Taiwan erhebt Anklage wegen illegaler KI-Server-Exporte nach China

2026-08-24 · kamil

Taiwan hat Anklage gegen neun Personen erhoben, die mutmaßlich an der Fälschung von Dokumenten beteiligt waren, um illegale Exporte von Hochleistungs-KI-Servern nach China zu verschleiern. Unter den Angeklagten, deren Namen nicht veröffentlicht wurden, befinden sich Berichten zufolge ein leitender Manager von Nvidia sowie zwei Supermicro-Mitarbeiter mit Sitz in Taiwan. Die Exporte verstießen gegen die US-Exportkontrollen, die seit 2022 für Halbleiter gelten, um die nationale Sicherheit der USA zu schützen und den Vorsprung im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) zu wahren.

Hintergrund der Ermittlungen und Server-Schmuggel

Die taiwanesischen Ermittlungen wurden nach der Verhaftung von Supermicro-Mitbegründer Wally Liaw im März eingeleitet, dem vorgeworfen wird, seit 2024 beschränkte KI-Server im Wert von 2,5 Milliarden US-Dollar nach China geschleust zu haben. Die Untersuchung in Taiwan ergab, dass die mutmaßlichen Komplizen versuchten, Dokumente zu fälschen, um den Anschein zu erwecken, 130 B300-Server seien in einer taiwanesischen Einrichtung installiert und in Betrieb. Tatsächlich wurden jedoch 74 dieser Server an chinesische Kunden geliefert. Die restlichen 56 Server waren ebenfalls für China bestimmt, wurden aber von taiwanesischen Zollbeamten aufgrund von Unregelmäßigkeiten gestoppt.

Reaktionen der beteiligten Unternehmen

Supermicro hat die Zusammenarbeit mit den taiwanesischen Ermittlern bestätigt und betont, nicht Ziel der Untersuchung zu sein. Das Unternehmen gab an, bereits Änderungen vorgenommen und mehrere Mitarbeiter entlassen zu haben, die durch eine interne Untersuchung mit dem Schema in Verbindung gebracht wurden. Diese von einem Drittunternehmen durchgeführte Untersuchung entlastete die aktuellen Führungskräfte von Supermicro. Nvidia-CEO Jensen Huang hatte bereits im Mai, vor der direkten Verknüpfung von Nvidia-Mitarbeitern mit dem Fall, die Compliance-Programme von Supermicro scharf kritisiert und Verbesserungen gefordert.

Ausweitung der Kontrollen und zukünftige Maßnahmen

Die taiwanesischen Staatsanwälte gaben an, dass alle angeklagten Mitarbeiter die strengen internen Kontrollverfahren von Nvidia und Supermicro bezüglich der Exporte nach China kannten. Trotz verschärfter Kontrollen durch die USA und Taiwan sei das Vorgehen der Mitarbeiter zunehmend dreister geworden.

Die USA sind entschlossen, Chinas Zugang zu Nvidias KI-Chips und -Servern zu unterbinden und erwägen weitere Maßnahmen. Ein Gesetzesentwurf namens Remote Access Security Act (RASA) könnte die US-Exportkontrollen auf den Fernzugriff über die Cloud auf kritische Hardware und Software ausweiten. Dies würde eine bekannte Lücke schließen, die es China derzeit ermöglicht, über Rechenzentren in Südostasien auf Nvidia-Chips zuzugreifen. Branchenexperten sehen diesen Fernzugriff als wichtigen Faktor für die Leistungssteigerung chinesischer KI-Modelle.

Parallel zu diesen Entwicklungen hat Nvidia kürzlich angekündigt, die Preise für KI-Server um 15 Prozent zu erhöhen. Dies könnte auch dazu dienen, Mitarbeitern, die durch potenzielle höhere Gewinne aus illegalen Verkäufen motiviert sind, eine deutliche Warnung zu senden.


Thema: Nvidia. Quelle/Inspiration: Ars Technica.

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