Das Vereinigte Königreich hat ein umfassendes Verkaufsverbot für Tabakprodukte an künftige Generationen beschlossen. Als Teil des „Tobacco and Vapes Act 2026“ ist es Einzelhändlern untersagt, Tabak an Personen zu verkaufen, die nach dem 1. Januar 2009 geboren wurden. Dieses Verbot gilt dauerhaft, unabhängig vom Alter der betroffenen Personen.
Ein „Endgame“-Ansatz zur Tabakbekämpfung
Diese Strategie wird als „Endgame“-Ansatz bezeichnet, da sie darauf abzielt, den Tabakkonsum vollständig zu eliminieren, anstatt ihn nur zu reduzieren. Während viele bisherige Maßnahmen wie Besteuerung oder abschreckende Bilder den Konsum mindern sollten, ist das neue Gesetz auf eine vollständige Abschaffung des Tabakverkaufs für eine ganze Generation ausgelegt. Ob diese Herangehensweise erfolgreich sein wird, ist noch ungewiss.
Internationale Vorbilder und Herausforderungen
Die Malediven waren im November des vergangenen Jahres das erste Land, das ein generationsübergreifendes Rauchverbot eingeführt hat; die Ergebnisse sind noch nicht absehbar. Neuseeland verabschiedete 2022 ein ähnliches Gesetz, das jedoch im Februar 2024 von einer neuen Regierung wieder aufgehoben und somit nie umgesetzt wurde.
Im Vereinigten Königreich wird das Verbot von den beiden großen Parteien unterstützt. Nigel Farage von der Reform Party hat jedoch angekündigt, das Gesetz bei einer Regierungsbeteiligung rückgängig zu machen.
Argumente für und gegen das Verbot
Chris Bostic, ein Anwalt und ehemaliger Politikdirektor der Interessenvertretung Action on Smoking and Health, setzte sich bereits vor elf Jahren für generationsübergreifende Verbote in den USA ein. Damals stieß er auf Skepsis, selbst bei großen Gesundheitsorganisationen. Kritiker argumentierten, solche Verbote würden persönliche Freiheiten einschränken.
Britta Matthes, eine Tabakkontrollforscherin an der University of Bath, kontert dies mit dem Argument der „Freiheit von Sucht“. Die meisten Raucher beginnen als Teenager, wollen später aufhören und bereuen den Beginn. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellt fest, dass Tabak die wohl schädlichste Konsumgüterart ist und die Hälfte seiner Konsumenten tötet, wenn diese nicht aufhören. Zudem sterben jährlich 1,6 Millionen Nichtraucher an den Folgen von Passivrauchen, von insgesamt 7 Millionen tabakbedingten Todesfällen.
Wirkung auf die öffentliche Gesundheit und zukünftige Schritte
Generationsübergreifende Verkaufsverbote sind eine langfristige Strategie, die primär zukünftige Raucher schützen soll. Experten sind sich einig, dass auch aktuelle Raucher bei politischen Maßnahmen berücksichtigt werden sollten und ein mehrgleisiger Ansatz am besten ist. Janet Hoek von der University of Otago schlägt vor, sehr niedrige Nikotingrenzwerte und ein Verbot von Filtern, die die Umwelt belasten und das Rauchen nicht sicherer machen, als wirksame Kombination zu prüfen.
Entwicklung in den USA und Normalisierung der Idee
In den USA gab es bereits Fortschritte in kleinerem Maßstab. Seit 2021 verbietet die Stadt Brookline in Massachusetts den Verkauf von Tabakprodukten an Personen, die nach dem 1. Januar 2000 geboren wurden. Diese Idee hat sich verbreitet, und mittlerweile gibt es 23 Städte in Massachusetts mit ähnlichen Verboten. Weitere neun Städte in Minnesota, New York und Kalifornien haben andere „Endgame“-Strategien umgesetzt.
Das britische Gesetz hat die Idee eines generationsübergreifenden Verbots weiter normalisiert. Bostic berichtet, dass Gesundheitsbehörden weltweit nun anfragen, ob ähnliche Maßnahmen auch in ihren Ländern umgesetzt werden könnten.
Thema: Technologie / KI allgemein. Quelle/Inspiration: MIT Technology Review.