Apple hat OpenAI in einer am Freitag eingereichten Klage vorgeworfen, sich mit ehemaligen Mitarbeitern des iPhone-Herstellers verschworen zu haben, um Geschäftsgeheimnisse zu stehlen. Der Technologiekonzern fordert gerichtliche Verfügungen, die OpenAI die Nutzung der angeblich entwendeten vertraulichen Informationen untersagen.
Vorwürfe zum Datenzugriff durch ehemaligen Mitarbeiter
Im Zentrum der Anschuldigungen steht der ehemalige Apple-Ingenieur Chang Liu, der im Januar 2026 zu OpenAI wechselte. Laut Apples Klageschrift entdeckte Liu am 9. Februar einen bis dahin unbekannten Authentifizierungsfehler. Dieser Fehler ermöglichte es ihm, über einen ihm noch von Apple zur Verfügung gestellten Laptop auf freigegebene Netzwerkordner des Unternehmens zuzugreifen, obwohl er bereits ausgeschieden war.
Anstatt den Fehler zu melden, soll Liu die Gelegenheit genutzt haben, über mehrere Wochen hinweg Dutzende vertraulicher, hardwarebezogener Dateien herunterzuladen. Dazu gehörten detaillierte Informationen über unveröffentlichte Produkte, technische Spezifikationen und unternehmenseigene Projektdaten. Einige dieser Dateien waren ausdrücklich als vertraulich gekennzeichnet. Besonders beunruhigend sei der Download einer Präsentation über komplexe Leiterplatten von Apple, deren Inhalt für Hardware-Entwickler von unschätzbarem Wert sei.
Interne Nachrichten, die Apple bei der Untersuchung zwischen Liu und der damals noch bei Apple beschäftigten Mitarbeiterin Yu-Ting „Alyssa“ Peng fand, sollen Lius Handlungen belegen. In einer Nachricht schrieb Liu: „LOL, ich habe herausgefunden, dass ich auf den [Netzwerkspeicher] zugreifen kann, so lustig.“ Apple gab an, den Fehler nach Entdeckung dieser Nachrichten schnell behoben zu haben; es gebe keine Hinweise auf eine breitere Ausnutzung.
Umfassendere Verschwörungsvorwürfe
Apple behauptet, die Vorfälle seien nur die „Spitze des Eisbergs“ einer größeren Verschwörung. Das Unternehmen wirft OpenAI vor, einen „rechtswidrigen Abkürzungsweg“ zu suchen, um eine Reihe von KI-betriebenen Geräten zu entwickeln, die so marktfähig wie das iPhone sein sollen. Dabei soll OpenAI mehr als 400 ehemalige Apple-Mitarbeiter abgeworben haben.
Als angeblicher Drahtzieher des Rekrutierungsschemas wird Tang Yew Tan genannt, der nach 24 Jahren bei Apple und einer Zwischenstation bei io Products im Jahr 2025 OpenAI’s Chief Hardware Officer wurde. Tan soll sein Insiderwissen genutzt haben, um in Vorstellungsgesprächen vertrauliche Informationen über unveröffentlichte Produkte von Apple zu erhalten. Zudem wird ihm vorgeworfen, ein internes Apple-Dokument verwendet zu haben, um eine Checkliste zu erstellen, die ausscheidenden Apple-Mitarbeitern helfen sollte, Sicherheitsmaßnahmen beim Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen zu umgehen.
Die Klage behauptet auch, Tan habe Apple-Mitarbeiter aufgefordert, Computerteile zu „Show-and-Tell“-Sitzungen mitzubringen, was die proprietären Technologien von Apple offenlegen würde. OpenAI hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Ein Sprecher erklärte, man überprüfe die Klage, bestreite jedoch die Kernbehauptung, sich auf Apple-Erkenntnisse zu stützen. OpenAI habe „kein Interesse an den Geschäftsgeheimnissen anderer Unternehmen“ und konzentriere sich auf die Entwicklung innovativer Technologien. Sam Altman, CEO von OpenAI, schrieb auf X, er habe „keine Angst vor Apple“, aber „enormen Respekt“ vor dem Unternehmen.
Mögliche Motivation und Präzedenzfälle
Die Klage von Apple könnte laut „The Wall Street Journal“ auch darauf abzielen, die Geräteentwicklung von OpenAI oder die Abwerbung von Mitarbeitern zu verlangsamen. Apple hat in der Vergangenheit bereits ähnliche Rechtsstreitigkeiten mit Konkurrenten wie Samsung (2018 beigelegt) und Nvidia (2023 beigelegt) geführt, die sich auf den Diebstahl von Technologie bezogen.
Apple betont, dass das Ausmaß des Fehlverhaltens bei OpenAI, das angeblich von der Führungsebene normalisiert werde, noch nicht vollständig sichtbar sei. Die Klage legt nahe, dass OpenAI auf jeder Ebene, vom technischen Personal bis zum Chief Hardware Officer, die Geschäftsgeheimnisse und vertraulichen Informationen von Apple gestohlen habe.
Thema: OpenAI. Quelle/Inspiration: Ars Technica.