Die Suche nach einem zuverlässigen Testgerät für USB-C-Kabel kann aufwendig sein, da viele günstige Optionen eingestellt wurden. Nun steht Mac-Nutzern mit Apple-Silicon-Chips eine kostenlose Software namens WhatCable zur Verfügung, die detaillierte Informationen über angeschlossene USB-C-Kabel liefert. Die Anwendung liest Daten aus, die der Mac bereits über verbundene USB-Geräte sammelt, aber normalerweise nicht direkt an den Nutzer weitergibt.
Funktionsweise von WhatCable
WhatCable nutzt die in jedem Apple-Silicon-Mac vorhandenen Port-Controller-Chips. Diese Chips sind für die Aushandlung der USB Power Delivery zuständig. Wenn ein USB-C-Kabel mit einem sogenannten e-Marker – einem kleinen Chip im Kabel selbst – angeschlossen wird, sendet der Port-Controller eine „Discover Identity“-Nachricht an diesen e-Marker. Daraufhin übermittelt das Kabel strukturierte Informationen wie Hersteller-ID, Geschwindigkeits- und Stromstärkeangaben, Spannungsgrenzen sowie ob es aktiv oder passiv ist.
macOS speichert diese Antwort im IOKit-Register des Systems. WhatCable greift über Apples öffentliche APIs auf diese Daten zu, ohne dass Root-Zugriff oder spezielle Berechtigungen erforderlich sind. Die Software liest zudem Informationen direkt von der Mac-Hardware aus, darunter die tatsächlich ausgehandelte Verbindungsgeschwindigkeit, die Thunderbolt-Link-Geschwindigkeit sowie die Live-Spannung und den Strom an jedem Port. Durch die Kombination dieser Daten – von Kabel, angeschlossenem Gerät und Mac – kann WhatCable nicht nur die beworbenen Spezifikationen anzeigen, sondern auch die aktuelle Leistung der Verbindung und potenzielle Engpässe identifizieren.
Praktische Anwendung und Testergebnisse
In Praxistests zeigte sich die Nützlichkeit von WhatCable. Ein kurzes Satechi-Kabel meldete beispielsweise eine USB 2.0-Geschwindigkeit von 480 Mbps und eine Ladeleistung von 100 Watt, was sich als korrekt erwies. Ein anderes, als 10 Gbit/s und 100 Watt beworbenes Supercalla-Kabel, dessen e-Marker diese Werte bestätigte, wurde vom Mac jedoch nicht mit der vollen Geschwindigkeit behandelt, was auf eine Abnutzung des Kabels hindeutete. Auch ein 240 Watt USB4 40 Gbit/s-Kabel, dessen e-Marker die hohen Spezifikationen validierte, erreichte bei einem Festplattenanschluss eine 10 Gbit/s-Verbindung, was zu schnellen Übertragungen von 25 GB in wenigen Sekunden führte.
Ein weiteres Beispiel zeigte die Grenzen der e-Marker-Informationen auf: Ein Ladekabel, das auf Amazon nur USB 2.0-Geschwindigkeiten versprach, meldete über seinen e-Marker fälschlicherweise 10 Gbit/s USB 3-Daten. Die tatsächliche Übertragungsgeschwindigkeit für 25 GB lag jedoch bei Minuten statt Sekunden, was belegte, dass das Kabel die beworbenen Daten nicht einhalten konnte.
Entwickler und weitere Entwicklungen
Der Entwickler Morley bietet WhatCable als kostenlose Kernversion an, die „immer kostenlos bleiben“ soll. Eine Pro-Version für 9,99 £ erweitert den Funktionsumfang um Echtzeit-Leistungsüberwachung, Diagnosefunktionen und eine Terminalansicht. Morley hat zudem eine vereinfachte App namens WhatPort entwickelt, die die Aktivitäten an den USB-C-Ports eines Macs in Echtzeit überwacht, inklusive Strom, Daten und Video.
Eine Version von WhatCable für Windows, Android oder iOS ist aufgrund der großen Hardware-Varianz und fehlender niedrigschwelliger APIs nicht geplant. Eine Linux-Portierung befindet sich jedoch in Arbeit, und die Mac-Version wird kontinuierlich aktualisiert. Updates können auf Morleys GitHub-Seite verfolgt werden.
Thema: Apple. Quelle/Inspiration: The Verge.