Matt Garman, CEO von Amazon Web Services (AWS), hat angekündigt, dass das Unternehmen keine Geheimhaltungsvereinbarungen (NDAs) mehr mit Regierungsbehörden abschließt, wenn es um die Genehmigung neuer Rechenzentren geht. Diese Entscheidung ist eine Reaktion auf die wachsende öffentliche Skepsis gegenüber Rechenzentren, die in den USA zu über 100 diskutierten Moratorien geführt hat.
Transparenz und NDAs im Fokus
Geheimhaltungsvereinbarungen (NDAs) sind ein zentraler Kritikpunkt in der Debatte um Rechenzentren. Die Umweltaktivistin Erin Brockovich nannte mangelnde Transparenz als Hauptbeschwerde. Projekte würden oft erst bekannt gegeben, nachdem Genehmigungen bereits gesichert sind, Entwickler seien unerreichbar, und lokale Beamte hätten NDAs unterzeichnet, bevor Anwohner über ein Projekt informiert wurden.
Als Reaktion auf diese Kritik hat der Bundesstaat New York ein einjähriges Moratorium für Genehmigungen großer Rechenzentren verhängt. Garman zufolge werden derzeit in den gesamten Vereinigten Staaten über 100 weitere Moratorien für Rechenzentren in Erwägung gezogen. Er warnte, dass solche Maßnahmen die Wettbewerbsfähigkeit der USA in diesem Sektor langfristig beeinträchtigen könnten.
Amazon begegnet verbreiteten Mythen
Garman versuchte, vier „Mythen“ über Rechenzentren zu entkräften: den übermäßigen Wasserverbrauch, steigende Stromkosten, hohe Umweltverschmutzung und fehlenden Nutzen für Gemeinden.
- Wasserverbrauch: Unter Verweis auf einen internen Amazon-Bericht gab Garman an, dass der direkte Wasserverbrauch von Rechenzentren in den USA nur 0,5 % des gesamten industriellen Wasserverbrauchs ausmacht. Dies sei um Größenordnungen weniger als beispielsweise Golfplätze oder der Mandelanbau. Kritiker merken jedoch an, dass diese Zahlen den breiteren Wasserverbrauch für die Stromerzeugung und die Chipherstellung ignorieren. Wissenschaftler fordern zudem unabhängige Studien, da es keine bundes- oder einzelstaatlichen Berichtspflichten für diese Daten gibt.
- Stromkosten: Garman argumentierte, dass Strompreise nur in einigen Staaten mit vielen Rechenzentren gestiegen seien, während sie in anderen langsamer wuchsen oder sogar sanken. Er führte steigende Energiepreise primär auf alte und unzureichend ausgebaute Stromnetze zurück. Ein unabhängiger Beobachter sah jedoch Rechenzentren als Hauptursache für einen Preisanstieg von 76 % im größten US-Stromnetz innerhalb eines Jahres.
- Umweltverschmutzung: Garman beklagte, dass Kritiker sich auf die maximal zulässigen Emissionsmengen in Genehmigungen konzentrieren. Ein geplantes Amazon-Rechenzentrum in Texas darf beispielsweise 33 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr ausstoßen, was mehr ist als jedes andere Kraftwerk in den USA. Er entgegnete, dass die Generatoren in Rechenzentren fast nie liefen – durchschnittlich etwa 10 Stunden pro Jahr, hauptsächlich für vorgeschriebene Wartungstests.
- Nutzen für Gemeinden: Garman betonte, dass Amazon in den letzten drei Jahren über 1 Milliarde US-Dollar an Gemeinden in den USA gespendet habe, in denen das Unternehmen Rechenzentren betreibt. Die Abkehr von NDAs mit Regierungsbehörden sei ebenfalls Teil des Engagements für die Gemeinden.
Vertrauenskrise in der Tech-Branche
Trotz dieser Erklärungen bleibt die öffentliche Skepsis hoch. Dario Amodei, CEO von Anthropic, bezeichnete die Kritik an Künstlicher Intelligenz als eine „Vertrauenskrise“, bei der Menschen davon ausgehen, dass Regierungen und Tech-Unternehmen sie ausnutzen wollen. Die Autorin Jasmine Sun stellte fest, dass die Reaktion auf Argumente von Tech-Firmen oft schlicht „Ich glaube ihnen nicht“ lautet.
Thema: Amazon. Quelle/Inspiration: TechCrunch.