Fidji Simo, die Nummer zwei von OpenAI und CEO of Applications, tritt von ihrer Vollzeitposition zurück. Grund ist eine länger als erwartete medizinische Auszeit, die sie nun in eine beratende Teilzeitrolle überführt. Ihr Abgang erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem OpenAI einen möglichen Börsengang prüft und im Unternehmensmarkt mit Anthropic konkurriert.
Simo’s Rolle und Zuständigkeiten bei OpenAI
Simo trat OpenAI im Mai 2025 als CEO of Applications bei, eine neu geschaffene Position, die direkt Sam Altman unterstellt war. Sie konsolidierte die Geschäfts- und Produktoperationen des Unternehmens. Im Rahmen einer umfassenden Umstrukturierung berichteten der COO Brad Lightcap, die CFO Sarah Friar und der CPO Kevin Weil direkt an Simo, während sich Altman auf Forschung, Computing und Sicherheit konzentrierte. Simo hatte ihre Gesundheitsprobleme, eine neuroimmune Erkrankung, im April öffentlich gemacht, als sie eine medizinische Auszeit ankündigte.
Hintergrund und Implikationen für OpenAI
Vor ihrer Zeit bei OpenAI war Simo ab 2021 CEO von Instacart und führte das Unternehmen 2023 durch seinen Börsengang. Davor war sie über ein Jahrzehnt bei Meta tätig, wo sie unter anderem die Facebook-App leitete. Ihr Rücktritt hinterlässt eine Führungslücke, da Simo als potenzielle Kandidatin für erweiterte Verantwortlichkeiten nach einem möglichen OpenAI-Börsengang galt. Ihr Fokus lag primär auf dem Wachstum des Konsumentengeschäfts von OpenAI. Nach einer Abkühlung des Wachstums von ChatGPT und verfehlten internen Umsatzzielen konzentriert sich das Unternehmen verstärkt auf Codierungswerkzeuge, ein Bereich, in dem es hinter Anthropic liegt. Sam Altman äußerte sich auf X (ehemals Twitter) traurig über ihren Abschied und dankbar für ihre Beiträge.
Weitere Personalien und strategische Ausrichtung
Neben Simo haben auch andere Führungskräfte das Unternehmen verlassen oder ihre Rollen gewechselt: Kate Rouch (CMO) verließ das Unternehmen zur Genesung von Krebs, und Kevin Weil (CPO) ist ebenfalls ausgeschieden. Brad Lightcap wechselte in eine „Sonderprojekte“-Rolle. Am selben Tag von Simos Ankündigung stellte OpenAI die neuen GPT-5.6-Modelle Sol, Terra und Luna sowie den neuen Agenten ChatGPT Work vor, der mehrstufige Büroaufgaben bewältigen soll. Beide Veröffentlichungen zielen direkt auf Anthropic ab. Die Führungsebene von OpenAI erscheint angesichts einer Bewertung von 852 Milliarden US-Dollar als relativ dünn besetzt. Denise Dresser, die im Dezember als Chief Revenue Officer kam, könnte eine erweiterte Rolle übernehmen, da sie zuvor CEO von Slack war.
Änderungen bei Mitarbeiterbeteiligungen
Im April des Vorjahres verkürzte OpenAI die Wartezeit (Vesting Cliff) für die Übertragung von Aktienanteilen für neue Mitarbeiter von 12 auf 6 Monate. Im Dezember wurde diese Wartezeit für neueinstellungen gänzlich abgeschafft, was bedeutet, dass Aktienanteile vom ersten Tag an übertragen werden. Diese Maßnahme, intern von Simo als Möglichkeit beschrieben, Mitarbeitern das Eingehen von Risiken ohne Angst vor dem Verlust von Eigenkapital bei vorzeitigem Ausscheiden zu ermöglichen, ist Teil eines aggressiven Vorgehens im Kampf um KI-Talente. OpenAI wird für 2025 voraussichtlich 6 Milliarden US-Dollar für aktienbasierte Vergütungen ausgeben. Die genannten Abgänge stehen jedoch nicht im Zusammenhang mit diesen Vergütungsregelungen.
Thema: OpenAI. Quelle/Inspiration: TechCrunch.