nutzung von Rechenleistung für kriminelle Zwecke missbraucht werden.
KI als Werkzeug und Ziel
Adam Meyers, Leiter der Bedrohungsanalyse bei CrowdStrike, merkte an, dass KI nicht nur das Werkzeug oder die Waffe sei, die eingesetzt werde, sondern auch die Angriffsfläche. Er betonte, dass Bedrohungsakteure KI mit der gleichen Geschwindigkeit übernehmen würden wie alle anderen. Die weitreichende Einführung von KI, von der ein Großteil noch neu und unerprobt ist, erhöht die schiere Menge an Signalen, die Sicherheitsverantwortliche sichten müssen.
Laut CrowdStrike gibt es inzwischen zweieinhalbmal mehr von KI-Agenten ausgelöste Hinweise für Bedrohungsjäger als manuell generierte. Dies erschwert es Verteidigern erheblich, bösartige Aktivitäten von erwartetem KI-gesteuertem Verhalten zu unterscheiden.
Beschleunigte Angriffe durch KI
Cyberkriminelle nutzen KI heute hauptsächlich, um Phishing- und Vishing-Materialien, Schadsoftware-Nutzlasten und Befehle zu generieren. Dies optimiert ihre Angriffsketten und ermöglicht die Erstellung überzeugenderer Phishing-Schemata für den initialen Zugang. Meyers zufolge werden diese Kreationen zunehmend maßgeschneidert, wobei KI und LLMs benutzerdefinierte Tools zur Umgehung verschiedener Verteidigungsszenarien generieren.
Ein weiterer besorgniserregender Trend im Bericht ist das schrumpfende Zeitfenster für menschliche Verteidiger und deren Tools, um zwischen der Entdeckung und der Ausnutzung einer Schwachstelle zu reagieren. Von Januar bis Juni 2026 wurden 88 Prozent der von CrowdStrike entdeckten Exploits innerhalb von 48 Stunden nach der öffentlichen Veröffentlichung eines Proof-of-Concept (PoC)-Codes gestartet.
Einige Bedrohungsgruppen, wie Chinas Vault Panda und Genesis Panda, beobachten neue Schwachstellen noch genauer: Sie entwickelten innerhalb eines Tages nach Offenlegung funktionsfähige Exploits für eine kritische Schwachstelle in der Webanwendung React2Shell. In diesen Situationen wirkt KI in beide Richtungen: Zwei von drei kürzlich bekannt gewordenen LPE-Exploits, CopyFail und Fragnesia, wurden durch KI-gestützte Forschung entdeckt. Der Bericht stellt fest, dass „Bedrohungsakteure keine Zeit verschwendeten, sie in aktive Operationen zu integrieren.“
Folgen für Unternehmen
Für Unternehmen und ihre Cybersicherheitsteams bedeutet dies, dass die Reaktionszeiten immer kürzer werden – zweifellos auch durch die Nutzung von KI als Waffe. Die Forscher von CrowdStrike betonen: „Während dieses Muster der Entstehung von Frontier-KI-Modellen vorausgeht, wird die Implementierung dieser Systeme die Zeitlinien für die Ausnutzung von Schwachstellen wahrscheinlich verkürzen, indem sie die Entdeckung von Schwachstellen und die Entwicklung von Exploits beschleunigt.“ Dies könnte den Druck auf Verteidiger, die bereits Schwierigkeiten haben, Schritt zu halten, weiter erhöhen.
Da KI sowohl als Schutzschild als auch als Waffe dienen kann, stehen Verteidiger unter erheblichem Druck, die Kontrolle zu behalten und die Netzwerke und Endpunkte zu sichern, für die sie verantwortlich sind. CrowdStrike empfiehlt Unternehmen daher, spezifische Praktiken zu übernehmen, um diesen neuen Herausforderungen zu begegnen.
Thema: Technologie / KI allgemein. Quelle/Inspiration: ZDNet.