In Bibliotheken quer durch die USA verzeichnen Workshops, die sich dem Deaktivieren von Künstlicher Intelligenz (KI) widmen, eine unerwartet hohe Nachfrage. Diese Kurse zeigen Teilnehmern konkret, wie sie integrierte KI-Funktionen auf ihren Smartphones und anderen Geräten, wie etwa Apple Intelligence oder Google Gemini, abstellen können.
Ursprung und Motivation der Workshops
Die Idee für solche Veranstaltungen stammt ursprünglich von Hannah Cyrus, einer Bibliothekarin in Maine. Sie stellte fest, dass immer mehr Nutzer sie fragten, wie sie KI-Funktionen deaktivieren könnten, die sich scheinbar ungefragt in ihren Alltag drängen, etwa beim Verfassen von E-Mails. Angesichts der verbreiteten Medienberichterstattung über KI-Produkte sah Cyrus eine Chance, Grundlagen zu vermitteln und Wege zum Abschalten aufzuzeigen.
Charlie Bailey, ein Bibliothekar aus South Philadelphia, griff Cyrus‘ Konzept auf, nachdem er von Dutzenden Kollegen weltweit kontaktiert worden war, die an ihrer Workshop-Methode interessiert waren. Bailey sieht in den Kursen einen Beitrag zur digitalen Kompetenz und zur Stärkung der Autonomie der Nutzer über ihre Technologie. Er betont, wie wichtig dies sei, da die Nutzung von KI-Tools oft erzwungen wirke.
Inhalte und beispiellose Resonanz
In den einstündigen Workshops erhalten die Teilnehmer zunächst eine Einführung in die Funktionsweise von KI-Chatbots und anderen Verbraucher-KI-Tools. Es wird erläutert, welche potenziellen Vorteile diese Produkte bieten, aber auch, warum sich Nutzer gegen deren Verwendung entscheiden könnten. Anschließend werden auf einem Projektor Schritt-für-Schritt-Anleitungen präsentiert, um spezifische Funktionen auf gängigen Plattformen und Geräten zu deaktivieren.
Die Resonanz auf diese Angebote ist außergewöhnlich. Hannah Cyrus berichtet, dass ihre üblichen Computerkurse etwa ein Dutzend Teilnehmer anziehen. Für ihren ersten „KI vermeiden“-Workshop musste sie die Anmeldung jedoch bei 30 Personen stoppen, eine Warteliste einrichten und den Kurs zusätzlich per Zoom übertragen. Insgesamt nahmen an ihren ersten beiden Workshops jeweils rund 70 Personen teil. Auch Charlie Bailey erlebte in Philadelphia einen beispiellosen Ansturm: Ein Instagram-Post seiner Bibliothek zum Event erhielt über 2.000 Likes und 220 Shares – deutlich mehr als die üblichen Dutzend Reaktionen. Aufgrund der hohen Anmeldezahlen musste er einen zweiten Kurs ansetzen.
Nutzerfrustration und Wunsch nach Kontrolle
Die Teilnehmer der Workshops teilen ein Gefühl der Frustration. Bailey zufolge fühlen sich viele von KI-Tools „aufgedrängt“, die sie nicht angefordert haben und die plötzlich „überall in unserem Leben“ präsent sind. Ein Teilnehmer namens Johnny äußerte Bedenken hinsichtlich der Nähe von Rechenzentren zu Wohngebieten. Eine andere Teilnehmerin, Gabrielle, sprach die Umweltaspekte von KI an, betonte jedoch, dass sie nicht grundsätzlich gegen KI sei, insbesondere im Bereich medizinischer Durchbrüche.
Experten wie Hannah Cyrus betonen, dass die Bewegung nicht darauf abzielt, Technologie komplett abzulehnen. Nützliche KI-Anwendungen, wie die optische Zeichenerkennung (OCR) zum Scannen alter Dokumente in Bibliotheken, werden anerkannt. Vielmehr geht es den Workshop-Teilnehmern und den Initiatoren um mehr Kontrolle, Selbstbestimmung und Freiheit im Umgang mit Technologie. Die erzwungene Einführung von KI auf Geräten könnte für viele der „Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt“, so Cyrus. Das Bewusstsein, dass Technologieunternehmen einen übermäßigen Einfluss ausüben und Produkte nicht immer im Sinne der Nutzer eingesetzt werden, wachse stetig.
Ein konkreter Tipp, der in den Workshops weitergegeben wird, ist das Anhängen von „&udm=14“ an Google-Suchanfragen, um KI-Ergebnisse auszublenden.
Thema: Technologie / KI allgemein. Quelle/Inspiration: TechCrunch.