DistroKid entfernt Künstler-Songs nach UMG-Klage wegen ‚KI-Pipeline‘

2026-10-11 · kamil

Der Musikvertriebsdienst DistroKid hat zahlreiche Songs von Künstlern ohne vorherige Ankündigung entfernt. Wie das Unternehmen gegenüber The Verge bestätigte, reagiert es damit auf eine im September von Universal Music Group (UMG) eingereichte Klage. UMG wirft DistroKid vor, eine „KI-Slop-Pipeline“ geschaffen zu haben, was sich auf die massenhafte Verbreitung von mutmaßlich KI-generierter Musik bezieht. Künstler berichten jedoch, dass auch ihre nicht-KI-basierten Werke von dieser Maßnahme betroffen sind.

Künstler beklagen mangelnde Transparenz und Kommunikation

Die Entfernung der Songs stößt bei den betroffenen Künstlern auf große Frustration, insbesondere aufgrund der mangelnden Kommunikation und Transparenz seitens DistroKid. Der Musiker McGwire, bekannt als „Video Game boy“, berichtete, dass sechs seiner Songs von Streaming-Plattformen entfernt wurden. Wie andere Künstler erhielt er weder vor noch nach der Löschung eine Benachrichtigung und musste sich selbst um eine Erklärung bemühen.

Die Kontaktaufnahme mit DistroKid gestaltete sich für McGwire schwierig, da er zunächst einen „langwierigen, zirkulären Dialog“ mit einem Bot führen musste, bevor er einen menschlichen Mitarbeiter erreichte. Zu den entfernten Titeln gehörte ein Cover von Stevie Wonders „Isn’t She Lovely“, für das McGwire nach eigenen Angaben eine gültige Lizenz besaß. Ein anderer Track nutzte einen Beat, den er über einen Marktplatz erworben hatte. Besonders irritierend war die Entfernung eines Songs wegen eines angeblichen Samples, obwohl das angeblich gesampelte Lied erst zwei Jahre nach seinem eigenen Track veröffentlicht wurde. Auch der Nerdcore-Rapper Insane Ian und Rapper King Chase äußerten sich frustriert über die mangelnde Auskunft und die Entfernung ganzer Alben ohne Begründung, die teilweise seit Jahren online waren.

Musikproduzent und Marketingexperte Jesse Cannon äußerte gegenüber The Verge Verständnis für die Lage der Künstler, zeigte sich aber nicht überrascht von der Reaktion DistroKids. Er sagte, DistroKid habe den Kundenservice vor etwa zwei Jahren aufgegeben. Ehemalige Mitarbeiter hätten ihm berichtet, dass das Unternehmen den Kundenservice aufgrund seines hohen Marktanteils und seiner weiten Verbreitung als „Geldverschwendung“ betrachte.

DistroKids Stellungnahme

Amanda Ferri, Vizepräsidentin für Künstlerdienste bei DistroKid, erklärte gegenüber The Verge, dass „eine sehr geringe Anzahl von über DistroKid vertriebenen Aufnahmen als Reaktion auf die Behauptungen von UMG entfernt wurden.“ Sie betonte, dass DistroKid die der Klage von UMG zugrunde liegenden Anschuldigungen „nachdrücklich bestreitet“ und „die Störung für die betroffenen Künstler bedauert.“ Das Unternehmen arbeite daran, diese Beeinträchtigungen zu minimieren und gleichzeitig die Möglichkeit der Künstler zu schützen, ihre Musik zu veröffentlichen.


Thema: Technologie / KI allgemein. Quelle/Inspiration: The Verge.

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