Ein Brand in einem noch unfertigen Gebäude des Lake Mariner Rechenzentrums in Somerset, New York, Anfang Juni legte erhebliche Sicherheitsmängel offen. Die Feuerwehr, die zu dem Vorfall in dem 3,2 Milliarden US-Dollar teuren KI-Rechenzentrum ausrückte, fand nach eigenen Angaben keine funktionierenden Brandmelder, kein Löschsystem und drei nicht funktionierende Hydranten vor. Die gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitsdokumente sollen zudem im Feuer verbrannt sein.
Steve Matisz, Leiter der Barker Fire Department, berichtete, seine Mannschaft sei „blind“ in das Gebäude gegangen und habe dichten schwarzen Rauch von unbekannten Chemikalien vorgefunden, da die Sicherheitsdatenblätter fehlten. Die Behauptung, die Dokumente seien verbrannt, hinterließ bei ihm Skepsis. Matisz bestätigte Mitte August, dass die Hydranten seiner Kenntnis nach weiterhin trocken seien und keine Arbeiten daran stattgefunden hätten.
Komplexes Unternehmensgeflecht erschwert Verantwortlichkeit
Das auf einem ehemaligen Kohleminengelände am Ontariosee gelegene Projekt ist eines der größten KI-Rechenzentren im Bundesstaat New York und umfasst zahlreiche Beteiligte. Das Unternehmen TeraWulf besitzt und betreibt das Rechenzentrum auf Land, das es von einer Firma pachtet, die dem eigenen CEO gehört. Das britische KI-Unternehmen Fluidstack soll den Betrieb übernehmen. Google hält Optionsscheine für eine zukünftige 14-prozentige Kapitalbeteiligung und hat zugestimmt, die Mietzahlungen von Fluidstack zu garantieren. Anthropic ist eines der KI-Unternehmen, deren Rechenbedarf die Anlage decken soll.
TeraWulf erklärte, für die „betriebliche Sicherheit und Notfallvorsorge“ am Standort verantwortlich zu sein. Nach einer Überprüfung mit dem County wurden nach Unternehmensangaben Knox-Boxen (gesicherte Behälter für Schlüssel und Dokumente von Notdiensten), zusätzliche Hydranten und Notfallpakete mit Sicherheitsdatenblättern implementiert. Die Aussage von Matisz zu den Hydranten deutet jedoch auf eine verzögerte Umsetzung hin.
Diskrepanz bei Arbeitsplätzen und lokalen Vorteilen
Der Brand hat die Bauarbeiten am Standort kaum verlangsamt, und es wurde niemand verletzt. Die Situation am Lake Mariner beleuchtet jedoch eine wachsende Tendenz im KI-Ausbau: Eine diffuse Verantwortlichkeit für Sicherheit, Betrieb, Finanzierung und den Einfluss auf Stromnetz und Wasserversorgung. Die Stadt Somerset forderte nach dem Brand weitere Antworten von TeraWulf, doch das Kommunikationsteam des Unternehmens blieb für Treffen mit der Gemeinde, einschließlich des Stadtverwalters Jeffrey Dewart, unerreichbar.
Anwohner äußerten in Stadtratssitzungen kritische Fragen dazu, was die Stadt im Gegenzug für die Ansiedlung eines der größten KI-Rechenzentren des Bundesstaates erhält. Eine Präsentation des Planungsausschusses von 2024 zeigt, dass der Projektmanager von TeraWulf eine Beschäftigung von 35 bis 40 Personen bei einer Anlage mit bis zu 500 Megawatt prognostizierte. Dies ist ein Bruchteil der 165 dauerhaften Arbeitsplätze und 85 Millionen US-Dollar an Kapitalinvestitionen, die 2019 versprochen wurden, als die Somerset Operating Company – die Vermietergesellschaft des TeraWulf-CEO Paul Prager – den Antrag für einen Stromrabatt stellte. Prager reagierte nicht auf eine Anfrage zur Diskrepanz.
New Yorks Gouverneurin Kathy Hochul, die kürzlich ein Moratorium für die Entwicklung von „Hyperscaler“-Rechenzentren (sehr große Rechenzentren) verhängte, räumte die Lücke zwischen großen Versprechen und wenigen Arbeitsplätzen ein. Sie forderte die Branche im Juli auf, „es auf intelligentere Weise zu tun“, da Rechenzentren trotz ihres Umfangs keine „signifikanten, langfristigen Arbeitsplätze“ lieferten.
Energieverbrauch und Kostenverteilung
Der enorme und konstante Energiebedarf von Rechenzentren führt oft zu Kosten, die sich nicht nur auf die Betreiber beschränken. Leah Stokes, Politikwissenschaftlerin an der University of California, Santa Barbara, erklärt, dass ein großer und rund um die Uhr aktiver Verbraucher das gesamte Stromsystem verteuert. Diese Mehrkosten, beispielsweise für die Netzverwaltung oder den Betrieb teurer Reservekraftwerke, werden über die Stromrechnungen aller Verbraucher sozialisiert.
Anthropic veröffentlichte im Februar 2026 eine Zusage, Strompreiserhöhungen für Verbraucher, die durch seine Rechenzentren entstehen, zu übernehmen. Dies umfasst 100 Prozent der Netzinfrastrukturkosten und die Beschaffung neuer Stromerzeugung zur Deckung des eigenen Bedarfs. Der Standort Lake Mariner fällt unter diese Vereinbarung. Das Versprechen deckt jedoch nur die Strompreise ab und äußert sich nicht zu anderen Zusagen, etwa bezüglich Lärm oder sauberer Energie.
Ein Insider bestätigte, dass Lake Mariner unter die direkten Verpflichtungen von Anthropic fällt, hatte jedoch keine Details darüber, was Anthropic von Fluidstack oder TeraWulf zur Überprüfung der Einhaltung von Clean-Energy-Zusagen am Standort verlangen würde oder ob dies jemals geschehen sei. Diese Unterscheidung ist relevant, da Anthropic direkte und geleaste Vereinbarungen anders behandelt. Bei einem vollständig eigenen Standort wie der im Juli 2024 angekündigten 19-Milliarden-Dollar-Anlage in Kentucky, die TeraWulf für Anthropic bauen wird, kontrolliert Anthropic die Bedingungen direkt, ohne Zwischenhändler wie Fluidstack oder Google. Bei einem gepachteten Standort wie Lake Mariner scheint es hingegen keinen direkten Mechanismus zur Überprüfung von Umwelt- und Sicherheitsbehauptungen zu geben.
Zusätzlich zu diesen Bedenken gab es in Somerset auch Beschwerden über Lärmbelästigung durch das Rechenzentrum.
Thema: Technologie / KI allgemein. Quelle/Inspiration: Ars Technica.