Hyundai-Arbeiter streiken wegen geplanter Atlas-Roboter

2026-07-19 · kamil

Tausende gewerkschaftlich organisierte Automobilarbeiter von Hyundai in Ulsan, Südkorea, haben nach dem Scheitern von Verhandlungen über die geplante Einführung von Humanoid-Robotern die Arbeit niedergelegt. Der südkoreanische Automobilhersteller plant, ab 2028 über 25.000 Atlas-Roboter zunächst in US-Fabriken einzusetzen. Dieser Teilstreik, der am 13. Juli begann, ist laut dem Wall Street Journal die erste Werksschließung in der Automobilindustrie, die sich speziell gegen Humanoid-Roboter richtet.

Streik in Südkorea und die Forderungen der Gewerkschaft

Die Arbeiter des weltweit größten Automobilwerks in Ulsan beendeten ihre Tag- und Nachtschichten vom 13. bis 15. Juli jeweils zwei Stunden früher. Nach 15 erfolglosen Verhandlungsrunden sind für den 20. bis 22. Juli viertägige Streiks geplant, wie die Korea Times berichtete. Die Gewerkschaft von Hyundai Motor, die über 39.000 südkoreanische Arbeiter vertritt, reagierte auf die Robotereinführung mit konkreten Forderungen:

  • Umstellung des Stundenlohns auf ein Festgehalt für Produktionsmitarbeiter, um sie vor arbeitszeitverkürzenden Auswirkungen der Automatisierung zu schützen.
  • Anhebung des Rentenalters von 60 auf 65 Jahre.
  • Höhere Bonuszahlungen für die Arbeiter.

Hyundais Roboterstrategie und die Technologie dahinter

Der Widerstand der Gewerkschaften begann, als die Hyundai Motor Group Anfang dieses Jahres die neueste Version des Atlas-Humanoid-Roboters vorstellte. Dieser zweibeinige Roboter, hergestellt von Boston Dynamics (einem Unternehmen, das bald eine hundertprozentige Tochtergesellschaft von Hyundai wird), ist über 1,80 Meter groß und kann über 45 Kilogramm heben. Hyundai beabsichtigt, mehr als 25.000 dieser Roboter in verschiedenen Hyundai- und Kia-Produktionsstätten zu implementieren, beginnend 2028 in seinen US-Fabriken, wie der Korea Herald berichtete. Ein Atlas-Roboter kostet schätzungsweise 130.000 US-Dollar, könnte sich aber laut Analystin Esther Yim von Samsung Securities Co. innerhalb von etwa zwei Betriebsjahren amortisieren. Sollten die Kosten auf 100.000 US-Dollar sinken, könnte der Betrieb eines Roboters laut James Hong von Macquarie Securities Korea Ltd. unter dem US-Bundesmindestlohn von 7,25 US-Dollar liegen und das Gehalt eines typischen Automobilarbeiters deutlich unterbieten.

Der breitere Kontext der Automatisierung

Hyundai ist nicht der einzige Automobilhersteller, der Humanoid-Roboter einsetzen will. Tesla entwickelt seinen Optimus-Roboter für den Einsatz in Elektrofahrzeugfabriken, und BMW testet bereits Humanoid-Roboter von Figure AI in seinem Werk in Spartanburg, South Carolina. Auch mehrere chinesische Automobilunternehmen, darunter der führende E-Fahrzeughersteller BYD, experimentieren mit oder entwickeln eigene Humanoid-Roboter. Die Automobilindustrie ist seit Jahrzehnten ein Vorreiter bei der Einführung von Industrierobotern, wie großen Roboterarmen. Bis 2021 waren weltweit über eine Million Industrieroboter in Automobilfabriken im Einsatz, was einem Drittel aller Industrieroboter entsprach, so die International Federation of Robotics. Im Gegensatz zu Industrierobotern, die meist für eine spezifische Aufgabe konzipiert sind, werden Humanoid-Roboter, die mit aktuellen KI-Modellen ausgestattet sind, als fähig angepriesen, eine Vielzahl von Aufgaben zu erledigen und sich leichter in für Menschen konzipierte Arbeitsumgebungen einzufügen.

Einsatz in den USA und die Haltung der Gewerkschaften

Die Atlas-Humanoid-Roboter sollen ab 2028 zunächst im Metaplant America, einer Elektrofahrzeugfabrik in der Nähe von Savannah, Georgia, eingesetzt werden. Dort könnten die Widerstände weniger organisiert ausfallen, da die US-Arbeiter in diesem Werk nicht gewerkschaftlich organisiert sind. Die United Auto Workers (UAW), die rund 400.000 Automobilarbeiter in den USA, Kanada und Puerto Rico vertritt, versucht jedoch, die Arbeiter in Hyundais Werk in Georgia zu organisieren. Das Metaplant America gilt bereits als die am stärksten automatisierte Automobilfabrik in den Vereinigten Staaten, mit über 850 Robotern und 300 fahrerlosen Transportsystemen (Automated Guided Vehicles, AGVs) für verschiedene Aufgaben. Boston Dynamics‘ vierbeiniger Roboter Spot wird dort bereits zur „externen Qualitätsprüfung“ eingesetzt. Die Atlas-Roboter sollen zunächst mit dem Sortieren und Organisieren von Autoteilen beginnen.

Hyundais Zusagen und die Debatte um Arbeitsplätze

Jerald Roach, ein leitender Angestellter im Bereich allgemeine Montage bei Hyundais Metaplant, erklärte, dass die Humanoid-Roboter keine Bedrohung für die menschliche Belegschaft darstellen würden. Er betonte, dass menschliche Hände mit ihrem Tastsinn für die Handhabung weicher Autoteile wie Schläuche, Kabel, Teppiche und Verkleidungen unerlässlich seien. Hyundai hat sich im Rahmen eines Wirtschaftsförderungsabkommens mit Georgia verpflichtet, bis 2031 8.100 menschliche Vollzeitkräfte im Metaplant America zu beschäftigen. Die Anlage beschäftigte Ende 2025 bereits über 3.800 Mitarbeiter. Gewerkschaften in Südkorea und den USA fordern jedoch stärkere Zusagen von den Automobilherstellern angesichts der Automatisierungsbestrebungen. Die UAW kritisierte kürzlich General Motors, weil der Konzern nach der Entlassung von über 1.300 Mitarbeitern etwa 50 neue Roboterarme in seinem Elektrofahrzeugwerk in Detroit installierte. UAW-Präsident Shawn Fain warnte im Juni 2026 vor der „Bedrohung durch Humanoid-Robotik und Massenautomatisierung“ für Arbeitsplätze und Vergütung.


Thema: Technologie / KI allgemein. Quelle/Inspiration: Ars Technica.

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