Mehrere ukrainische Drohnenangriffe haben in der letzten Woche russische Rechenzentren lahmgelegt und Berichten zufolge den Online-Bot-Verkehr drastisch reduziert. Eine auf Social-Media-Plattformen zirkulierende Grafik, die Daten von Cloudflare zitiert, zeigte einen starken Rückgang des Bot-Verkehrs nach Angriffen auf Yandex-Server, ein Technologieunternehmen, das oft als „Russlands Google“ bezeichnet wird. Entgegen weit verbreiteter Annahmen, dass dies Desinformations-Bots betrifft, legen Experten eine andere Interpretation nahe.
Art der betroffenen Bots
Während viele Beobachter vermuteten, dass die Grafik auf Bot-Farmen hindeutet, die Desinformationen und Verschwörungstheorien verbreiten, erklärte der für die Aufdeckung von Trollfarmen bekannte Account „antibot4navalny“ auf X (ehemals Twitter), dass die Daten „nichts mit sozialen Medien zu tun haben“. Laut „antibot4navalny“ misst die Grafik tatsächlich Anfragen von automatisierten Yandex-Web-Crawlern. Diese Bots, die Websites für Suchmaschinen indexieren und Kundendienst unterstützen, können zwar auch für bösartige Zwecke wie das Hacken von Benutzerkonten oder das Versenden von Spam missbraucht werden, sind aber primär für legitime Funktionen im Einsatz.
Cloudflare-Daten deuten zudem darauf hin, dass die Bot-Aktivität aus Russland insgesamt, abseits des Yandex-spezifischen Verkehrs, um die Angriffe auf die Rechenzentren herum weitgehend unverändert blieb.
Ungeprüfte Behauptungen zu Desinformation
Andere Grafiken, die einen angeblichen Rückgang russischer Desinformations-Bot-Aktivitäten zeigen, wurden ebenfalls geteilt. Ein solches Diagramm wurde vom Mitglied des Europäischen Parlaments Tomáš Zdechovský auf X verbreitet, der behauptete, die Online-Aktivität rund um die Alternative für Deutschland (AfD) sei nach den russischen Rechenzentrumsangriffen eingebrochen. Der Informatiker Raphael Wimmer äußerte jedoch den Verdacht, dass das von Zdechovský geteilte Diagramm KI-generiert sein könnte. Er wies auf mehrere Inkonsistenzen in der angeblichen Zeitachse hin, darunter einen Datenpunkt für ein zukünftiges Datum, den 15. Oktober. Das Bild wurde offenbar zuerst vom Threads-Nutzer Robin Schlingheider gepostet, dessen Quelle der Daten und ein Bezug zur AfD-Partei unklar bleiben. Wimmer forderte dazu auf, das Teilen ungeprüfter Bilder zu unterlassen, insbesondere von Politikern, Journalisten und Wissenschaftlern.
Auswirkungen auf Yandex-Dienste
In der Zwischenzeit sind die meisten von Yandex betriebenen Systeme, einschließlich des digitalen Bezahldienstes Yandex Pay, nach dem jüngsten Drohnenangriff weiterhin offline. Dies führt dazu, dass Nutzer keine Gelder überweisen, Kontostände überprüfen oder Einkäufe tätigen können. Dima Pirogov, Leiter von Yandex Fintech, erklärte in einer Stellungnahme: „Wir können Ihnen noch keinen genauen Zeitplan für die Wiederherstellung nennen, aber wir versprechen: Wir werden nicht aufhören, bis der Dienst wiederhergestellt ist.“
Thema: Google. Quelle/Inspiration: The Verge.