Anthropic warnt nach Token-Diebstahl bei Claude-Nutzern

2026-09-09 · kamil

Anthropic, der Entwickler des KI-Modells Claude, hat Nutzer vor Hackern gewarnt, die Token von Abonnentenkonten stehlen. Dies wurde bekannt, nachdem ein unabhängiger KI-Berater im August 2023 einen unerklärlichen Anstieg seines Token-Verbrauchs bemerkte.

Unerklärlicher Verbrauch und Geschäftsprobleme

Grant De Swardt, ein KI-Berater aus East Sussex, stellte am 4. August 2023 fest, dass sein Claude Max 20x-Konto Token verbrauchte, obwohl er es an diesem Tag nicht aktiv nutzte. Am Folgetag, nachdem er alle mit Claude verbundenen Dienste deaktiviert hatte, stieg der Token-Verbrauch erneut. Er berichtete TechCrunch, dass der Verbrauch im klarsten kontrollierten Intervall von 45 % auf 55 % anstieg, während er keine Aufgaben ausführte und alle geplanten oder aktiven Prozesse pausiert oder deaktiviert waren.

De Swardt kontaktierte Anthropic, um eine detaillierte Aufstellung des Verbrauchs zu erhalten, die ihm jedoch nicht bereitgestellt wurde. Anthropic stimmte jedoch zu, dass es ein Problem gab, setzte sein bezahltes Konto aus, entzog allen Sitzungen und serverseitigen Claude Code-Tokens die Gültigkeit und erstattete ihm eine Teilerstattung von 44,49 £ für die restliche Laufzeit seines 200-Dollar-Monatsabonnements. Die Aussetzung beeinträchtigte sein Geschäft erheblich, da er für administrative Aufgaben, Webdesign und Programmierung auf KI-Agenten angewiesen ist.

Die Rolle kompromittierter Sitzungsschlüssel

Nach einer Untersuchung teilte Anthropic De Swardt mit, dass ein kompromittierter Claude-Sitzungsschlüssel verwendet wurde, um nicht autorisierte Claude Code OAuth-Tokens zu prägen. OAuth-Tokens sind digitale Berechtigungen, die es Anwendungen ermöglichen, auf geschützte Ressourcen zuzugreifen. Das Unternehmen konnte jedoch nicht genau bestimmen, wie der Zugriff erlangt wurde, vermutete aber, dass entweder Anmeldeinformationen oder Sitzungsdaten ohne sein Wissen entwendet wurden oder das Konto mit einem externen Dienst verbunden war. Dies deutet darauf hin, dass Hacker unbemerkt Token von seinem Konto abzweigen konnten. Da der Support nur den Gesamtverbrauch, nicht aber detaillierte Einzelnachweise verfolgt, hätte dieser Diebstahl monatelang unentdeckt bleiben können.

Ähnliche Fälle und Anthropic’s Reaktion

De Swardt teilte seine Erfahrungen auf Reddit, wo er feststellte, dass er nicht der Einzige war. Andere Nutzer berichteten von ähnlichen Problemen, darunter automatische Konto-Upgrades mit Abbuchungen von Kreditkarten, schneller Anstieg des Verbrauchs von 0 % auf 100 % ohne eigene Nutzung oder vollständiger Verbrauch von maximalen Tokens über mehrere Tage. Einige dieser Nutzer erhielten E-Mails von Anthropic, in denen das Unternehmen sie über den Diebstahl ihrer Tokens informierte.

In diesen E-Mails warnte Anthropic, dass ein „bad actor“ (böswilliger Akteur) gängige Infostealer-Malware verwendet, um Claude-Anmeldesitzungen von Computern zu stehlen und diese dann für den Zugriff auf Claude-Konten und den Verbrauch von Tokens zu nutzen. Infostealer-Malware ist eine Art von Schadsoftware, die sich auf dem Computer eines Nutzers installiert und gespeicherte Passwörter, Sitzungsdaten und Anmeldeinformationen stiehlt. Anthropic betonte, dass die Malware nicht durch die Nutzung von Claude selbst verbreitet wurde, sondern von verschiedenen Online-Quellen stammen kann, etwa durch das Herunterladen infizierter Software oder das Klicken auf schädliche Anzeigen.

Wenn Anthropic verdächtige Aktivitäten feststellte, wurden die betroffenen Nutzer abgemeldet, bestehende Autorisierungen für ungültig erklärt, teilweise Rückerstattungen vorgenommen und Warnungen bezüglich möglicher Malware-Infektionen ausgesprochen.

Auswirkungen und fehlende Transparenz

De Swardt erhielt keine dieser Warn-E-Mails von Anthropic und konnte nach eigenen Angaben keine Hinweise auf eine Kompromittierung seines Computers finden. Er beklagt, dass er immer noch keine Möglichkeit habe, zu bestimmen, wie die Hacker Zugang erhielten. Obwohl sein Claude-Konto nach etwa zwei Wochen wiederhergestellt wurde, führten die Schwierigkeiten bei der Problemlösung und das Fehlen einer detaillierten Verbrauchsübersicht dazu, dass er sein Abonnement kündigte. Er wechselte zu Cursor, da diese Plattform die Nutzung mehrerer Modelle, einschließlich günstigerer Open-Source-Optionen, ermöglicht.

In seinen Augen bieten diese alternativen Modelle eine vergleichbare Leistung wie Claude. Er sieht keinen Grund zur Rückkehr, solange Anthropic das Problem nicht grundlegend gelöst hat und den Nutzern keine Werkzeuge zur Verfügung stellt, um den Token-Verbrauch transparent nachzuvollziehen. Anthropic lehnte eine Stellungnahme dazu ab, wie Nutzer Missbrauch identifizieren können.


Thema: Anthropic. Quelle/Inspiration: TechCrunch.

← Zurück zu Aktuelles

Ähnliche Artikel