Amazon hat zugesagt, über die nächsten fünf Jahre mehr als 1 Milliarde US-Dollar an Gemeinden in der Nähe seiner Rechenzentren zu spenden. Diese Zusage, die von Amazon Web Services (AWS) CEO Matt Garman bekannt gegeben wurde, soll die lokalen Prioritäten in Bereichen wie Bildung, Berufsausbildung, Energiebezahlbarkeit sowie Wasser- und Energieerhaltung unterstützen. Trotzdem sehen sich die Pläne des Tech-Giganten umgehend mit heftiger Kritik von Umweltschützern konfrontiert, die Amazon vorwerfen, die Umweltauswirkungen seiner Rechenzentren herunterzuspielen.
Details der Amazon-Zusagen
Im Rahmen seiner neuen Verpflichtungen verspricht Amazon, dass der Betrieb seiner Rechenzentren weder die Stromrechnungen erhöhen noch die lokalen Wasserversorgungen erschöpfen wird. Das Unternehmen strebt an, bis 2030 „wasserpositiv“ zu sein, also mehr Wasser in Gemeinden zurückzuführen, als es verbraucht. Nach eigenen Angaben erfüllen bereits 75 Prozent der Projekte dieses Ziel. Garman äußerte zudem die Ansicht, dass die wachsende Kritik an Rechenzentren und Forderungen nach Bau-Moratorien auf ausländische Desinformationskampagnen zurückzuführen seien und die Wettbewerbsfähigkeit der US-amerikanischen KI-Industrie gegenüber China gefährden könnten.
Kritik von Umweltschützern
Die globale Non-Profit-Organisation Stand.Earth, die sich für Umweltschutz in Rechenzentrums-Gastgemeinden einsetzt, bezeichnet Amazons Darstellungen als „irreführend“ und „Unternehmenspropaganda“. Stand.Earth sieht in den Spenden einen „verzweifelten Versuch der Schadensbegrenzung“ angesichts landesweit blockierter Rechenzentrumsprojekte im Wert von Milliarden Dollar.
Der Hauptkritikpunkt ist Amazons Plan, ein Kraftwerk in Pecos, Texas, zu unterstützen, das laut Experten zur größten Quelle der US-Klimaverschmutzung werden könnte. Dieses Kraftwerk könnte jährlich 33 Millionen Tonnen schädliche Luftschadstoffe ausstoßen und so viel Energie verbrauchen wie über 1,9 Millionen Haushalte. Amazons Zusagen erwähnen dieses Kraftwerk jedoch nicht und gehen kaum auf Umweltverschmutzung ein, abgesehen von der Zusage, emissionsarme Notstromgeneratoren zu verwenden. Während Amazon behauptet, diese Generatoren liefen „etwa 10 Stunden pro Jahr“, zitiert Stand.Earth Fälle, in denen Amazons Rechenzentren tagelang mit Diesel-Notstrom liefen.
Stand.Earth kritisiert außerdem, dass die versprochenen 1 Milliarde US-Dollar über fünf Jahre gering erscheinen im Vergleich zu den 220 Milliarden US-Dollar, die Amazon allein im Jahr 2026 in Rechenzentren investieren will. Das Unternehmen hatte in den letzten drei Jahren bereits eine ähnliche Summe gespendet. Viele zentrale Bedenken der Gemeinden, wie der enorme Wasserverbrauch der Energieinfrastruktur oder die potenzielle Kontamination durch „Ewigkeitschemikalien“ aus neuen Kühltechnologien, blieben unadressiert.
Mehr Transparenz bei Verträgen
Ein positiver Aspekt, den Stand.Earth hervorhebt, ist Amazons Entscheidung, keine Geheimhaltungsvereinbarungen (NDAs) mehr beim Bau neuer Rechenzentren zu verwenden. Dies könnte die Transparenz bei Projekten erhöhen und eine offenere Kommunikation mit den betroffenen Gemeinden ermöglichen.
Thema: Amazon. Quelle/Inspiration: Ars Technica.