Die Perimenopause, die Übergangsphase vor den Wechseljahren, rückt zunehmend in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit, befeuert durch soziale Medien und TV-Persönlichkeiten. Doch Experten warnen vor einer Welle von Fehlinformationen, die zu unnötigen Tests und einer unkritischen Anwendung von Hormonersatztherapien (HRT) führen kann, insbesondere bei Frauen im mittleren Alter.
Was ist Perimenopause und wann beginnt sie?
Die Menopause ist definiert als der Zeitpunkt, ein Jahr nach der letzten Menstruation einer Frau. Die Perimenopause ist die oft jahrelange Phase davor, in der bereits typische Symptome der Wechseljahre auftreten können. Sie beginnt in der Regel um das Alter von 46 oder 47 Jahren. In dieser Zeit erleben viele Frauen Beschwerden wie Hitzewallungen, unregelmäßige oder ungewöhnlich starke Blutungen und Angstzustände. Mary Ann Lumsden, ehemalige Präsidentin der International Menopause Society, betont, dass die Symptome in der Perimenopause oft am stärksten sind.
Der Grund dafür sind stark schwankende Hormonspiegel von Östrogen, Progesteron, luteinisierendem Hormon und follikelstimulierendem Hormon. Diese starken Fluktuationen bedeuten, dass es keinen zuverlässigen Test für die Perimenopause gibt. „Man kann Hormonwerte nicht interpretieren, weil sie sich so stark ändern“, erklärt Lumsden.
Kritik an Hormonersatztherapie (HRT) und Nahrungsergänzungsmitteln
Auf sozialen Medien wird oft die sofortige Suche nach einer Hormonersatztherapie (HRT) bei Perimenopause-Symptomen beworben, selbst wenn dies einen Arztwechsel erfordert. Paula Briggs, ehemalige Vorsitzende der British Menopause Society, bezeichnet diese Denkweise als nicht hilfreich und besorgniserregend. HRT ist darauf ausgelegt, Hormone wie Östrogen und Progesteron zu ergänzen oder zu ersetzen, deren Spiegel mit der Menopause auf natürliche Weise sinken. Obwohl HRT Risiken birgt und nicht für jede Frau geeignet ist, kann sie für viele Frauen in der Menopause sehr nützlich sein, indem sie Symptome lindert, Osteoporose vorbeugt und die Muskelkraft erhält.
Lumsden weist jedoch darauf hin, dass diese Medikamente für Frauen in der Menopause entwickelt und zugelassen wurden. Bei perimenopausalen Frauen können sie weniger wirksam sein, da die körpereigene Hormonproduktion die zugeführten Hormone „überschwemmen“ kann. Zudem kann HRT bei perimenopausalen Frauen zu abnormalen Blutungen führen, so Briggs. Sie äußert Sorge über die „fast kultähnliche“ Vorstellung, dass jede Frau HRT erhalten müsse, insbesondere bei jüngeren Frauen. Auch die Wirksamkeit vieler Nahrungsergänzungsmittel, die für Frauen im mittleren Alter beworben werden, ist laut Lumsden entweder begrenzt oder wissenschaftlich nicht belegt. Einige Patientinnen nahmen Testosteron-Präparate ohne nachweisbare Erhöhung der Testosteronwerte im Blut.
Symptome im mittleren Alter: Nicht alles ist hormonell bedingt
Lange Listen von Perimenopause-Symptomen, die online geteilt werden, umfassen Müdigkeit, „Gehirnnebel“, Schmerzen und Verdauungsprobleme. Nanette Santoro, Professorin für Geburtshilfe und Gynäkologie an der University of Colorado Anschutz, betont, dass viele dieser Beschwerden nicht eng mit den offensichtlichen Veränderungen des Menstruationszyklus und den Hormonschwankungen in den Wechseljahren zusammenhängen. Sie rät, Symptome ärztlich abklären zu lassen, um andere Ursachen auszuschließen, wie beispielsweise Endometriose, die durch HRT verschlimmert werden kann.
Frauen im mittleren Alter sind oft bereits mit der Pflege von Kindern und älteren Eltern sowie beruflichen Anforderungen stark belastet. Diese Erschöpfung kann nicht allein auf Hormone zurückgeführt werden. Santoro fasst zusammen: „Alles Unangenehme, das einer Frau über 35 widerfährt, der Perimenopause zuzuschreiben, entbehrt jeglicher wissenschaftlichen Grundlage.“
Thema: Technologie / KI allgemein. Quelle/Inspiration: MIT Technology Review.