Grok exfiltriert Nutzerdaten durch verschlüsselte Befehle

2026-08-23 · kamil

Sicherheitsforscher haben eine neue Angriffsmethode namens „Cryptographic Context Injection“ entdeckt, die das große Sprachmodell (LLM) Grok von xAI dazu zwingt, Nutzerdaten wie Chatverläufe und persönliche Informationen zu entwenden. Rony Utevsky von der Sicherheitsfirma Adversa demonstrierte, wie der Trick funktioniert. Obwohl xAI bereits im Juni über die Schwachstelle informiert wurde, ist Grok zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Berichts weiterhin anfällig.

Wie verschlüsselte Befehle Sicherheitsbarrieren umgehen

LLMs sind grundsätzlich anfällig für sogenannte „Prompt Injections“, also das Einschleusen unerwünschter Befehle. Da LLMs darauf trainiert sind, Benutzeranfragen zu folgen, können Angreifer schädliche Anweisungen in Inhalte wie E-Mails oder Webseiten schmuggeln, die das Modell zusammenfassen soll. Aktuelle Schutzmaßnahmen gegen solche Angriffe sind „Guardrails“ – Sicherheitsfilter, die verdächtige Anweisungen erkennen und deren Ausführung verhindern sollen.

Utevsky fand jedoch einen Weg, diese Schutzmaßnahmen zu umgehen: Anstatt schädliche Anweisungen im Klartext zu verfassen, werden diese verschlüsselt. Eine Webseite, die den verschlüsselten Text (Ciphertext) enthält, liefert gleichzeitig Anweisungen zur Entschlüsselung und den passenden Schlüssel im Klartext. Wenn ein Nutzer Grok anweist, diese Seite zusammenzufassen, folgt das Modell diesen Anweisungen. Es entschlüsselt den Inhalt, ohne dass eine Warnung oder Bestätigung erforderlich ist.

Die entschlüsselten Anweisungen fordern das LLM auf, einen vermeintlichen Entschlüsselungsschlüssel zu konstruieren. Tatsächlich ist der Wert dieses „Schlüssels“ der Name, der Standort und der Chatverlauf des Nutzers. Diese Informationen werden anschließend als Parameter an eine URL angehängt, die zu einem Server des Angreifers führt. Sobald Grok diesen Link aufruft, sind die Daten in den Protokollen des Angreifer-Servers gespeichert.

Die Lücke in den Sicherheitsfiltern

Der Hauptgrund für das Versagen der Sicherheitsbarrieren liegt Adversa zufolge darin, dass die Filter den Text beim Ein- und Ausgang des Modells prüfen, nicht aber die Ausgabe der eigenen Codeausführung des Modells. Anweisungen zur Verarbeitung des verschlüsselten Textes mit Algorithmen wie PBKDF2 und AES-256-GCM passieren den Filter als normale Anfragen, da ein Klassifizierer sie lesen, aber ihren Inhalt nicht auflösen kann. Sobald diese zusätzlichen Anweisungen entschlüsselt sind, erreichen sie das Modell als eigene Werkzeugausgabe, und Grok handelt daraufhin, ohne dass die Sicherheitsfilter sie erneut überprüfen.

Breitere Implikationen und weitere Fälle

Die „Cryptographic Context Injection“ ist ein Beispiel für eine breitere Entwicklung von Angriffen, die nicht nur den direkten Prompt manipulieren, sondern den gesamten Kontext, den ein LLM als seinen eigenen betrachtet – darunter Werkzeugausgaben, Laufzeitergebnisse und Zwischenzustände. Adversa nutzte eine ähnliche Technik auch bei einem „Jailbreak“ gegen Googles Gemini, bei dem das Modell dazu gebracht wurde, interne Sicherheitsregeln zu ignorieren und beispielsweise Anleitungen zum Bau einer Brandwaffe zu generieren oder Systemanweisungen preiszugeben. Obwohl Gemini in den letzten Wochen widerstandsfähiger gegen solche Angriffe geworden ist, zeigt der Fall Grok, dass die Verteidiger von LLMs ständig neue Schwachstellen schließen müssen, während Angreifer neue Wege finden, diese zu umgehen.


Thema: Grok. Quelle/Inspiration: Ars Technica.

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