Die Regierung von Präsident Donald Trump lockert Umweltvorschriften mit dem Ziel, den Bau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz (KI) zu beschleunigen. Dies birgt laut einer Gruppe ehemaliger Beamter der US-Umweltschutzbehörde (EPA) gesundheitliche Risiken für die amerikanische Bevölkerung. In einem aktuellen Bericht und einer Pressekonferenz forderten sie die Regierung auf, ein „Data Center Health Protection Pledge“ zu verabschieden, um die Ernsthaftigkeit im Umgang mit Umweltrisiken zu signalisieren.
Hintergrund der Deregulierung
Bereits zu Beginn seiner Amtszeit erklärte Lee Zeldin, Trumps EPA-Administrator, sein Ziel, die USA durch Deregulierung zur „KI-Hauptstadt der Welt“ zu machen. Seitdem haben Zeldin und das Weiße Haus Dutzende von Umweltvorschriften zurückgenommen und gleichzeitig Personal sowie Budget der EPA gekürzt. Dieser Kurs führte zu einer Welle neuer KI-Rechenzentren, die zunehmend mit umweltschädlicher Energie betrieben werden, was die Gesundheit der Amerikaner beeinträchtigen kann, selbst wenn sie nicht direkt in der Nähe eines Rechenzentrums leben.
Lynn Goldman, Kinderärztin und ehemalige stellvertretende EPA-Administratorin, äußerte bei der Vorstellung des Berichts, dass man bei einem derart massiven Ausbau der Industrie, der als Revolution angepriesen werde, eine erhöhte Wachsamkeit der EPA erwarten würde. Stattdessen agiere die EPA entgegengesetzt, indem sie die Bedürfnisse der Industrie priorisiere und Grenzwerte für giftige Chemikalien und schädliche Schadstoffe lockere oder überdenke.
Der von der unabhängigen Organisation Environmental Protection Network (EPN), der Goldman angehört, veröffentlichte Bericht identifiziert 30 verschiedene Bundesmaßnahmen seit Januar 2025, die die von Rechenzentrumsverschmutzung ausgehenden Gesundheitsrisiken verschärfen. Dazu gehören Vorschläge und Exekutivanordnungen, die Projekte für erneuerbare Energien einschränken, während gleichzeitig Umweltauflagen gelockert und bestehende Kraftwerke sowie Fabriken von bestimmten Standards ausgenommen werden. Von diesen 30 politischen Änderungen erwähnen 17 ausdrücklich KI oder zielen auf Rechenzentren ab.
Ein „AI Action Plan“ der Trump-Regierung vom Juli 2025 empfahl zudem die „Vereinfachung oder Reduzierung von Vorschriften“ unter den US-Umweltgesetzen Clean Air Act, Clean Water Act und Superfund Law, um Genehmigungsverfahren für Rechenzentrumsprojekte und Chiphersteller zu beschleunigen. Tyson Slocum, Energiedirektor der Verbraucherschutzgruppe Public Citizen, bezeichnete diesen Plan als Versuch, „beispiellose Notstandsbefugnisse zu nutzen, um massive neue Ausnahmen für Rechenzentren und speziell für Infrastruktur für fossile Brennstoffe zu gewähren.“
Gesundheitliche und Umweltfolgen
Die Politik der Trump-Regierung hat die Grundlage für neue Gasprojekte zur Energieversorgung energiehungriger Rechenzentren gelegt, von vor Ort installierten Turbinen bis hin zu eigens für Technologieunternehmen gebauten Kraftwerken. Gleichzeitig belebt die Nachfrage nach fortschrittlichen Chips für generative KI die Produktion von sogenannten „Ewigkeitschemikalien“ (PFAS), die sich nicht leicht abbauen und sich in Umwelt und menschlichem Körper anreichern. Diese neue Infrastruktur kann Schadstoffe weit über die Standorte der Rechenzentren hinaus verbreiten.
Eine Studie der UC Riverside, Caltech und des Rochester Institute of Technology, die im Bericht zitiert wird, prognostiziert, dass die mit KI verbundene Luftverschmutzung bis 2028 zu bis zu 1.300 vorzeitigen Todesfällen und mehr als 20 Milliarden US-Dollar an öffentlichen Gesundheitskosten führen könnte. Diese Zahlen könnten sich nach Berücksichtigung der im EPN-Bericht dargelegten politischen Änderungen noch erhöhen.
Forderungen und offizielle Stellungnahme
Die ehemaligen EPA-Beamten betonen, dass ein umweltschädlicherer KI-Ausbau nicht unvermeidlich sei, sondern von den politischen Entscheidungen abhänge, die jetzt getroffen werden. Sie fordern die Wiederherstellung von Standards für saubere Luft und Wasser sowie den Wiederaufbau der Kapazitäten der Bundesbehörden zur Durchsetzung dieser Regeln.
Marc Boom, Senior Director für öffentliche Angelegenheiten des EPN, forderte, dass die EPA messen sollte, wie der Ausbau die Umweltverschmutzung verändert, wer ihr ausgesetzt ist, welche Auswirkungen dies auf die Gesundheit hat, und all diese Informationen öffentlich machen sollte. Dies sollte die praktische Bedeutung eines „Data Center Health Protection Pledge“ sein.
Auf den Bericht reagierte EPA-Sprecherin Cora Mandy in einer E-Mail und erklärte, dass die Behörde bei jeder Maßnahme die Vorschriften auf die „beste Auslegung des Clean Air Act“ zurückgeführt habe, nach Jahren der „Überregulierung durch frühere Regierungen“. Sie bekräftigte das Engagement der Behörde für den „Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt“, während gleichzeitig die Priorität „Making America the AI Capital of the World“ beibehalten werde.
Thema: Signal. Quelle/Inspiration: The Verge.