Current AI sichert 400 Millionen Dollar für offene KI-Infrastruktur

2026-07-19 · kamil

Das gemeinnützige Projekt Current AI, gegründet im Februar 2025 von Martin Tisne, hat sich zum Ziel gesetzt, eine offene, öffentliche KI-Infrastruktur zu entwickeln, die kulturelle und sprachliche Vielfalt bewahrt. Dafür konnten bislang 400 Millionen Dollar an Fördergeldern gesichert werden, unter anderem von der französischen Regierung, die 100 Millionen Dollar beisteuerte, sowie von der Ford Foundation, MacArthur Foundation, DeepMind und Salesforce. Ayah Bdeir, die im Januar als CEO zu Current AI kam und zuvor die KI-Strategie bei Mozilla leitete, betont, dass diese Mittel von Förderern und nicht von Investoren stammen.

Fokus auf Sprachvielfalt und kulturelle Bewahrung

Current AI adressiert das Problem, dass die meisten großen KI-Systeme privater Unternehmen wie OpenAI oder Google gehören und viele der weltweit gesprochenen Sprachen und Kulturen vernachlässigen. Laut Ayah Bdeir sind die Hälfte der gesprochenen Sprachen vom Aussterben bedroht, und englischsprachige KI-Modelle tragen dazu bei, dass Wissen, Traditionen und Identitäten anderer Kulturen nicht adäquat repräsentiert werden. Sie kritisiert, dass große Technologieunternehmen mehrsprachige Modelle oft zur Marktexpansion entwickeln, ohne Rücksicht auf Zustimmung oder Kontext der betroffenen Gemeinschaften.

Die Vision von Current AI ist ein offenes System, vergleichbar mit dem frühen World Wide Web, das allen zugänglich ist, niemanden ausschließt und den Gemeinschaften die Kontrolle über ihre eigenen Daten ermöglicht.

Konkrete Initiativen und Projekte

Das gemeinnützige Unternehmen hat bereits mehrere Initiativen gestartet:

  • Suno Sutra: Im Februar wurde auf dem India AI Summit in Zusammenarbeit mit Bhashini, der indischen Regierungsabteilung für KI-Sprachen, Suno Sutra vorgestellt. Dies ist ein kleines, offline funktionierendes Gerät, das KI in 22 indischen Sprachen ohne Internetverbindung bereitstellt. Es ist quelloffen (Open Source) für Entwicklergemeinschaften.
  • Fördergelder: Im vergangenen Monat wurden 3,2 Millionen Dollar an vier Organisationen in Kenia, dem Libanon und dem brasilianischen Amazonasgebiet vergeben. Dazu gehören Projekte zum Aufbau von KI-Datensätzen in über 50 afrikanischen Sprachen (Masakhane, Kenia), zur Digitalisierung arabischer Kulturgeschichte in gemeinschaftlich kontrollierten Datenbanken (Institute for Worldmaking, Libanon), zur Entwicklung von Offline-KI-Tools mit indigenen Amazonas-Gemeinschaften (Portal sem Porteiras, Brasilien) und zur Entwicklung von Audit-Tools für die Rechenschaftspflicht von KI-Systemen (African Internet Rights Alliance, Kenia).
  • Alpha Chat: Vor einer Woche wurde auf dem AI for Good Summit in Genf der Alpha Chat eingeführt, ein quelloffener Chatbot. Er wurde in sieben Wochen von einem Zusammenschluss von zehn Organisationen, darunter Hugging Face, Mozilla und das MIT Media Lab, entwickelt.
  • Partnerschaft mit Sakana AI: Current AI hat eine Vereinbarung mit dem Tokioter Startup Sakana AI getroffen, um einen gemeinsamen quelloffenen KI-Stack zu entwickeln. Dieser soll die japanische Sprache und Kultur sowie Gemeinschaften im Globalen Süden unterstützen, die von dominanten KI-Systemen bisher weitgehend ignoriert wurden.

Finanzierung und Governance

Current AI arbeitet als öffentlich-private Partnerschaft, die Regierungen, Unternehmen und philanthropische Organisationen zusammenbringt, um technologiebasierte Projekte im öffentlichen Interesse zu finanzieren. Ayah Bdeir betont die Wichtigkeit der Datenhoheit: Daten sollten nicht von Unternehmen im Silicon Valley kontrolliert werden, um wenige reicher zu machen. Der Ansatz von Current AI besteht darin, Modelle und Daten lokal zu speichern, Gemeinschaftsexperten einzubeziehen und Zustimmungs-protokolle zu implementieren, die es Gemeinschaften ermöglichen, den Prozess jederzeit zu stoppen.


Thema: Technologie / KI allgemein. Quelle/Inspiration: TechCrunch.

← Zurück zu Aktuelles

Ähnliche Artikel