Google hat im Jahr 2025 einen Anstieg seines jährlichen Stromverbrauchs um 37 Prozent verzeichnet. Dies stellt laut dem Unternehmen die größte Zunahme in seiner Geschichte dar und ist maßgeblich auf den anhaltenden Ausbau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz (KI) zurückzuführen. Gleichzeitig gab der Tech-Konzern an, die betrieblichen Kohlenstoffemissionen durch den massiven Kauf von sauberer Energie stabil gehalten zu haben.
Steigender Energiebedarf und KI-Wachstum
Der aktuelle Nachhaltigkeitsbericht von Google zeigt, dass der gesamte Stromverbrauch des Unternehmens seit 2019 um mehr als 250 Prozent gestiegen ist. Diese Entwicklung wird dem Wachstum von Google Cloud, YouTube-Videostreaming sowie dem Bau und Betrieb von Rechenzentren für verschiedene KI-Produkte und -Dienste zugeschrieben. Der Anstieg um 37 Prozent im Jahr 2025 setzt einen Trend fort, da der Gesamtstromverbrauch bereits im Jahr 2024 um 27 Prozent zugenommen hatte.
Die Rechenzentren von Google, die den Großteil des Stroms verbrauchen, benötigten 2025 über 42 Millionen Megawattstunden (MWh) Strom. Im Vergleich dazu waren es 2024 noch 30,6 Millionen MWh. Dieser Energieverbrauch entspricht dem Strombedarf ganzer Länder wie Neuseeland, Dänemark oder Nigeria.
Emissionsreduktion trotz höherem Verbrauch
Trotz des erheblichen Anstiegs des Stromverbrauchs meldete Google eine Reduzierung seiner betrieblichen Emissionen um 2 Prozent im selben Zeitraum. Diese sogenannte „Entkopplung von strombezogenen Emissionen“ vom steigenden Energieverbrauch wird als potenziell vielversprechend bewertet. Das Unternehmen betonte jedoch, dass es in den kommenden Jahren seine Investitionen in saubere Energie und Partnerschaften mit lokalen Akteuren verstärken müsse, da der Ausbau der KI-Infrastruktur derzeit schneller voranschreite als die Dekarbonisierung der Stromnetze.
Google gleicht seinen gesamten Stromverbrauch in seinen weltweiten Betrieben seit neun Jahren jährlich zu 100 Prozent durch den Kauf erneuerbarer Energien aus. Im Jahr 2025 umfassten die Kaufverträge des Unternehmens 12 Gigawatt (GW) „neue saubere Energie“, was den größten jährlichen Gesamtbetrag in der Unternehmensgeschichte darstellt.
Herausforderungen in der Lieferkette und Gesamtbilanz
Die Emissionen in Googles Lieferkette, die von Vertragsherstellern und Zulieferern verursacht werden, stiegen im gleichen Zeitraum um 25 Prozent. Dies liegt an einer Lieferkette im asiatisch-pazifischen Raum, die auf Stromnetze angewiesen ist, die noch nicht ausreichend mit kohlenstofffreier Energie versorgt werden. Infolgedessen stiegen Googles „ehrgeizbasierte Emissionen“ (ambition-based emissions) zwischen 2024 und 2025 insgesamt um 18 Prozent.
Der gesamte CO2-Fußabdruck des Unternehmens für 2025 belief sich auf etwa 14,5 Millionen Tonnen Kohlendioxidäquivalente. Damit liegt Google im weltweiten Vergleich der Emissionen ungefähr auf Platz 100, zwischen der Elfenbeinküste und Panama.
Strategie für kohlenstofffreie Energie
Google hat seine Bemühungen um eine „24/7 kohlenstofffreie Energieversorgung“ intensiviert. Dies berücksichtigt, dass Unternehmen zwar 100 Prozent erneuerbare Energien beziehen können, aber lokal weiterhin Strom aus fossilen Brennstoffen nutzen, wenn das lokale Netz nicht vollständig dekarbonisiert ist. Der neue Ansatz konzentriert sich auf eine detailliertere Bilanzierung, die stündliche und lokale Übereinstimmungen für saubere Energie zertifiziert.
Laut Michael Thomas, CEO der Datenplattform Cleanview, die Projekte im Bereich erneuerbare Energien und Rechenzentren verfolgt, ist Google einer der größten Investoren in Technologien für saubere Energie weltweit. Googles breitere Investitionen umfassen die Kommerzialisierung von fortgeschrittener Kernenergie, Fusionsenergie, verbesserter Geothermie, Langzeitspeichern und Erdgas mit Kohlenstoffabscheidung und -speicherung. Zwischen 2010 und 2025 investierte das Unternehmen über 3,8 Milliarden US-Dollar, was voraussichtlich 7,5 GW an sauberer Energie online bringen wird.
Allerdings wies Thomas in einem Newsletter vom April 2026 darauf hin, dass Googles 40-Milliarden-Dollar-Investition in Rechenzentren in Texas einen Campus umfassen könnte, der potenziell von einem 933-Megawatt-Erdgaskraftwerk ohne Kohlenstoffabscheidungstechnologie betrieben wird. Die Turbinen dieses Erdgaskraftwerks könnten jährlich 4,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid produzieren. Ein Google-Sprecher erklärte gegenüber Thomas, dass das Unternehmen noch keine Vereinbarung darüber unterzeichnet habe, wie viel Strom das Rechenzentrum von diesem Erdgaskraftwerk beziehen könnte.
Thema: Google. Quelle/Inspiration: Ars Technica.