Anthropic erweitert die Verfügbarkeit seines KI-Agenten Claude Cowork auf Mobilgeräte und Webbrowser. Bislang war diese Funktion ausschließlich über die Desktop-Anwendung zugänglich. Der Beta-Zugang wird in den kommenden Wochen schrittweise eingeführt, beginnend mit Abonnenten der Max-Stufe.
Erweiterte Zugänglichkeit und mobile Interaktion
Die Ausweitung auf mobile Endgeräte und das Web ermöglicht es Nutzern, eine Aufgabe am Schreibtisch zu initiieren, ihren Fortschritt unterwegs per Telefon zu überprüfen und das fertige Ergebnis überall in einem Browser abzurufen. Claude Cowork arbeitet dabei im Hintergrund weiter, auch wenn ein Laptop geschlossen oder ein Telefon ausgeschaltet ist.
Die Interaktion mit dem Nutzer, der sogenannte „Human in the Loop“, wird ebenfalls mobil. Wenn der KI-Agent an einen Punkt gelangt, der eine menschliche Entscheidung erfordert, fragt er über das Smartphone nach. Anthropic betont, dass nichts ohne die vorherige Überprüfung und Genehmigung durch den Nutzer gesendet wird.
Vielfältige Anwendungsbereiche jenseits der Softwareentwicklung
Laut Anthropic entfallen über 90 Prozent der Cowork-Nutzung nicht auf Software-Arbeiten. Der Agent ist primär für allgemeine Wissensarbeit konzipiert. Die zwei größten Anwendungsbereiche sind Geschäftsabläufe und Inhaltserstellung, die zusammen etwa die Hälfte der gesamten Nutzung ausmachen. Beispiele hierfür sind der Abgleich vierteljährlicher Ausgaben, das Entwerfen von Varianznotizen oder das Erstellen von Kundendecks auf Basis von Anrufprotokollen.
Desktop-App weiterhin relevant für lokale Funktionen
Die Desktop-Anwendung bleibt für Funktionen, die auf das lokale System zugreifen, unverzichtbar. Dazu gehören das Lesen und Schreiben von Dateien in verbundenen Ordnern, lokale Konnektoren und Plugins, die Browsersteuerung über Claude in Chrome sowie die Computer Use-Funktion, bei der Claude direkt auf dem Bildschirm klickt, tippt und navigiert. Nutzer, die die Desktop-App bisher nicht installieren konnten, können Cowork nun erstmals über einen Webbrowser ausprobieren, allerdings ohne diese lokalen Fähigkeiten.
Zukünftig teilen sich Chat und Cowork auf Web und Desktop einen gemeinsamen Startbildschirm. Projekte und Artefakte sind plattformübergreifend verfügbar. Anlässlich der Erweiterung verlängert Anthropic die verdoppelten Cowork-Nutzungslimits bis zum 5. August.
Die Grenzen zwischen Chat und Cowork verschwimmen zunehmend, mit Ausnahme des lokalen Dateizugriffs, der der Webversion fehlt. Anthropic scheint eine Zusammenführung der beiden Produkte anzustreben, ähnlich wie OpenAI dies mit Codex und ChatGPT plant. Das französische KI-Unternehmen Mistral hat diesen Schritt bereits vollzogen, indem es seinen Chatbot Le Chat durch Vibes, eine leistungsfähigere agentische Codierungsumgebung, ersetzte. Die größeren Markennamen wie ChatGPT und Claude könnten eine solche Fusion für OpenAI und Anthropic jedoch komplexer gestalten.
Thema: Anthropic. Quelle/Inspiration: The Decoder.