Das MIT Technology Review hat in seiner jährlichen Liste der „35 Innovatoren unter 35“ neun junge Wissenschaftler und Technologen aus dem Bereich Biotechnologie ausgezeichnet. Ihre Arbeiten reichen von lebensrettenden medizinischen Geräten bis hin zu neuartigen Gentherapien und Ansätzen zur Zellverjüngung.
Neue Ansätze in der Medizintechnik
Paschal Kija, 28 Jahre alt, hat ein Gerät namens Mkanda Salama („Sicherer Wickel“ auf Swahili) entwickelt, um postpartale Blutungen zu behandeln. Diese gefährliche Geburtskomplikation trägt in seinem Heimatland Tansania zu etwa 29 % der mütterlichen Todesfälle bei. Das Gerät ist einfach anzuwenden, kostet 70 US-Dollar und stoppte in einer Studie die Blutungen bei 73 % der Frauen innerhalb von 20 Minuten.
Die 34-jährige Xiao Yang konzentriert sich auf die Entwicklung ultra-kleiner, flexibler Elektroden, die Gewebeschäden im Gehirn minimieren sollen. Ihre Elektroden ähneln in ihrer Struktur echten Neuronen. Inspiriert von der japanischen Kunst Kirigami, bei der Papier geschnitten und gefaltet wird, um dreidimensionale Formen zu erzeugen, hat Yang auch blattförmige Elektroden mit einer wabenartigen Spiralstruktur für die Laborforschung an Gehirnzellen entwickelt.
Fortschritte in Gentherapie und Zellverjüngung
Sarah Grandinette, 26, war Teil eines Teams, das eine personalisierte Gen-Editing-Therapie für Kyle „KJ“ Muldoon Jr. entwickelte. Dieser wurde 2024 mit einer seltenen genetischen Störung geboren. Grandinette erzeugte Zellen mit KJs genetischer Variante, um Gen-Editing-Ansätze zu testen, und erprobte potenzielle Medikamente an Mäusen und Affen. KJ erhielt die Behandlung im Alter von etwa sieben Monaten, sprach gut darauf an und wurde aus dem Krankenhaus entlassen.
Im Bereich der Langlebigkeitsforschung arbeitet Yuancheng (Ryan) Lu, 34, an zellulärer Reprogrammierung, die darauf abzielt, das Alter von Zellen zurückzusetzen. Eine 2020 veröffentlichte Studie von Lu und Kollegen zeigte, dass eine Reprogrammierungstherapie den Sehverlust bei gealterten, blinden Mäusen umkehrte. Eine nahezu identische Version dieser Therapie wird nun an Menschen mit Augenkrankheiten getestet; ein erster Freiwilliger wurde im Juni von der Firma Life Biosciences behandelt.
KI im Dienst der Biologie
Der 27-jährige Samuel King nutzte ein generatives KI-Modell, um neue genetische Baupläne für Bakteriophagen zu entwerfen. Bakteriophagen sind winzige Viren, die Bakterien infizieren. Diese KI-entworfenen Viren konnten sich in Experimenten selbst vermehren, Bakterienzellen aufbrechen und andere Bakterien infizieren. King hofft, dass solche KI-entworfenen Lebensformen zukünftig zur Medikamentenherstellung oder zur Beseitigung von Umweltverschmutzung eingesetzt werden könnten.
Thema: Technologie / KI allgemein. Quelle/Inspiration: MIT Technology Review.