IT-Modernisierung: KI-Einsatz zögerlich, wirtschaftliche Bedenken bleiben

2026-10-08 · kamil

Trotz der zunehmenden Präsenz von Künstlicher Intelligenz (KI) in vielen Unternehmensbereichen wird sie in der IT-Modernisierung noch zögerlich eingesetzt. Eine aktuelle Umfrage des IT-Dienstleisters Kyndryl unter 2.000 leitenden IT-Entscheidern ergab, dass lediglich 10 Prozent dieser Fachkräfte agentische KI als Werkzeug zur Modernisierung nutzen.

Diese Zurückhaltung steht im Kontrast zu den weitreichenden Versprechen der Anbieter, KI könne als Allheilmittel für veraltete IT-Systeme dienen. Agentische KI-Systeme zeichnen sich dadurch aus, dass sie autonom agieren und dabei die Abhängigkeiten zwischen Systemen – sowohl alten als auch neuen – besser sichtbar machen können. Weniger als jede zehnte Organisation ist sich laut Kyndryl dieser Abhängigkeiten heute voll bewusst, was eine erhebliche technische Blindstelle darstellt.

Herausforderungen bei der traditionellen IT-Modernisierung

Die Ergebnisse traditioneller Modernisierungsbemühungen sind laut Kyndryl oft ernüchternd. Viele Projekte erweisen sich als teuer und zeitaufwändig. Nur etwa die Hälfte der Unternehmen, die modernisieren, berichten von besseren IT-Operationen, und weniger als die Hälfte verzeichnet Innovationsgewinne. Fast jeder fünfte Befragte (18 Prozent) gab an, dass die Modernisierungsbemühungen ihres Unternehmens einen begrenzten oder unklaren Wert hatten. Zudem liegen fast die Hälfte der Befragten hinter dem Zeitplan zurück und kämpfen mit Kostenüberschreitungen.

Andy Thurai, Gründer von The Field CTO und ehemaliger Chefstratege bei IBM, kommentierte die Studie und stellte fest, dass IT-Modernisierung zunehmend wie ein chronischer Zustand wirke. Er verwies darauf, dass vier von zehn Unternehmen immer noch Mainframes (ältere Großrechnersysteme) betreiben, obwohl Modernisierung seit Jahrzehnten als oberste Priorität gilt.

Agentische KI: Potenzial und Risiken

Agentische KI wird als nächste Welle der Modernisierung gehandelt. Statt Mainframes oder andere Altsysteme zu ersetzen, liegt der Fokus darauf, konkrete Geschäftsfähigkeiten zu erweitern. Kyndryl berichtet, dass Kostensenkung und die Ablösung von Altsystemen nicht mehr die Hauptmotivationen für die Modernisierung sind. Stattdessen wollen Unternehmen ihre komplexen Technologielandschaften, die aus einer Mischung alter und neuer Entscheidungen bestehen, besser funktionieren lassen.

Die Autoren der Kyndryl-Studie sehen frühe vielversprechende Ansätze für agentische KI bei der Bewältigung langjähriger Modernisierungsherausforderungen. Agentische KI wird eingesetzt, um verborgene Abhängigkeiten abzubilden, Code zu generieren und Dokumentationen zu erstellen – Prozesse, die traditionell zeitaufwändig und fehleranfällig sind. Unternehmen, die agentische KI zur Modernisierung nutzen, sind demnach viel seltener im Verzug als frühe Anwender.

Trotz dieser Potenziale bleiben erhebliche Bedenken. Thurai kritisiert, dass Anbieter KI als „Allheilmittel“ anpreisen, die wirtschaftlichen Aspekte jedoch oft nicht haltbar seien. Er warnt vor einer „Sucht nach Softwarekäufen“, bei der Altsysteme selten stillgelegt werden. KI werde zur „neuesten glänzenden Ablenkung“ vom mühsamen Entwirren technischer Schulden.

Ein zentrales Problem sind die potenziell unkontrollierbaren Kosten. Thurai merkt an, dass KI die Infrastruktur-Ausbreitung vorantreiben kann, wodurch die monatliche Rechnung zu einer „Black Box“ wird. Die Kyndryl-Studie bestätigt diese Sorge: Drei von zehn Führungskräften befürchten bereits, dass eine KI-gesteuerte Modernisierung zu unvorhersehbaren Rechenkosten führen wird.

Ausblick auf die IT-Landschaft

Agentische KI könnte ihren Moment haben, besonders für Organisationen, die über einfache Chatbots hinausgehen. Thurai sieht ihren Wert als Orchestrierungsebene, um versteckte technische Abhängigkeiten abzubilden und fehlende Dokumentation zu generieren. Dies beschleunigt Initiativen, die früher Monate fehleranfälliger manueller Arbeit erforderten.

Dennoch bleibt die Modernisierung eine fortlaufende Aufgabe. Thurai fasst zusammen, dass die heutigen KI-gesteuerten Architekturen früher oder später selbst zu Altsystemen werden, die jemand anderes modernisieren muss.


Thema: IBM. Quelle/Inspiration: ZDNet.

← Zurück zu Aktuelles

Ähnliche Artikel