Apple, bekannt für seine strenge Kontrolle über sein Ökosystem, sieht sich im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) mit neuen und komplexen Herausforderungen konfrontiert. Diese drehen sich um Regulierung, Rechtsstreitigkeiten und den Schutz von Nutzerdaten, was eine neue Phase der Auseinandersetzung einleitet. Das Unternehmen versucht, seine traditionelle Strategie der Systemkontrolle beizubehalten, muss sich aber zunehmend dem Druck von Gesetzgebern und Gerichten beugen, insbesondere in der Europäischen Union.
Historie: Kontrollstrategie und ihre Grenzen
Im Jahr 2014 prägte der Senior Contributing Editor Adrian Kingsley-Hughes den Begriff „toxic hellstew“ (giftiges Höllenragout) für Android, um dessen Sicherheitslücken zu beschreiben – ein Ausdruck, der später von Apple CEO Tim Cook auf der WWDC-Keynote aufgegriffen wurde. Apples damalige Strategie, oft als „Walled Garden“ (ummauerter Garten) bezeichnet, zielte darauf ab, durch strenge Kontrolle über Hardware und den App Store ein sicheres Umfeld zu schaffen. Dies umfasste einen einzigen Vertriebskanal für Apps, das Verbot von Sideloading (Installation von Apps außerhalb des offiziellen Stores), Provisionen von 15 bis 30 Prozent auf Verkäufe, das Untersagen alternativer Browser-Engines und strikte Regeln gegen die Erwähnung alternativer Zahlungsmethoden. Diese Herangehensweise, obwohl profitabel, wurde von Apple als notwendiger Schutz vor Malware und anderen Bedrohungen für die Nutzer dargestellt und führte über Jahre hinweg zu einer geringeren Betroffenheit von iPhones durch schädliche Software im Vergleich zu Android.
Die „Festung“ von Apple hielt ein Jahrzehnt lang stand. Änderungen an dieser Strategie resultierten jedoch nicht aus einem Sinneswandel des Unternehmens, sondern aus rechtlichem Druck. Beispiele hierfür sind der Rechtsstreit Epic Games gegen Apple, der Apple zur Zulassung alternativer Zahlungslinks zwang, sowie der Digital Markets Act (DMA) der Europäischen Union. Letzterer verpflichtet Apple unter anderem dazu, Sideloading, alternative App-Marktplätze und alternative Browser-Engines zuzulassen. Auch in den USA läuft seit 2024 ein Kartellverfahren des Justizministeriums gegen das Unternehmen.
EU-Regulierung formt Apples KI-Kurs
Die Europäische Union hat in den letzten Jahren maßgeblichen Einfluss auf Apples Geschäftsgebaren genommen. Als Reaktion auf den Digital Markets Act führte Apple eine Core Technology Fee (CTF) ein, eine Gebühr für Entwickler, die selbst Gegenstand einer Untersuchung der EU-Kommission wurde, da sie möglicherweise ebenfalls gegen den DMA verstößt.
Apple hat zudem die Einführung mehrerer Funktionen – darunter Apple Intelligence, iPhone Mirroring und SharePlay Screen Sharing – in der EU verzögert und dies mit der Notwendigkeit der DMA-Konformität begründet. Im Fall der Siri AI, einer erweiterten Version des Sprachassistenten, wurde die Verzögerung in der EU ebenfalls mit dem DMA in Verbindung gebracht. Die EU konterte jedoch, dass die Entscheidung, Siri AI nicht in der EU einzuführen, allein bei Apple liege und das Unternehmen nicht in der Lage sei, Interoperabilitätslösungen zu entwickeln, die den wesentlichen EU-Datenschutz- und Sicherheitsstandards entsprechen.
Apple verfügt derzeit nicht über ein eigenes sogenanntes „Frontier Model“ – also ein fortschrittliches KI-Modell, das mit Produkten wie OpenAI’s ChatGPT, Anthropic’s Claude oder Google’s Gemini konkurrieren kann. Während solche KI-Anwendungen frei im App Store verfügbar sind, möchte Apple verhindern, dass sie den gleichen Systemzugriff erhalten wie Siri. Durch das Zurückhalten von Siri AI in der EU versucht Apple, diesen Kontrollgrad – zumindest vorerst – zu bewahren und der Aufsicht des DMA zu entgehen.
Die EU prüft zudem, ob Plattformen für Smart-TVs wie Apple TV und virtuelle Assistenten wie Siri ebenfalls als „Gatekeeper“ im Sinne des DMA einzustufen sind, was ihre Regulierung weiter verschärfen könnte.
Apples Umgang mit KI-Technologie und Daten
Apple versucht, die Kontrolle im KI-Bereich auf verschiedene Weisen zu wahren. Dazu gehört, Entwicklern lediglich API-Zugriff auf die Fähigkeiten seiner geräteinternen KI-Modelle zu gewähren, nicht aber auf die Modelle selbst. Zudem verlangt das Unternehmen, dass Apps die ausdrückliche Zustimmung der Nutzer einholen, bevor sie persönliche Daten mit KI-Modellen Dritter teilen. Diese Praxis fällt unter Apples „App Tracking Transparency“-Funktion, die 2025 zu einer Geldstrafe von 162 Millionen US-Dollar durch französische Regulierungsbehörden führte.
Interessanterweise zeigt Apple kein großes Interesse daran, einen Großteil der zugrunde liegenden KI-Technologie selbst zu entwickeln. Stattdessen zahlt das Unternehmen Berichten zufolge jährlich 1 Milliarde US-Dollar an Google, um Siri mit dessen KI-Modellen zu betreiben. Diese Google-Modelle laufen dabei auf Apples eigenen Private Cloud Compute-Servern. Apple konzentriert sich primär auf die Benutzeroberfläche und die Integration der KI in sein Ökosystem, während es gleichzeitig die Daten seiner Nutzer auf den eigenen Servern behält. Dies untermauert das Argument, dass Apple den Schutz der Nutzer und ihrer Daten vor der umfassenden Datenerfassung durch KI-Unternehmen priorisiert.
Thema: Apple. Quelle/Inspiration: ZDNet.