Ein Ingenieur des führenden KI-Unternehmens OpenAI ist von der US-Bundespolizei FBI wegen des Verdachts auf Industriespionage und des illegalen Abhörens verhaftet worden. Abdulrahman Alfozan, ein 35-jähriger Ingenieur aus Saudi-Arabien und seit 2020 dauerhafter US-Bürger, der im Juli 2025 von OpenAI eingestellt wurde, soll ein Aufnahmegerät in einem streng vertraulichen Konferenzraum von OpenAI platziert haben. Ihm drohen bei einer Verurteilung bis zu fünf Jahre Haft und eine Geldstrafe von 250.000 US-Dollar.
Ermittlungen und Beweismittel
Das FBI gab die Verhaftung in einer Pressemitteilung bekannt. Demnach soll Alfozan, der über ein Jahr bei OpenAI beschäftigt war, versucht haben, mittels des Geräts Betriebsgeheimnisse auszuspionieren und so die nationale Sicherheit zu gefährden. Das Aufnahmegerät, ein chinesisches Seeed XIAO ESP32-S3 Sense, war laut FBI-Ermittlungen in Toilettenpapier gewickelt und in die Rückseite eines Fernsehers im Konferenzraum gesteckt worden.
OpenAI entdeckte das Gerät am 30. September, zwei Tage nachdem es mutmaßlich am 28. September platziert worden war. Die Inhalte des Geräts waren verschlüsselt. Am 5. Oktober installierte OpenAI eine Kamera im Raum, die Alfozan noch am selben Tag bei einem Versuch zeigte, das Gerät zu entfernen. Die Ermittler werteten auch Chatbot-Protokolle aus, die Alfozan und seiner Ehefrau zugeordnet werden und die Forschung zur kontinuierlichen Aufzeichnung, sprachgesteuerten Aufnahme und Verschlüsselung auf einem solchen Gerät zeigten.
Zusätzlich zu diesen Beweisen zeigte Videomaterial Alfozan im September an zehn verschiedenen Tagen in der Nähe des Konferenzraums. Ein weiteres Seeed-Gerät wurde in einer Tasche gefunden, die Alfozan im Fundbüro als verloren gemeldet hatte, jedoch bei der Auflistung fehlender Gegenstände nicht erwähnte.
Der mutmaßliche Spionageversuch
Alfozan soll im August einen internen Produktivitätsagenten von OpenAI genutzt haben, um Informationen über Ort und Zeitpunkt sensibler Besprechungen zu erhalten. Dies geht aus einer kürzlich entsiegelten eidesstattlichen Erklärung der FBI-Sonderermittlerin Lydia Liang hervor. Liang, eine Datenanalystin, die das gefundene Gerät analysierte, stellte fest, dass es speziell angepasst worden war, um gespeicherte Inhalte, wie möglicherweise abgefangene Audio-Kommunikation, zu verschleiern und ein verschlüsseltes Dateisystem auf der microSD-Karte zu verwenden.
Reaktion von OpenAI und Behörden
OpenAI reagierte auf den Verdacht, indem es Alfozans Systemzugriff schrittweise entzog und eng mit dem FBI zusammenarbeitete, um die Inhalte des Aufnahmegeräts zu analysieren. Seine Entlassung erfolgte gleichzeitig mit der Festnahme durch das FBI. FBI-Direktor Kash Patel betonte, dass die Verhaftung entscheidend für die Sicherung der wirtschaftlichen Stärke und nationalen Sicherheit der USA sei und die Überwachung von KI-Forschungseinrichtungen eine hohe Priorität habe. US-Staatsanwalt Craig Missakian hob die Bedeutung des Schutzes amerikanischer Innovation in Silicon Valley hervor und bekräftigte die Bemühungen, jene zu verfolgen, die Technologie stehlen wollen.
Thema: OpenAI. Quelle/Inspiration: Ars Technica.