In einer gestrigen Telefonkonferenz zu den Geschäftszahlen versuchte Tesla-CEO Elon Musk, ein positives Bild des Robotaxi-Programms seines Unternehmens zu zeichnen. Er betonte die Hinzunahme neuer Städte, eine Zunahme der gefahrenen Meilen und mehr Nutzer, die Teslas unüberwachte Fahrzeuge erleben. Gleichzeitig schien Musk jedoch eine sonst übliche optimistische Haltung zu mäßigen, indem er die Erwartungen an die Zukunft des Programms dämpfte.
Musk erklärte, dass man „so schnell wie menschlich möglich“ beim Ausbau des Robotaxi-Dienstes vorankomme, während man gleichzeitig sicherstelle, „dass wir niemandem Schaden zufügen und idealerweise nicht einmal ein Haustier überfahren.“ Diese Darstellung kollidiert jedoch mit der aktuellen Realität des Programms: Die Fahrleistung stagniert, die Anzahl der Fahrzeuge scheint zu schrumpfen und die Sicherheit der Technologie ist eine offene Frage.
Teslas Daten und die Konkurrenz
Ashok Elluswamy, Leiter der KI-Abteilung von Tesla, versuchte, die Situation positiv darzustellen. Er gab an, dass Teslas unüberwachte Robotaxis insgesamt 380.000 Meilen in sechs Städten in zwei verschiedenen Bundesstaaten zurückgelegt haben. Laut Musk steige diese Fahrleistung wöchentlich um zehn Prozent.
Elluswamy nutzte die Gelegenheit, um Konkurrenten zu kritisieren, die Lidar-Sensoren verwenden, im Gegensatz zu Teslas rein kamera-basiertem Ansatz. Er betonte, dass „sogenannte Experten“ stets Lidar, Radar und HD-Karten für sicheres Fahren für notwendig hielten. Tesla zeige jedoch, dass dies nicht zutreffe und sichere, komfortable und erschwingliche Autonomie allein mit Kameras möglich sei. Dies sei eine „riesige Bestätigung für Teslas gesamten KI-Ansatz.“
Widersprüche in der Realität
Die von Tesla selbst präsentierten Zahlen scheinen jedoch die Botschaft der Expansion zu untergraben. Zum Vergleich: Waymo, ein Wettbewerber, der neben Kameras auch Lidar- und Radar-Sensoren einsetzt, fährt typischerweise rund vier Millionen Meilen pro Woche. Teslas gesamte Fahrleistung seit Beginn des Robotaxi-Programms vor einem Jahr beträgt weniger als zehn Prozent dieser wöchentlichen Waymo-Leistung. Diese Diskrepanz beunruhigt Investoren. James Picariello, Senior Analyst bei BNP Paribas Equity Research, bezeichnete die Entwicklung in einer Notiz an Kunden als „alarmierenden Rückgang.“
Die tatsächliche Anzahl der unüberwachten Fahrzeuge ist gering: Der Crowdsourcing-Dienst Robotaxi Tracker weist derzeit nur 16 Fahrzeuge in Austin, vier in Dallas und eines in Houston aus. Auf die Frage, warum Tesla nicht eine Stadt wie Austin, wo das Programm vor einem Jahr startete, intensiv ausbaue, anstatt wenige Fahrzeuge in mehreren Städten einzusetzen, erklärte Elluswamy, dass man die Allgemeingültigkeit der Technologie über verschiedene Städte hinweg beweisen wolle.
Regulatorische und Sicherheitsbedenken
Ein weiterer limitierender Faktor sind staatliche Vorschriften. In New Jersey wird derzeit ein Gesetwentwurf geprüft, der Robotaxis ohne redundante Sensoren wie Radar und Lidar im Wesentlichen verbieten würde. Andrew Percoco, Analyst bei Morgan Stanley, wies auf diese „sich entwickelnden Vorschriften auf staatlicher Ebene“ hin. Lars Morvay, Teslas Vizepräsident für Fahrzeugtechnik, räumte ein, dass die Situation in New Jersey „etwas entmutigend“ sei.
Auch die Sicherheit wirft Fragen auf. Obwohl Musk mit seiner Äußerung über das Vermeiden von Tierunfällen subtil auf Waymo anspielte, ist Teslas eigene Sicherheitsbilanz uneinheitlich. Viele Details zu Unfällen von Tesla-Robotaxis werden vom Unternehmen zensiert. Laut Robotaxi Tracker war die Flotte in etwa 18 Zwischenfälle verwickelt, wobei 56 Prozent davon von anderen Fahrern verursacht wurden. Teslas „Full Self-Driving“ (FSD)-System, das in den Robotaxis in Version 15 läuft (Kundenfahrzeuge nutzen 14.3.6), wird zudem von der National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) untersucht, was zu einem möglichen Rückruf führen könnte.
Trotz dieser Herausforderungen und der widersprüchlichen Faktenlage bleibt Tesla bei seiner Botschaft des wachsenden Robotaxi-Programms.
Thema: Tesla. Quelle/Inspiration: The Verge.