Devavrat Shah, Chef-Wissenschaftler für Unternehmens-KI bei Celonis, unterstreicht die zentrale Bedeutung von operationalem Kontext für den erfolgreichen Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) in Unternehmen. Um KI von experimentellen Anwendungen in den alltäglichen Betrieb zu überführen, müsse die Technologie ein tiefes Verständnis der Geschäftsprozesse entwickeln. Dies sei entscheidend, um fundierte Entscheidungen zu ermöglichen und kostspielige Fehler zu vermeiden.
Die Herausforderung ohne Kontext
Ohne dieses Verständnis der spezifischen Abläufe eines Unternehmens laufen selbst leistungsfähige KI-Modelle Gefahr, wichtige Einschränkungen und Beziehungen zu übersehen. Shah weist darauf hin, dass KI-Agenten – Softwareprogramme, die autonome Aufgaben ausführen – die ohne den richtigen operativen Kontext agieren, verallgemeinerte Prinzipien auf spezialisierte Szenarien anwenden und dabei unzureichende Ergebnisse liefern können. Dies kann zu Fehlentscheidungen, erheblichen Kosten und einem übermäßigen Verbrauch von Rechenressourcen führen, da die Systeme versuchen, die benötigten Informationen selbst zu ermitteln. Shah bezeichnet die Integration von Kontext und KI als „Entscheidungsintelligenz“, die unerlässlich ist, um einzelne Aufgaben innerhalb größerer Entscheidungsprozesse sinnvoll zu unterstützen.
Lösungsansatz und Vorteile
Die Lösung beginnt laut Shah damit, KI mit den bereits vorhandenen Prozessen und Daten eines Unternehmens zu verbinden. Eine kontextuelle Schicht kann KI-Agenten dabei helfen, Arbeitsabläufe zu verstehen, innerhalb definierter Leitplanken zu agieren und überprüfbare Empfehlungen zu generieren. Unternehmen sollten demnach mit einer spezifischen Geschäftsentscheidung beginnen, deren komplexeste Schritte identifizieren und testen, ob KI diese verbessern kann. Die Messung von Geschwindigkeits- und Wertsteigerungen dient dann als Grundlage für die Entscheidung, ob eine Anwendung skaliert werden soll. Dieser Ansatz kann auch die Arbeitsweise von Mitarbeitern verändern, indem repetitive Aufgaben automatisiert und die Koordination zwischen Teams verbessert wird. Dies ermöglicht es den Menschen, sich auf strategischere und komplexere Entscheidungen zu konzentrieren.
Mitarbeiter und Zukunftsaussichten
Um diese Vorteile vollständig zu realisieren, ist jedoch eine Investition in die Weiterbildung der Belegschaft erforderlich. Mitarbeiter müssen lernen, die Ausgaben der KI und deren Implikationen zu verstehen, anstatt Entscheidungen einfach an die Agenten abzugeben. Shah sieht zukünftige Anwendungsmöglichkeiten der kontextuellen KI von routinemäßigen operativen Aufgaben bis hin zur unternehmensweiten Planung in Bereichen wie Finanzen, Personalmanagement, Marketing und Vertrieb. Mit dem richtigen Kontext könnte KI Unternehmen dabei unterstützen, Optionen schneller zu bewerten und weitreichende Entscheidungen zügiger zu treffen.
Thema: Technologie / KI allgemein. Quelle/Inspiration: MIT Technology Review.