Die deutsche Bürgerrechtsorganisation AlgorithmWatch hat im Rahmen einer explorativen Studie Googles KI-Übersichten (AI Overviews) zu wahlbezogenen Suchanfragen untersucht. Mithilfe des Zugangs zur „Search Researcher Result API“, der über Artikel 40(12) des Digital Services Act (DSA) der EU gewährt wurde, führte die Gruppe 4.480 Suchabfragen zu den Landtagswahlen 2026 in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sowie zur Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses durch. Die Analyse zeigt, dass diese Übersichten inkonsistent erscheinen, sich auf eine begrenzte Anzahl von Quellen stützen und Kandidaten teils parteiisch beschreiben.
Inkonsistentes Auftreten der KI-Übersichten
Laut der Studie zeigte Google in 39,1 Prozent der Fälle eine KI-Übersicht für Wahlfragen an, während es bei nicht-politischen Anfragen 65,3 Prozent waren. Das Unternehmen liefert jedoch keine genaue Erklärung dafür, wann eine solche Übersicht erscheint. Auch die Muster der Anzeige waren inkonsistent: Fragen zu Umfragen lösten fast nie eine KI-Übersicht aus, während Fragen zu Parteien und einzelnen Politikern in 40 bis 50 Prozent der Fälle zu einer Übersicht führten.
Besonders auffällig war, dass Fragen zur AfD mit 24 Prozent seltener KI-Übersichten hervorriefen als Fragen zu anderen Parteien, bei denen die Rate zwischen 45 und 58 Prozent lag. Auch gab es regionale Unterschiede, so wurden für Sachsen-Anhalt insgesamt weniger Übersichten generiert als für Berlin und Mecklenburg-Vorpommern.
Ein Google-Sprecher erklärte gegenüber AlgorithmWatch, dass die KI-Suchfunktionen neutral und objektiv gestaltet seien und nicht für jede Suche angezeigt würden. Übersichten erscheinen demnach, wenn das Unternehmen einen hohen Mehrwert annimmt. Welche Kriterien in der Praxis angewendet werden, blieb unbeantwortet. Eine frühere Maßnahme aus dem Jahr 2024, die KI-generierte Antworten des Sprachmodells Gemini auf wahlbezogene Fragen blockieren sollte, war laut AlgorithmWatch sehr effektiv. Ob ähnliche Schutzmaßnahmen auch für die Wahlen 2026 gelten, konnte nicht geklärt werden, da Google dazu keine Stellungnahme abgab.
Begrenzte und teils eigennützige Quellenbasis
AlgorithmWatch stellte fest, dass die Bandbreite der zitierten Quellen begrenzt ist: Fast die Hälfte aller Links stammte von lediglich zehn Domains. Am häufigsten wurde Googles eigene Plattform YouTube zitiert, was die Gruppe als Hinweis darauf deutet, dass Google seine eigenen Dienste bevorzugt. Google bestreitet dies jedoch.
Unter den Medien dominieren öffentlich-rechtliche Sender wie NDR, rbb, MDR und ARD sowie das Nachrichtenportal Zeit Online. Sechs Medienseiten machten 75 Prozent aller Medienlinks aus. Neben Wikipedia und Regierungsseiten tauchten auch Partei-Websites auf, die jedoch nicht als solche gekennzeichnet waren, um sie von neutralen Informationsquellen abzugrenzen.
Parteipolitische Tendenzen in der Darstellung
Die Studie kritisiert zudem, dass politische Positionen oft nicht neutral, sondern mit vagen, positiv klingenden Adjektiven wie „pragmatisch“, „bürgernah“ oder „stabil“ wiedergegeben wurden, die den Selbstdarstellungen der Parteien ähnelten. In einer Stichprobe zu Sachsen-Anhalt wurden 81,5 Prozent der Übersichten über die CDU als deutlich positiv bewertet, verglichen mit 50 Prozent für die SPD, 10,7 Prozent für die Grünen und null Prozent für die AfD. Ein höherer Anteil parteiassoziierter Domains ging tendenziell mit positiveren Darstellungen einher, allerdings nicht gleichermaßen über alle Parteien hinweg.
Die Darstellung derselben Person konnte ebenfalls schwanken. So wurde der AfD-Kandidat Ulrich Siegmund aus Sachsen-Anhalt in unterschiedlicher Deutlichkeit beschrieben: mal als Vertreter des rechtsnationalen und nationalkonservativen Flügels, mal als jemand mit radikal rechtsextremen Positionen und mal als rechtspopulistisch. AlgorithmWatch konnte kein Muster hinter diesen widersprüchlichen Bezeichnungen finden, von denen einige innerhalb kurzer Zeiträume auftraten.
Im Gegensatz zu früheren Studien fand AlgorithmWatch nur selten klare sachliche Fehler. Die schmeichelhafte Formulierung wird der Tendenz von Sprachmodellen zur Sycophantie zugeschrieben. AlgorithmWatch fordert daher Transparenzanforderungen und klare Haftungsregeln für KI-Systeme im Kontext von Wahlen.
Thema: Google. Quelle/Inspiration: The Decoder.