Das Startup Electric Plant, gegründet von Mast und dem Neurowissenschaftler Lee von Kraus, hat kürzlich eine Seed-Finanzierungsrunde in Höhe von 11,2 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Angeführt wurde die Runde von Onto Ventures und Climactic, mit Beteiligung weiterer Investoren wie Ponderosa, Endeavor Catalyst, Ludlow, Michigan Rise, The Fund, Schox VC und Dug Song. Das Unternehmen entwickelt ein KI-Modell namens Bombadil, das subtile elektrische Signale von Pflanzen interpretiert, um deren Bedürfnisse zu erkennen und Landwirten sowie Gärtnern präzisere Informationen für Anbauentscheidungen zu liefern.
Die Technologie hinter Bombadil
Die Idee entstand, als Mast in wissenschaftlicher Literatur auf eine Studie stieß, bei der eine Topfpflanze über elektrische Signale ihren motorisierten Ständer steuerte, um mehr Licht zu suchen. Dies führte zur Gründung von Electric Plant vor drei Jahren. Seitdem sammelte das Team Daten, um Bombadil, ein sogenanntes Large Language Model (LLM), zu entwickeln. Dieses Modell ist in der Lage, die geringfügigen elektrischen Ströme in den Pflanzenstämmen zu analysieren und detaillierte Informationen über die Bedürfnisse der Pflanze an die Anbauer weiterzuleiten.
Die Sensoren von Electric Plant, etwa so groß wie ein längs gefaltetes iPhone, werden mit Edelstahlschrauben an der Pflanze befestigt. Diese Schrauben müssen das Kambium, die lebende Gewebeschicht direkt unter der Rinde, durchdringen, um die Mikrovolt-Veränderungen im Inneren der Pflanze zu erfassen. Die gesammelten Daten werden über ein stromsparendes drahtloses Netzwerk an eine Basisstation gesendet. Von dort interpretiert Bombadil die Daten in der Cloud, und die Ergebnisse werden an die Kunden übermittelt.
Vorteile für Landwirtschaft und Forstwirtschaft
Nach Angaben von Mast mangelt es Landwirten und Gärtnern selbst in hochkontrollierten Gewächshäusern an vollständiger Transparenz bezüglich der Pflanzenbedürfnisse. Herkömmliche Werkzeuge wie Bodenproben, tragbare Spektroskope und Satellitenbilder liefern zwar Daten, sind aber oft zu langsam, um die Echtzeit-Anforderungen der Pflanzen präzise zu erfassen. Bombadil, das auf Basis dieser traditionellen Daten trainiert wurde, kann die elektrischen Signale von etwa 125 verschiedenen Pflanzenarten interpretieren. Das Spektrum reicht dabei von Farnen über Mammutbäume und Tomaten bis hin zu Dahlien. Mast betont, dass Bombadil das vielfältigste Modell sei, das jemals für biologische elektrische Signale erstellt wurde.
Die Sensoren von Electric Plant sind zudem deutlich kostengünstiger als bestehende Lösungen, die oft Tausende von Dollar kosten, während die neuen Sensoren nur „Zehner von Dollar“ kosten sollen. Für präzise Ergebnisse sind lediglich wenige Sensoren pro Hektar erforderlich. Durch die präzisen Informationen von Bombadil können Kunden beispielsweise ihre Bewässerungs- oder Düngepläne anpassen. Mast prognostiziert, dass ein solches System die Erträge steigern und den Wasserverbrauch um 20 Prozent oder mehr reduzieren kann.
Zukünftige Vision
Obwohl Electric Plant keine ersten Kunden nannte, sind Anwendungen in der Land- und Forstwirtschaft naheliegend. Die Gründer sehen in ihrem Modell das Potenzial für ein Werkzeug, das Menschen eines Tages ermöglichen könnte, mit Pflanzen zu „sprechen“. Mast betont: „Wir hören mehr zu, als wir sprechen, aber Zuhören ist der erste Schritt.“
Thema: Technologie / KI allgemein. Quelle/Inspiration: TechCrunch.