Der japanische Automobilhersteller Toyota plant ab dem Jahr 2028 jährliche Investitionen von 6,42 Milliarden US-Dollar in die Aufrüstung seiner Fabriken mit einer neuen Roboterbelegschaft. Ziel ist die Einführung von bis zu 400.000 Industrierobotern, darunter auch humanoide Modelle. Ein Toyota-Manager betonte jedoch, dass diese Initiative nicht den direkten Ersatz menschlicher Arbeitskräfte zum Ziel habe.
Toyotas Roboterstrategie und Mitarbeiterintegration
Toyota beabsichtigt, 150.000 dieser Roboter in seinen eigenen Automobilwerken einzusetzen und weitere 250.000 bei Konzernunternehmen, die verschiedene Komponenten und Materialien herstellen. Bereits jetzt sind Mitarbeiter aktiv an der Schulung humanoider Roboter vom Typ ELEY beteiligt. Diese Roboter werden an Montagelinien eingesetzt, wo menschliche Arbeiter ihnen präzise Handbewegungen beibringen, indem sie spezielle „Jigs“ tragen, die den Roboterfingern nachempfunden sind.
Angesichts der 18.000 erfahrenen Mitarbeiter, die Toyota weltweit in 60 Fabriken beschäftigt, stellt sich die Frage nach der Zukunft der menschlichen Arbeitsplätze. Hiroki Nakajima, Executive Vice President bei Toyota, erklärte gegenüber Nikkei Asia, das Unternehmen strebe „eine Welt an, in der Roboter mit Menschen koexistieren, anstatt sie zu ersetzen.“ Die genaue Anzahl der bereits eingesetzten oder der zukünftigen humanoiden Roboter ist derzeit noch nicht bekannt.
Entwicklung im Automobilsektor und Herausforderungen
Die Automobilindustrie ist seit Jahrzehnten ein Vorreiter bei der Einführung von Industrierobotern, typischerweise in Form von Roboterarmen an Arbeitsstationen und mobilen Robotern, die Komponenten oder Materialien transportieren. Im Jahr 2024 wurden laut der International Federation of Robotics allein in China 2 Millionen Industrieroboter eingesetzt, gefolgt von Japan mit 450.500, den USA mit 34.200 und Südkorea mit 30.600 Robotern.
Der Trend zu humanoiden Robotern ist jedoch neuer und geht über spezialisierte Industrieroboter hinaus. Unternehmen setzen darauf, dass humanoide Roboter – menschenähnliche Roboter – vielseitige, autonome Helfer werden können, die verschiedene Aufgaben übernehmen und sich leichter in für Menschen konzipierte Arbeitsumgebungen integrieren lassen. Aktuell bestehen jedoch noch erhebliche Herausforderungen in den Bereichen künstliche Intelligenz und Roboterhardware. Auch operative Aspekte wie die Sicherheit im Umgang mit Menschen und die Kosteneffizienz im Vergleich zu menschlichen Arbeitskräften sind noch zu klären. Die Massenproduktion humanoider Roboter hat erst vor Kurzem begonnen.
Dennoch wird die Automobilindustrie voraussichtlich weiterhin verstärkt auf Roboter setzen, insbesondere bei der Umstellung von Montagelinien für Elektrofahrzeuge und andere moderne Fahrzeuge mit mehr Computer- und Chip-Integration. Zudem kämpfen Automobilhersteller mit Fachkräftemangel und einer alternden Belegschaft. Gewerkschaften äußerten jedoch Bedenken hinsichtlich potenzieller Entlassungen und Druck auf die Arbeitsvergütung durch den vermehrten Einsatz von Robotern und KI.
Andere Hersteller setzen ebenfalls auf humanoide Roboter
Auch andere Automobilhersteller engagieren sich in der Entwicklung oder Investition in humanoide Roboter. Dazu gehören chinesische Elektrofahrzeughersteller wie Xpeng und Nio. Der südkoreanische Hersteller Hyundai plant, ab 2028 humanoide Atlas-Roboter seiner US-Robotiktochter Boston Dynamics einzusetzen. Ziel ist es, in den kommenden Jahren bis zu 25.000 dieser Roboter in Hyundai- und Kia-Werken weltweit zu stationieren. Boston Dynamics hat am 21. September ein neues Robotik-Schulungszentrum in der Hyundai Motor Group Metaplant America in Georgia eröffnet, um die Atlas-Roboter für Aufgaben wie die Reihenfolge von Automobilteilen und deren korrekte Platzierung in der Montage zu trainieren.
Thema: Technologie / KI allgemein. Quelle/Inspiration: Ars Technica.