Verlage und Agenten beanspruchen Anteile an Anthropic-Urheberrechts-Vergleich

2026-09-07 · kamil

Autoren, die auf Auszahlungen aus einem Urheberrechts-Vergleich von Anthropic in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar warten, berichten von unberechtigten Forderungen durch Verlage und Agenten. Der Vergleich, der im Juli letzten Jahres endgültig genehmigt wurde, sieht vor, dass die Urheber von fast 500.000 Titeln jeweils 3.000 US-Dollar pro piratiertem Werk erhalten sollen.

Der Vergleich entstand aus einer Sammelklage gegen Anthropic. Ein Gericht hatte zuvor entschieden, dass das Training von KI-Modellen mit urheberrechtlich geschütztem Material unter der „Fair Use“-Doktrin (Recht auf angemessene Nutzung) legal ist, das Piratieren dieses Materials jedoch nicht. Die Vereinbarung wurde finalisiert, um die Auszahlungen an die betroffenen Autoren zu ermöglichen.

Regelungen zur Auszahlung und aufkommende Probleme

Die Bedingungen des Vergleichs legen fest, wie die Zahlungen aufgeteilt werden: Ist ein Buch noch bei einem traditionellen Verlag lieferbar, wird der Betrag 50 zu 50 zwischen Autor und Verlag aufgeteilt. Wenn ein Buch selbstveröffentlicht wurde oder die Rechte vom Verlag an den Autor zurückfielen, weil das Buch vergriffen ist, steht dem Autor die gesamte Zahlung zu.

In sozialen Medien äußerten sich jedoch zahlreiche Autoren besorgt darüber, dass Verlage mehr als ihren gerechten Anteil beanspruchen. So berichtete die Mystery-Autorin April Henry, dass HarperCollins ein ihrer Bücher für den Vergleich beanspruchte, obwohl die Rechte daran bereits vor mindestens 17 Jahren an sie zurückgefallen waren. Gleichzeitig erhielt sie eine Benachrichtigung, dass HarperCollins als ihr Arbeitgeber hinzugefügt worden sei, was nie der Fall war.

Victoria Strauss vom Blog „Writers Beware“ bestätigte, dass sie Beschwerden in zwei Hauptkategorien erhält: Verlage fordern Zahlungen für Werke, an denen sie keine rechtmäßigen Ansprüche mehr haben (da die Rechte zurückgefallen sind), und Verlage beanspruchen 100 Prozent der Zahlung, obwohl ihnen nur 50 Prozent zustehen.

Agenten und mögliche Ursachen der Fehler

Nicht nur Verlage, sondern auch Literaturagenturen melden Ansprüche an. Dies überrascht, da Agenten keine Rechteinhaber an den von ihnen vermittelten Büchern sind. Die Autorin Courtney Milan, eine ehemalige Rechtsanwältin und Professorin, kritisierte diese Praxis scharf.

Sowohl Victoria Strauss als auch Mary Rasenberger, CEO der Authors Guild, vermuten, dass die Probleme weniger auf böse Absicht als vielmehr auf mangelhafte Buchführung und einen komplexen Vergleichsprozess zurückzuführen sind. Einige Verlage hätten bereits mitgeteilt, dass es sich um Fehler handele, die sie von Anthropic korrigieren ließen.

Dennoch deuten die ungewöhnlich hohe Anzahl und die Wiederholung der gemeldeten Fehler darauf hin, dass es sich nicht um routinemäßige Schwierigkeiten handelt, sondern um ein potenziell weiter verbreitetes und systemisches Problem.

Wie Autoren ihre Ansprüche geltend machen können

Die Authors Guild und Courtney Milan haben Informationen bereitgestellt, wie Autoren ihren Zahlungsansprüchen widersprechen können. Eine wichtige Frist dabei ist das Datum des 10. August 2022. Für einen 100-prozentigen Anspruch des Autors muss die Rückübertragung der Rechte an einem Buch vor diesem Datum erfolgt sein, da es als „Download-Datum“ im Vergleich festgelegt wurde.


Thema: Anthropic. Quelle/Inspiration: TechCrunch.

← Zurück zu Aktuelles

Ähnliche Artikel