Der Musiker 1010Benja hat für seinen Song „Semiramis‘ Dream“, dem Eröffnungsstück seiner neuesten EP „Time Has Nothing To Do With What You Choose…“, das generative KI-Tool Suno eingesetzt. Er macht aus dieser Verwendung keinen Hehl und hat seinen Prozess transparent kommuniziert.
Obwohl generative KI-Musik, insbesondere von Suno, oft als wenig überzeugend empfunden wird, sticht „Semiramis‘ Dream“ hervor. Der Song zeichnet sich durch einen Jungle-Beat und 1010Benjas menschliche Stimme aus, die im Vordergrund steht. Er vermeidet viele der typischen Merkmale, die auf eine KI-Erstellung hindeuten würden. Selbst der am offensichtlichsten KI-generierte Teil, ein Chor von Hintergrundsängern, fügt sich nahtlos in die hyperpop-beeinflussten, schnellen Schnitte ein. Stark verarbeitete und künstlich klingende Stimmen sind ein gängiges Element in vielen modernen Pop-Genres, und 1010Benja nutzt diese Unheimlichkeit, um die Herkunft zu verschleiern.
Der kreative Prozess und Transparenz
1010Benja hat seinen Ansatz im Gespräch mit „Hearing Things“ detailliert beschrieben. Sein Freund Patrick Holder komponierte den Beat, und 1010Benja nahm die Gesangsparts auf. Diese Elemente wurden dann in Suno eingespeist. Nach einer Auswahl wurde das Ergebnis in einer digitalen Audio-Workstation (DAW) wie Ableton weiterbearbeitet und anschließend erneut in Suno eingespeist. Dieser iterative Prozess wurde für „Semiramis‘ Dream“ schätzungsweise mehrere hundert Mal wiederholt.
Die Offenheit des Künstlers zeigt sich auch darin, dass der Song auf Plattformen wie Deezer als KI-generiert gekennzeichnet ist. 1010Benja betont, dass er sich dafür nicht schämt.
Motivation und ethische Überlegungen
Die Entscheidung für den Einsatz von generativer KI begründet 1010Benja mit finanziellen Engpässen. Er erklärt, dass seine künstlerischen Visionen derzeit seine materiellen Möglichkeiten übersteigen. Trotz der Anerkennung des Potenzials für Umweltschäden und ethischer Bedenken, die mit generativer KI einhergehen, sieht er keine Möglichkeit, die Entwicklung aufzuhalten oder den Einfluss großer Unternehmen zu bremsen. Er beschreibt sich selbst als Künstler, der mit Obdachlosigkeit zu kämpfen hatte und Schwierigkeiten hat, seine Miete zu bezahlen, obwohl er mit seiner früheren Veröffentlichung „Ten Total“ positive Kritiken von Pitchfork erhalten hat.
Obwohl der Autor des Quellartikels generell skeptisch gegenüber KI-Kunst bleibt, zeigt 1010Benjas Werk, dass generative KI-Tools wie Suno in den richtigen Händen mehr sein können als nur ein „Slop Engine“, also ein Werkzeug für minderwertige Ergebnisse.
Thema: Technologie / KI allgemein. Quelle/Inspiration: The Verge.