90.000 Flock-Kameras in den USA: KI-Überwachung und Datenschutzbedenken

2026-07-21 · kamil

Schätzungsweise 90.000 KI-gestützte Kameras des Herstellers Flock Safety sind in den USA im Einsatz und erfassen Fahrzeugdaten sowie Bewegungen. Diese Systeme, die von über 12.000 Kunden – darunter Polizeibehörden, Unternehmen, Schulen und Hausbesitzerverbände – genutzt werden, operieren oft ohne vorherige öffentliche Diskussion oder ausdrückliche Zustimmung der Bevölkerung. Ein Beispiel für Widerstand war das Dorf Saranac Lake, wo Anwohnerproteste zur Kündigung des Vertrags mit Flock Safety führten.

Technologie und Funktionsweise der Falcon-Kameras

Die sogenannten Flock „Falcon“-Kameras sind unauffällig gestaltet, oft als kleine schwarze Boxen an Strommasten. Sie werden über Batterien oder Solarpaneele mit Strom versorgt und nutzen Mobilfunkverbindungen. Statt Geschwindigkeiten zu erfassen, nehmen sie bei jeder Fahrzeugpassage sechs bis zwölf Standbilder auf. Mithilfe von automatischer Kennzeichenerkennungssoftware (ALPR) und maschinellem Lernen analysiert Flock diese Bilder. Dabei können Kennzeichen, Marke, Modell, Farbe, Karosserietyp, Fahrtrichtung, Schäden, spezielle Felgen und sogar Stoßstangenaufkleber erfasst werden.

Die gesammelten Daten werden nicht auf der Kamera gespeichert, sondern über das Mobilfunknetz an Flocks Cloud-System gesendet. Dort können autorisierte Nutzer, wie beispielsweise Polizeibehörden, über ein Dashboard darauf zugreifen und suchen. Die Daten, die bei Amazon Web Services gehostet und verschlüsselt werden, sollen in der Regel nach 30 Tagen gelöscht werden. Polizeibehörden können auch automatische Benachrichtigungen erhalten, wenn ein erfasstes Kennzeichen mit einer Datenbank für gestohlene Fahrzeuge, vermisste Personen oder Haftbefehle übereinstimmt.

Die Reichweite des Überwachungsnetzwerks

Während eine einzelne Kamera lediglich den Standort eines Fahrzeugs zu einem bestimmten Zeitpunkt erfasst, ermöglicht ein Netzwerk aus vielen Flock-Kameras über verschiedene Städte und Bundesstaaten hinweg die Rekonstruktion von Bewegungsprofilen. Trevor Horwitz, Mitbegründer und CISO von TrustNet, erklärt, dass die Software Merkmale wie Kennzeichen extrahiert und durchsuchbar macht, was Ermittlern auch bei unvollständigen Kennzeichen hilft. Catherine Crump, Professorin für Technologierecht an der UC Berkeley, betont, dass ein solches Netzwerk im Laufe der Zeit ein umfassendes Bewegungsprotokoll einer Person erstellen kann. Dies kann Aufschluss über Arbeitsplatz, Wohnort, Freizeitaktivitäten und soziale Kontakte geben und sogar vergangene Bewegungen rekonstruieren. Flock-Software kann zudem mit Kameras von Partnerherstellern wie Motorola integriert werden, wodurch Polizeibehörden Daten aus verschiedenen Netzwerken einsehen können.

Datenschutzbedenken und KI-Risiken

Die weite Verbreitung und die Funktionsweise der Kameras werfen erhebliche Datenschutzfragen auf. Ein zentrales Anliegen ist der Einsatz von KI zur Interpretation und Durchsuchung der Aufzeichnungen. Während dies die Ermittlungsarbeit erleichtern kann, birgt es auch Risiken. Crump warnt davor, dass KI proaktiv nach verdächtigen Aktivitäten suchen könnte, selbst wenn kein gemeldetes Verbrechen vorliegt. Dies könnte zu Profiling und ungenauen Schlussfolgerungen führen, beispielsweise durch das Markieren von Fahrzeugen in der Nähe von Protesten. Flock bietet neben den Falcon-Kameras auch die „Condor“-Kameras an, die Menschen erkennen und verfolgen können. Obwohl Flock angibt, keine Gesichtserkennung zu verwenden, können diese Kameras im sogenannten „Guardian Mode“ Personen verfolgen, heranzoomen und hochauflösende Videos aufnehmen.


Thema: Technologie / KI allgemein. Quelle/Inspiration: ZDNet.

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