Das KI-Modell Fable 5 von Anthropic, das kürzlich am 30. Juni von der US-Regierung re-autorisiert wurde, hat einen neuen Rekord in der Automatisierung von Freelance-Arbeit aufgestellt. Bei Tests des Center for AI Safety (CAIS) erreichte Fable 5 eine Automatisierungsrate von 16,1 Prozent auf dem Remote Labor Index (RLI), der die Fähigkeit von KI-Agenten misst, wirtschaftlich wertvolle Freelance-Projekte auf professionellem Niveau abzuschließen.
Führungsrolle im Remote Labor Index
Der im Oktober 2025 veröffentlichte Remote Labor Index (RLI) des CAIS bewertet, wie oft KI-Agenten reale, wirtschaftlich wertvolle Freelance-Projekte in einer Qualität abschließen können, die ein zahlender Kunde akzeptieren würde. Dies umfasst Aufgaben wie computergestütztes Design, Grafikdesign, Datenanalyse und Videobearbeitung. Jedes von den Modellen erstellte Ergebnis wird von menschlichen Gutachtern anhand professioneller Standards bewertet.
Bei den Tests, die Aufgaben wie die Gestaltung eines 3D-Modells eines Verlobungsrings, die Erstellung eines Video-Werbespots und die Kartierung eines Grundrisses umfassten, übertraf Fable 5 seine Konkurrenten deutlich. Es erreichte eine Automatisierungsrate von 16,1 Prozent, was mehr als dem Doppelten des Wertes von Anthropic Opus 4.8 (8,3 Prozent) entspricht. OpenAI’s GPT-5.5 belegte mit 6,3 Prozent den dritten Platz. Das CAIS hob hervor, dass alle drei Modelle die bisher höchsten Werte auf diesem Benchmark erzielten.
Zum Vergleich: Der vorherige Spitzenreiter lag bei 4,17 Prozent (Opus 4.6 mit dem Claude Cowork Scaffold), und bei der Einführung des RLI erreichte das Feld maximal 2,5 Prozent. Das CAIS stellte fest, dass sich die Fähigkeiten der KI-Agenten in weniger als acht Monaten mehr als vervierfacht haben, was ein klares Zeichen für den schnellen Fortschritt in diesem Bereich ist.
Die Tests des CAIS wurden Mitte Juni aufgrund einer vorübergehenden Stilllegung von Fable 5 durch die Regierung verkürzt. Dennoch zeigten die Teilergebnisse die Überlegenheit des Modells: Selbst unter der Annahme, dass Fable 5 alle fehlenden Projekte nicht bestanden hätte, läge seine Automatisierungsrate immer noch bei 14,6 Prozent und damit höher als die jedes anderen Modells.
Grenzen der KI-Automatisierung
Trotz der beeindruckenden Fortschritte bedeutet eine Automatisierungsrate von 16,1 Prozent keineswegs einen flächendeckenden Ersatz menschlicher Freelancer. Die vollständige Integration von KI in Unternehmen wird weiterhin durch Sicherheitsbedenken und andere Implementierungsbarrieren verlangsamt. Um menschliche Freelancer vollständig zu ersetzen, bräuchten Organisationen ein Netzwerk von KI-Agenten, das in der Lage ist, Aspekte wie Arbeitsqualität, Budget und Zeitplanung zu überprüfen, was derzeit nicht gegeben ist.
Ein Versuch des CAIS, menschliche Gutachter durch einen „LLM Judge“ (ein großes Sprachmodell als Richter) zu ersetzen, scheiterte. Die Bewertung von RLI-Ergebnissen ist eine anspruchsvolle, agentische Aufgabe, die das Öffnen von Projektdateien in professionellen Anwendungen, deren kompetente Bedienung und die Urteilsbildung wie ein Kunde erfordert – genau die Computer-Nutzungsfähigkeiten, bei denen heutige Agenten noch am schwächsten sind.
Es zeigt sich auch, dass die für einen Menschen benötigte Zeit für eine Aufgabe nicht zwangsläufig die Schwierigkeit für eine KI widerspiegelt. Einige Aufgaben, die für Fachleute schnell erledigt sind, bleiben für KI unerreichbar (z.B. Musiktranskription oder das Testen eines Echtzeitspiels), während andere, die Stunden dauern würden (z.B. digitale Kunst oder Programmierung), von aktuellen Modellen in Minuten erledigt werden können. Obwohl die Fortschritte der KI-Modelle signifikant sind, bleiben bestimmte menschliche Fähigkeiten und Urteilsvermögen weiterhin unverzichtbar.
Thema: Anthropic. Quelle/Inspiration: ZDNet.