Eine öffentliche Auseinandersetzung zwischen Sam Altman und Elon Musk in sozialen Medien hat die Debatte um die Realisierbarkeit von Rechenzentren im Weltraum neu entfacht. Altman äußerte sich kritisch zu Musks Plänen, „kurzfristig Weltraum-Rechenzentren an Investoren zu verkaufen“, und sprach damit eine verbreitete Skepsis unter Fachleuten aus.
Die Mehrheit der Experten ist sich einig, dass orbitale Rechenzentren in absehbarer Zeit kein ernsthaftes Geschäftsmodell darstellen werden. Diese Einschätzung steht im Kontrast zu den Erwartungen einiger Investoren, die in SpaceX‘ Plänen für eine Flotte von orbitalen Rechenzentren zur Durchführung von KI-Inferenzaufgaben (Prozesse, bei denen künstliche Intelligenz bereits trainierte Modelle anwendet, um Vorhersagen oder Entscheidungen zu treffen) ein enormes Potenzial sehen. Dieses Potenzial, so Analysten, trage maßgeblich zur hohen Bewertung von SpaceX bei, indem es als Antrieb für SpaceXAI-Modelle oder als „orbitales Neocould“ dienen könnte.
Hürden für wirtschaftlichen Betrieb
Fachleute aus der Raumfahrtbranche – darunter Gründer von Start-ups für Weltraum-Rechenzentren, Googles Entwicklerteam für orbitale Rechenprojekte und Ingenieure – weisen darauf hin, dass ein signifikanter Fortschritt erst mit deutlich günstigeren Raketen und der kostengünstigen Massenproduktion von Hochleistungssatelliten möglich sein wird.
Musk setzt auf die Entwicklung der Starship-Rakete von SpaceX, deren dreizehnter Testflug für Mitte Juli erwartet wird. Sollte Starship wiederholt und zuverlässig fliegen, könnte dies die wirtschaftliche Grundlage für Weltraum-Rechenzentren schaffen. Jedoch könnte selbst bei einer erfolgreichen Bergung beider Raketenstufen im Testflug der operative, wiederverwendbare Flugbetrieb noch Jahre entfernt sein. Zudem dürften SpaceX‘ Verpflichtungen gegenüber der NASA und der Ausbau des eigenen Starlink-Netzwerks Vorrang vor dem Start von Weltraum-Rechenzentren haben.
Skalierung erst in den 2030er-Jahren erwartet
SpaceX räumte bereits während der IPO-Roadshow ein, dass Starship kurzfristig möglicherweise nicht vollständig wiederverwendbar sein wird und bei jedem Start die zweite Stufe verloren geht. Dies würde die Wirtschaftlichkeit von Weltraum-Rechenzentren erheblich beeinträchtigen.
Musks Aussage, man werde „nächstes Jahr mit dem Fliegen beginnen“, wird daher von Experten relativiert. Zwar könnte SpaceX im kommenden Jahr einen Satelliten mit Hochgeschwindigkeits-Datenverarbeitungskapazitäten starten, die entscheidende Frage ist jedoch, wann ein Start und die Fertigung in großem Maßstab möglich sein werden. Dies wird von Experten voraussichtlich erst in den 2030er-Jahren erwartet.
Thema: Technologie / KI allgemein. Quelle/Inspiration: TechCrunch.