Ex-OpenAI-Ingenieur wegen Spionagevorwürfen in Haft

2026-10-20 · kamil

Ein ehemaliger Ingenieur von OpenAI, Abdulrahman Alfozan, muss vorerst in Haft bleiben. Ein US-Gericht entsprach am Montag dem Antrag der Regierung, seine Freilassung zu verweigern. Die US-Behörden werfen Alfozan vor, einen Konferenzraum des KI-Unternehmens OpenAI mit Abhörgeräten präpariert zu haben, um sensible Informationen zu stehlen.

Details der Anschuldigungen

US-Staatsanwalt Craig Missakian argumentierte, dass Alfozan, ein saudi-arabischer Staatsbürger und US-Daueraufenthaltsberechtigter, ein erhebliches Fluchtrisiko darstelle. Die Beweismittel legen nahe, dass Alfozan entweder für seinen persönlichen Geschäftserfolg spionierte oder zum Nutzen des Königreichs Saudi-Arabien handelte. Die Ermittler fanden auf seinem iPhone einen Ordner namens „Saudi Gov Docs“, den er kurz vor seiner Festnahme aufgerufen hatte. Zudem wurden Fotos eines zweiten Abhörgeräts entdeckt, das er angeblich in den Büros platzierte.

Alfozan soll WhatsApp-Nachrichten mit einem Mitglied der saudi-arabischen Königsfamilie ausgetauscht haben. Diese Nachrichten, die bis ins Jahr 2025 zurückreichen, beinhalteten unter anderem eine Aufforderung, dass „Saudi-Arabien ihn mehr braucht als die USA“, worauf Alfozan mit „100“ geantwortet haben soll. Die US-Regierung vermutet, dass Alfozan dabei war, dauerhaft nach Saudi-Arabien zurückzukehren, während das Land seine „Vision 2030“ vorantreibt, eine Initiative zur Förderung der Künstlichen Intelligenz.

Fluchtgefahr und Saudi-Arabiens Rolle

Die FBI-Beamten verhafteten Alfozan Tage vor einem geplanten Flug nach Riad, der saudi-arabischen Hauptstadt. Das One-Way-Ticket für ihn, seine Frau und ihr Baby soll von der saudi-arabischen Regierung bezahlt worden sein. Nach seiner Festnahme verließen seine Frau und sein Sohn die USA umgehend mit einem früheren Flug, der ebenfalls von einem Mitglied des saudi-arabischen Militärs gebucht und bezahlt wurde.

Missakian wies darauf hin, dass Alfozan, der nach einem Jahrzehnt hochtechnologischer Beschäftigung im Silicon Valley über „erhebliche Ressourcen“ und „mindestens zwei Bankkonten in Saudi-Arabien“ verfügt, die Mittel zur Flucht besitze. Die US-Regierung verwies auf einen früheren Fall, in dem ehemalige Twitter-Mitarbeiter der Spionage für Saudi-Arabien beschuldigt wurden und ein saudi-arabischer Beamter einem der Beschuldigten zur Flucht verhalf.

Hintergrund und mutmaßliche Vorgehensweise

Abdulrahman Alfozan zog 2009 in die USA und erwarb Abschlüsse am MIT und der UC Berkeley. Er wurde im Juli 2025 von OpenAI als Ingenieur mit einem Jahresgehalt von 325.000 US-Dollar und einem Aktienpaket von 2,2 Millionen US-Dollar eingestellt. Die mutmaßlichen Spionageaktivitäten sollen Monate nach seiner Einstellung begonnen haben.

Die Ermittlungen ergaben, dass Alfozan einen internen Produktivitäts-Agenten von OpenAI nutzte, um geeignete Konferenzräume für seine Spionage zu identifizieren. Protokolle deuten auch darauf hin, dass er das persönliche ChatGPT-Konto seiner Frau verwendete, um Methoden zur Modifikation seiner Abhörgeräte zu recherchieren, damit diese sprachgesteuert aufzeichnen und Fernzugriff ermöglichen würden. Ein in einem Konferenzraum gefundenes Abhörgerät war während eines streng geheimen Treffens mit US-Regierungsvertretern aktiv, was nach Angaben der US-Regierung eine Gefahr für die nationale Sicherheit darstellen könnte.

Obwohl Alfozan bei seiner Festnahme seinen saudi-arabischen Pass beschlagnahmt bekam, befürchtet die Staatsanwaltschaft, dass er mit Unterstützung einer ausländischen Regierung neue Reisedokumente beschaffen und fliehen könnte.


Thema: OpenAI. Quelle/Inspiration: Ars Technica.

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