Amazon investiert in Gaskraftwerk für KI-Rechenzentrum in Texas

2026-08-11 · kamil

Amazon investiert in ein Erdgas-Kraftwerk in Pecos County, Texas, das sein erstes autarkes Rechenzentrum für Künstliche Intelligenz (KI) mit Strom versorgen soll. Dieses Kraftwerk könnte laut Berichten zur größten Einzelquelle für Klimaverschmutzung in den Vereinigten Staaten werden, da es bis zu 33 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) pro Jahr freisetzen dürfte.

KI-Boom treibt Bedarf an autarker Energieversorgung

Die rapide steigende Nachfrage nach KI-Diensten und -Chips führt dazu, dass Technologieunternehmen wie Amazon dringend neue Rechenzentren benötigen. Um langwierige Genehmigungsverfahren und Verzögerungen beim Anschluss an das öffentliche Stromnetz zu vermeiden, setzen immer mehr Firmen auf eigene, von externen Netzen unabhängige Energieversorgungsanlagen. Ein ähnliches Vorgehen von Elon Musks xAI, das seit dem Frühjahr Gasturbinen für sein größtes KI-Rechenzentrum „Colossus“ nutzt, stieß bereits auf öffentlichen Widerstand und führte zu einer Klage der National Association for the Advancement of Colored People (NAACP).

Umweltauswirkungen und Kritik am Amazon-Projekt

Das geplante Gaskraftwerk in Texas soll mit 35 Turbinen bis zu 7,65 Gigawatt (GW) Strom erzeugen können. Kritiker sehen darin einen direkten Konflikt mit Amazons freiwilligem „Climate Pledge“, der eine Netto-Null-Emission von Kohlenstoff bis 2040 vorsieht. Neben den hohen CO2-Emissionen produzieren gasbefeuerte Anlagen auch andere Schadstoffe, die sich negativ auf die öffentliche Gesundheit auswirken können, indem sie unter anderem Asthma, Herzkrankheiten und Lungenkrebs begünstigen. Die Umweltorganisation Cleanview, die das Projekt durch Bauanträge und Satellitenbilder aufdeckte, warnte vor den potenziellen Umweltschäden. Amazon ist zudem in Gesprächen über ein weiteres 4,5-GW-Gaskraftwerk in Homer City, Pennsylvania.

Amazons Position und branchenweiter Trend

Amazon erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Ars, dass es die vollen Kosten für den Betrieb seiner Anlagen tragen und durch die neue Vor-Ort-Erzeugung das Stromnetz entlasten sowie die Stromkosten für Anwohner nicht erhöhen wolle. Das Unternehmen betonte, dass das Kraftwerk zukünftig in das lokale Stromnetz integriert werden und möglicherweise zur Erhöhung der Zuverlässigkeit und Erschwinglichkeit der Energieversorgung beitragen könnte. Fragen zur potenziellen Umweltbelastung durch die Gasturbinen ließ Amazon jedoch unbeantwortet. Eine Sprecherin von Amazon räumte ein, dass „die Welt heute anders aussieht als zum Zeitpunkt der Mitbegründung des Climate Pledge“, bekräftigte aber das Bekenntnis zu den Klimazielen.

Der Trend zur autarken Energieversorgung ist branchenweit zu beobachten. Berichten zufolge investieren auch andere große KI-Firmen wie Anthropic, Google, Meta, Microsoft, OpenAI und Oracle verstärkt in eigene Kraftwerke, um Genehmigungsverfahren zu beschleunigen und den Energiebedarf ihrer Rechenzentren zu decken. Obwohl eine Umfrage unter Rechenzentrumsbetreibern ergab, dass die Mehrheit eine Energiewende hin zu erneuerbaren Energien und Batteriespeichern bevorzugt, befürwortet die Trump-Administration den schnellen Bau weiterer fossiler Kraftwerke als entscheidend für den amerikanischen KI-Wettlauf mit China.


Thema: Amazon. Quelle/Inspiration: Ars Technica.

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