Nvidia-CEO Huang: AGI erreicht, aber der Begriff ist sinnlos

2026-08-27 · kamil

Auf einer Telefonkonferenz am Mittwoch erklärte Jensen Huang, CEO von Nvidia, dass sein Unternehmen Künstliche Allgemeine Intelligenz (AGI) erreicht habe. Künstliche Allgemeine Intelligenz (AGI) beschreibt Systeme, die intellektuelle Aufgaben auf menschlichem Niveau oder darüber hinaus in einem breiten Spektrum von Bereichen meistern können – ein langjähriges Ziel der Technologiebranche. Huang bezeichnete diesen angeblichen Meilenstein jedoch fast unmittelbar als „sinnlos“.

Huangs Perspektive auf Künstliche Allgemeine Intelligenz

Huangs Einschätzung basiert auf der fehlenden Konsensdefinition für AGI. Es gebe keine allgemeingültige Vorstellung davon, was AGI tatsächlich bedeute oder wie man ihre Erreichung feststellen könne, was den Anspruch, sie erreicht zu haben, willkürlich mache. Bezogen auf Nvidia äußerte Huang, dass man „für viele Aufgaben sagen könnte, dass wir AGI bereits erreicht haben“.

Er betonte, dass es wichtiger sei, dass KI „produktive und nützliche Arbeit leistet“ und „profitable Recheneinheiten generiert“. Mehr Rechenleistung führe zu mehr dieser Recheneinheiten und damit zu mehr Gewinn. Dies sei die aktuelle Phase der Entwicklung, weshalb sich die gesamte Branche intensiv damit beschäftige. Huang wies auch darauf hin, dass KI sich über einfache Prompts hinaus zu autonomen Agenten entwickle, die neue Fähigkeiten erlernen und sich rekursiv selbst verbessern können.

Es ist nicht das erste Mal, dass Huang die Erreichung von AGI verkündete. Bereits im März hatte er in einem Podcast geäußert: „Ich denke, wir haben AGI erreicht.“ Auch damals gab er keine präzise Definition von AGI. Er relativierte jedoch eine spezifische Definition, die ein KI-System als in der Lage beschrieb, ein erfolgreiches Technologieunternehmen im Wert von über einer Milliarde Dollar aufzubauen, indem er sagte, die Wahrscheinlichkeit, dass 100.000 solcher Agenten Nvidia aufbauen könnten, sei „null Prozent“.

Die Herausforderung einer Definition

Die Unschärfe des Begriffs AGI wird von vielen Führungskräften in der Tech-Branche genutzt. Es existiert keine universell anerkannte Definition, und selbst der Begriff „Intelligenz“ ist nicht allgemein definiert.

Auch OpenAI, ein Unternehmen, das explizit mit dem Ziel gegründet wurde, AGI zu entwickeln, hat eine Interpretationsspielraum lassende Definition. In seiner Satzung definiert OpenAI AGI als „hochautonome Systeme, die Menschen bei den meisten wirtschaftlich wertvollen Arbeiten übertreffen“. Sam Altman, CEO von OpenAI, räumte ein, dass dies kaum ein messbarer Standard sei und AGI „kein besonders nützlicher Begriff“ sei. Eine andere, finanziell motivierte Definition, die OpenAI mit Microsoft erarbeitete, spricht von Systemen, die mindestens 100 Milliarden Dollar Gewinn generieren können. Mark Chen, Chief Research Officer bei OpenAI, schätzte kürzlich, dass das Unternehmen „zu 80 % auf dem Weg“ zu AGI sei, während Altman prognostizierte, bis Ende des Jahres etwas zu haben, das er als AGI bezeichnen würde.

Andere Tech-Führungskräfte haben ähnliche Bedenken geäußert oder eigene Begriffe geprägt:

  • Dario Amodei, CEO von Anthropic, bezeichnete AGI als „ungenau“ und sogar als „Marketingbegriff“, und spricht lieber von „leistungsstarker KI“.
  • Meta verwendet den Begriff „persönliche Superintelligenz“.
  • Microsoft spricht von „humanistischer Superintelligenz“.
  • Amazon nennt es „nützliche allgemeine Intelligenz“.
  • Demis Hassabis von Google DeepMind spricht von den „Vorgebirgen der Singularität“.
  • Ilya Sutskever, Mitbegründer von OpenAI, leitet ein Unternehmen namens „Safe Superintelligence“.

Solange AGI schlecht definiert und unachtsam verwendet wird, bleibt das Konzept laut Huang und anderen „sinnlos“. Es dient jedoch als nützliches Werkzeug, um Fortschritte zu hypen. Daher ist zu erwarten, dass die Branche – einschließlich Huang – weiterhin über AGI sprechen wird.


Thema: OpenAI. Quelle/Inspiration: The Verge.

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