Das auf Künstliche Intelligenz (KI) spezialisierte Unternehmen Anthropic will fünf Prozent seiner Unternehmensanteile in einen neuen „Anthropic Public Benefit Fund“ einbringen. Dieser Fonds soll unter anderem die Möglichkeit direkter Zahlungen an Arbeitnehmer prüfen, die durch den schnellen Fortschritt der KI von Arbeitsplatzverlust bedroht sind. Die Initiative wird im Vorfeld eines geplanten Börsengangs des Unternehmens bekannt gegeben.
Details zum geplanten Fonds
Nach Genehmigung durch die Aktionäre soll der Fonds entweder größere Spenden an traditionelle gemeinnützige Organisationen leisten oder direkte Auszahlungen an „bestimmte Bevölkerungsgruppen“ untersuchen. Der Schwerpunkt liegt auf der Bewältigung von Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt, die durch fortschrittliche KI-Systeme verursacht werden könnten. Anthropic-CEO Dario Amodei hat wiederholt vor sozialen und wirtschaftlichen Turbulenzen gewarnt. Das Unternehmen hat bereits 200 Millionen US-Dollar für die Erforschung dieser Arbeitsmarkteffekte bereitgestellt.
Für jede 50-prozentige Steigerung des Unternehmenswerts über eine festgelegte Basislinie könnte der Fonds zusätzlich zwei Prozent der Anteile erhalten. Anthropic stellt diesen Fonds als Gegenstück zu den üblichen wachstumsabhängigen Aktienpaketen dar, die Tech-Unternehmen ihren Führungskräften gewähren. Die Mitgründer haben bei der Gründung des Unternehmens 80 Prozent ihrer Anteile zugesagt, und Mitarbeiter haben ein Spenden-Matching-Programm. Insgesamt sollen so etwa 20 Prozent des Unternehmenskapitals dem „öffentlichen Wohl“ dienen.
Rechtliche Struktur und Kontrolle
Der Fonds wird als hundertprozentige Tochtergesellschaft in Form einer LLC (Limited Liability Company) gegründet, nicht als steuerbefreite gemeinnützige Organisation. Diese Struktur soll Anthropic mehr Flexibilität bei der Vergabe von Geldern ermöglichen. Das Unternehmen verspricht, das Kapital weder für Lobbyarbeit noch für politische Spenden im In- oder Ausland zu verwenden. Die zugesagten zusätzlichen Anteile sind jedoch nicht festgeschrieben; ihre Vergabe liegt im Ermessen des Vorstands, dessen genaue Auslöser und Governance noch bekannt gegeben werden sollen.
Die Kontrolle über den Vorstand von Anthropic liegt beim „Long-Term Benefit Trust“, der zwar keine wirtschaftlichen Anteile hält, aber die Mehrheit der Direktoren ernennt. Nach dem Börsengang sollen die Gründer zudem über eine spezielle Aktienklasse 50,1 Prozent der Stimmen bei wichtigen Entscheidungen halten.
Vergleich mit Wettbewerbern und Musks Kritik
Die Ankündigung erfolgt, während Anthropic einen großen Börsengang vorbereitet, der das Unternehmen auf rund zwei Billionen US-Dollar bewerten und bis zu 100 Milliarden US-Dollar einbringen könnte. Offizielle Einreichungen werden in den nächsten Wochen erwartet.
Ein Vergleich bietet die OpenAI Foundation, die seit der Umstrukturierung von OpenAI vor etwa einem Jahr 26 Prozent der gewinnorientierten OpenAI Group hält und den Vorstand ernennt. Die Ereignisse vom November 2023, als der Vorstand von OpenAI versuchte, CEO Sam Altman zu entlassen, zeigten jedoch die Grenzen dieser Macht auf. Im Gegensatz dazu wird Anthropic’s unternehmenseigene LLC voraussichtlich nicht derselben externen Aufsicht unterliegen.
Elon Musk kritisierte den Plan auf X und riet Anthropic, die Anteile direkt an die Öffentlichkeit zu geben. Er kündigte an, im nächsten Jahr jedem der rund 72 Millionen Kinder in den USA eine seiner SpaceX-Aktien (aktuell etwa 146 US-Dollar wert, insgesamt ca. 10,5 Milliarden US-Dollar) zu schenken. Musk, Mitbegründer von OpenAI, hatte dessen Umstrukturierung erfolglos gerichtlich angefochten und betreibt mit xAI ein eigenes KI-Unternehmen, das 2024 seinen Status als Public Benefit Corporation aufgab.
Google setzt auf traditionelle Unternehmensphilanthropie, wie den AI Opportunity Fund, der grundlegende KI-Fähigkeiten vermitteln soll, aber keine direkten Zahlungen an betroffene Personen vorsieht. Anthropic geht mit der expliziten Nennung direkter Zahlungen als Option in seiner Ankündigung weiter als seine Wettbewerber.
Thema: Anthropic. Quelle/Inspiration: The Decoder.