Der US-Bundesstaat New Jersey hat den Betreiber eines der größten geplanten Rechenzentren an der Ostküste, DataOne, zu einer Geldstrafe von 1,1 Millionen US-Dollar verurteilt. Grund dafür ist die heimliche Installation und der Betrieb von Gasgeneratoren, die gegen das staatliche Gesetz zur Luftreinhaltung verstoßen.
Details der Verstöße
Die Strafe wurde verhängt, nachdem eine gemeinsame Untersuchung von The Guardian und Floodlight News im August thermische Drohnenaufnahmen veröffentlichte. Diese zeigten, dass 45 der insgesamt 62 installierten Gasgeneratoren in Betrieb waren. Keiner dieser Generatoren besaß die erforderlichen Genehmigungen für Anlagen mit einer Kapazität von 37 Kilowatt (kW) oder mehr. Die Generatoren liefen jedoch mit einer Leistung von 1.982 kW, was mehr als dem Fünfzigfachen der staatlichen Grenzwerte entspricht.
Das New Jersey Department of Environmental Protection (DEP) verfolgt den Einsatz solcher Gasgeneratoren, da sie „Kohlendioxid, Stickoxide, Kohlenmonoxid und andere verbrennungsbedingte Schadstoffe“ ausstoßen. Diese Schadstoffe können Asthma verschlimmern, Herzinfarkte auslösen und zu vorzeitigen Todesfällen führen.
Reaktionen der Behörden und Anwohner
DEP-Kommissar Ed Potosnak bezeichnete die Durchsetzungsmaßnahme als „die mit Abstand größte, die jemals gegen ein Rechenzentrum in New Jersey ergriffen wurde“. Er betonte, dass Rechenzentren in diesem Bundesstaat nicht „ungestraft gebaut oder betrieben werden“ würden.
Trotz der historischen Höhe der Strafe zeigen sich Anwohner besorgt. DataOne erhielt 45 Tage Zeit, um die erforderlichen Genehmigungen zu beantragen oder den Betrieb einzustellen, darf die Gasgeneratoren jedoch während des Genehmigungsverfahrens weiter betreiben. Nichole Gardner, Co-Vorsitzende der Umweltorganisation Sustain SJ, äußerte gegenüber Ars, die Maßnahme sei „unzureichend, sowohl in der Höhe der Geldstrafe als auch in der Durchsetzung“. Sie forderte, dass DataOne den Betrieb während der 45-Tage-Frist einstellen müsse, bis die Genehmigungen vorliegen.
Ein Sprecher von DataOne erklärte gegenüber der New York Times, das Unternehmen werde die „Luftgenehmigungen für die temporären Generatoren beantragen“, widersprach jedoch der Geldstrafe. Langfristig sollen die Gasgeneratoren durch „emissionsarme, leise Brennstoffzellen“ ersetzt werden.
Chronologie und weitere Kritik
Die Anwohner des Rechenzentrums in Vineland äußerten ihren Vertrauensverlust. Sie wissen, dass das Rechenzentrum Microsofts KI-Tools wie Copilot mit Strom versorgt und befürchten, dass DataOne alles tun wird, um diesen Vertrag zu halten. Fragen bleiben offen, warum DataOne die Generatoren in der Nähe von „Ackerland, Wohnhäusern und zwei Schulen“ heimlich in Betrieb nahm. Tiffany Leone-Vespa, eine Anwohnerin, fragte, welche Emissionen freigesetzt wurden und wie die Luftqualität in der Nachbarschaft ist, da die Generatoren seit Monaten ohne Genehmigung liefen.
Die Bedenken wurden erstmals im Februar auf einer öffentlichen Bürgerversammlung geäußert. Ein Landwirt hatte zuvor „eine Art Einheit“ auf Satellitenbildern des DataOne-Geländes entdeckt. Staatliche Inspektoren, die das 2,6 Millionen Quadratfuß große Rechenzentrum im Juli besuchten, waren überrascht. Laut der New York Times waren die Generatoren, die die Größe von Sattelschleppern hatten, „unmöglich zu übersehen“ und waren bei einem früheren Inspektionsbesuch nicht vorhanden.
DataOne hatte zuvor versucht, Genehmigungen für etwa 30 Gasgeneratoren zu erhalten, zog seinen Antrag jedoch im Mai zurück, nachdem das DEP „mehrere Mängel“ festgestellt hatte. Wartungsprotokolle zeigten, dass das Unternehmen die problematischeren Generatoren, von denen einige bereits im Oktober in Betrieb genommen wurden, weiterhin nutzte.
New Jersey hat über 80 Rechenzentren geplant oder im Bau. DataOne ist jedoch der erste Betreiber, der sich auf Gasgeneratoren verlässt, um eine eigene netzunabhängige Stromversorgung zu schaffen. Nach öffentlichem Widerstand hat der Bundesstaat kürzlich ein Gesetz verabschiedet, das Steuergutschriften für Rechenzentren beendet und damit Anreize von bis zu 250 Millionen Dollar blockiert.
Zuvor hatte DataOne einen Kreditantrag über 6,2 Millionen Dollar von der Stadt Vineland abgelehnt. Auch Lärmbelästigung durch das Rechenzentrum führte zu Beschwerden und einer Bundesklage von Anwohnern. Sustain SJ kritisiert, dass staatliche und lokale Regierungen „konsequent die Interessen dieser Unternehmen über das Wohlergehen der Gemeinde stellen, die seit Monaten mit Lärm und Umweltverschmutzung zu kämpfen hat“.
Thema: Technologie / KI allgemein. Quelle/Inspiration: Ars Technica.