Die niederländische Steuer- und Zollverwaltung hat ihre geplante Einführung von Microsoft 365 in der Public Cloud gestoppt. Stattdessen soll eine Kombination aus internen (On-Premise) und Open-Source-Lösungen zum Einsatz kommen, um Bedenken hinsichtlich digitaler Souveränität und Datensicherheit zu begegnen. Etwa 5.000 Mitarbeiter waren bereits auf das System migriert worden.
Gründe für den Stopp und Sicherheitsbedenken
Die Entscheidung folgt einer Empfehlung des niederländischen Beirats für IKT-Bewertung vom Juni, der die Umkehr des öffentlichen Cloud-Rollouts nahelegte. Daraufhin pausierte die Regierung den Plan im Juli. Das Gutachten kritisierte das gewählte Microsoft 365 Public-Cloud-Design insbesondere in Bezug auf Informationssicherheit, Informationsverarbeitung und Zukunftsfähigkeit. Ein zentrales Anliegen war der Schutz der Datenvertraulichkeit und die Kontrolle über Informationen, insbesondere im Hinblick auf die Übermittlung vertraulicher Dokumente über amerikanische Server statt über die zuvor genutzten Regierungsnetzwerke.
Weitere Bedenken betrafen die Verschlüsselung. Die vorgeschlagene 365-Konfiguration sah die standardmäßige Microsoft-Verschlüsselung vor, jedoch nicht die Double Key Encryption, welche der Verwaltung eine stärkere Kontrolle ermöglicht hätte. Zudem wäre die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für Einzelgespräche in Microsoft Teams nicht standardmäßig aktiviert gewesen und für Gruppengespräche unter der gewählten Konfiguration nicht verfügbar. Diese Punkte bezogen sich auf das spezifische Implementierungsdesign und nicht auf alle möglichen Microsoft 365-Konfigurationen.
Schließlich identifizierte die Bewertung Anbieterabhängigkeit (Vendor Lock-in), eine reduzierte Flexibilität und das Fehlen einer angemessenen Exit-Strategie als entscheidende Probleme.
Zeitplan für den Umstieg auf offene Lösungen
Finanzstaatssekretär Eelco Eerenberg legte in einem Schreiben an das Parlament einen Zeitplan für den Ersatz fest: Im Jahr 2027 soll die Bereitstellung für E-Mail und Kalender On-Premise realisiert werden. Später im Jahr 2027 und 2028 sollen europäische Open-Source-Lösungen für persönlichen Speicher und Zusammenarbeit folgen. Die bestehende Microsoft-Software wird vorerst beibehalten.
Für die zukünftige Gestaltung entwickeln andere niederländische Regierungsbehörden bereits die „Digitaal Autonome Werkomgeving Overheid“ (DAWO), eine digitale autonome Arbeitsumgebung für die Regierung. Diese beginnt mit dem Ersatz des Windows-Desktops durch die niederländische Linux-Distribution NixOS. Als Desktop-Suite werden Frankreichs La Suite und Deutschlands openDesk in Betracht gezogen. Eine weitere Möglichkeit ist eine Eigenentwicklung namens MijnBureau, die bestehende Open-Source-Projekte wie Nextcloud für Speicher und Zusammenarbeit, Collabora für Office-Dokumente, Element für Messaging und OpenProject für Aufgabenmanagement kombiniert.
Europäischer Trend zur digitalen Souveränität
Diese Entscheidung der niederländischen Steuerbehörden ist Teil eines breiteren europäischen Trends hin zu digitaler Souveränität. Eine Studie der Linux Foundation Europe zeigt, dass 94 Prozent der Organisationen in der Europäischen Union digitale Souveränität als wichtig erachten, wobei 61 Prozent sie als sehr wichtig einstufen. Bereits zuvor haben Regierungen in Österreich, Frankreich, Deutschland und Irland sowie das Schweizer Militär Schritte unternommen, um von proprietärer Software auf Linux und Open-Source-Programme umzustellen.
Thema: Microsoft. Quelle/Inspiration: ZDNet.