Amazon und Microsoft verzichten auf Geheimhaltungsabkommen bei Rechenzentren

2026-10-11 · kamil

Amazon hat angekündigt, bei Verhandlungen mit lokalen Behörden über Rechenzentren keine Geheimhaltungsvereinbarungen (NDAs) mehr einzusetzen. Dieser Schritt folgt einem ähnlichen Vorgehen von Microsoft, das bereits Anfang des Jahres entsprechende Maßnahmen ergriffen hatte.

Hintergrund der NDA-Abschaffung

Die Entscheidung von Amazon wurde in einem Blog-Beitrag veröffentlicht, der die Vorteile von Rechenzentren für Gemeinden hervorhebt. Branchenexperten wie Sean O’Kane, der auf dem TechCrunch-Podcast Equity zu Gast war, sehen in der bisherigen Geheimhaltung einen wesentlichen Grund für den öffentlichen Widerstand gegen neue Rechenzentrumsprojekte. Oftmals wurden Verhandlungen über Aspekte wie Grundstückswerte, Stromverbrauch und Wasserressourcen im Geheimen geführt, ohne dass die Öffentlichkeit umfassend informiert wurde.

O’Kane verweist auf die Praxis der Tech-Industrie, wichtige Projekte verdeckt zu verhandeln. Als Beispiel nennt er Uber, das Mitte der 2010er-Jahre ähnliche Taktiken bei der Aushandlung von Steuersubventionen mit Kommunen angewendet habe. Die Abschaffung der NDAs könnte somit ein erster Schritt sein, um mehr Transparenz zu schaffen und die Kommunikation mit den betroffenen Gemeinden zu verbessern.

Auswirkungen von Moratorien und Kommunikation

In den letzten Jahren gab es zahlreiche Moratorien – also temporäre Baustopps – für Rechenzentren, unter anderem in Städten wie San Francisco und New York. Diese Moratorien sind typischerweise auf ein bis zwei Jahre befristet. Rebecca Bellan, ebenfalls auf dem Equity-Podcast, äußerte Skepsis hinsichtlich der langfristigen Auswirkungen dieser kurzfristigen Stopps, da der Bau und die Inbetriebnahme von Rechenzentren ohnehin zwei bis fünf Jahre in Anspruch nehmen. Anthony Ha merkte an, dass Moratorien oft als „Studienzeiten“ deklariert werden, was den Behörden später die Möglichkeit gibt, die Projekte doch zu genehmigen.

Trotz der Skepsis einiger Experten zeigen sich die Befürworter von Rechenzentren besorgt über den Widerstand der Gemeinden. Sean O’Kane betont, dass die Tech-Branche generell ein Kommunikationsproblem habe. Es falle ihr schwer, der breiten Öffentlichkeit den Nutzen und die Notwendigkeit von Technologien wie Künstlicher Intelligenz und den dafür benötigten Rechenzentren verständlich zu machen. Diese mangelnde Erklärungsbereitschaft trage maßgeblich zur Ablehnung bei.

Ein erster Schritt zu mehr Transparenz

Die Entscheidung von Amazon und Microsoft, auf NDAs zu verzichten, wird als ein wichtiger erster Schritt hin zu mehr Offenheit gewertet. Anthony Ha sieht darin einen Ansatzpunkt, um die Gesprächsgrundlage zu verbessern. Er merkt jedoch an, dass die Abschaffung der Geheimhaltungsvereinbarungen allein nicht ausreichen wird, um den Widerstand der Bevölkerung automatisch aufzulösen. Es bleibt abzuwarten, welche tatsächlichen Auswirkungen diese erhöhte Transparenz auf die Akzeptanz von Rechenzentrumsprojekten haben wird.


Thema: Technologie / KI allgemein. Quelle/Inspiration: TechCrunch.

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