Autobahndiebe stehlen Rechenzentrums-Fracht durch digitale Methoden

2026-10-26 · kamil

Autobahndiebe haben seit Juni über 100 Millionen US-Dollar an Fracht für Rechenzentren entwendet. Die Täter nutzen ausgeklügelte digitale Taktiken, darunter das Hacken von Speditionskonten und das Spoofing von GPS-Koordinaten, um teure Ausrüstung zu stehlen.

Digitale Methoden der Frachtdiebe

Die Diebe gehen systematisch vor: Zuerst verschaffen sie sich Zugang zu den Konten von Frachtvermittlern auf Versand-Websites. Dort veröffentlichen sie gefälschte Sendungen, um Angebote von Speditionen anzulocken. Reagiert ein Unternehmen, wird ein bösartiger Link gesendet. Nach dem Klick installieren die Diebe Software, die ihnen die Kontrolle über die Konten der Spedition gibt. Anschließend bieten sie auf reale Sendungen. Manchmal werden unwissende, echte Lieferfahrer beauftragt, die Ladung abzuholen; in anderen Fällen kommen gefälschte Führerscheine zum Einsatz, um Komplizen als Fahrer einzuschleusen. Die gestohlenen Güter werden schließlich an einen Fahrer der Diebesbande übergeben, der die Ware weiterverkauft. In einigen der größten Diebstähle wurden sogar die GPS-Koordinaten manipuliert, um eine digitale Überwachung zu verhindern.

Zu den häufig gestohlenen Geräten gehören Server, Glasfaserkabel, Computerspeicherchips, Kupferdrähte und Bitcoin-Mining-Maschinen. Dies betrifft nicht nur die KI-Branche; in einem Fall im Los Angeles County wurde Rechenzentrums-Kühlausrüstung zusammen mit Konsumgütern wie Nikotinbeuteln und Fernsehern gefunden, was auf einen breiteren Schaden für die allgemeine Bevölkerung hindeutet.

Zunehmende Gewalt und hohe Verluste

Die Diebstähle sind Teil eines wachsenden Trends im Bereich des High-End-Technologie-Frachtdiebstahls. Seit 2025 gab es fast zwei Dutzend Vorfälle in Bundesstaaten wie Kalifornien, Texas und Utah. Experten erwarten eine weitere Zunahme, da KI-Firmen Milliarden in die Infrastruktur von Rechenzentren investieren.

In zwei der größten Diebstähle, bei denen es um Ausrüstung im Wert von 13 Millionen US-Dollar für ein Rechenzentrum in Fayetteville, Georgia, und 10 Millionen US-Dollar für Server-Rack-Komponenten auf dem Weg nach Texas ging, wurden die Begleitfahrzeuge von außer Dienst befindlichen Polizisten absichtlich gerammt. Die Täter nutzten diese Zusammenstöße, um die Bewacher abzuhängen und mit der Ladung zu entkommen. Im Fall der Texas-Sendung war die GPS-Ortung der Fracht durch Spoofing außer Kraft gesetzt worden.

Der Graumarkt für gestohlene Technik

Im Gegensatz zu anderen Frachtdiebstählen wird die gestohlene Rechenzentrums-Ausrüstung selten auf Online-Marktplätzen verkauft. Stattdessen werden die Sendungen in Einzelteile zerlegt und auf Graumärkten an Technologieunternehmen veräußert. Diese Firmen nutzen fragwürdig beschaffte Ausrüstung, um ihre Kosten niedrig zu halten. Ermittler berichten, dass in vielen Fällen ein Käufer im Ausland, insbesondere in Regionen mit eingeschränktem Zugang zu hochwertiger US-Technologie wie China, bereits vor dem Diebstahl feststeht.

Sicherheitsmaßnahmen und Lösungsansätze

Die Stärkung der Sicherheit ist für die KI-Industrie und ihre Logistikpartner entscheidend. Eine zentrale Schwachstelle ist die unzureichende Überprüfung von Fahrern. Scott Cornell, Vorsitzender der Transported Asset Protection Association (TAPA Americas), betont, dass diese Diebstähle nur funktionieren, wenn Fahrer nicht ordnungsgemäß überprüft werden. Eine gründlichere Hintergrundprüfung könnte dem entgegenwirken.

Gesetzgeber suchen nach Lösungen, darunter die Stärkung der föderalen Reaktion auf Diebstähle mit internationalem Bezug. Betroffene Bundesstaaten haben spezielle Arbeitsgruppen gebildet, um gestohlene Sendungen zu verfolgen. Unternehmen setzen weiterhin auf Sicherheitsbegleitungen, auch wenn die jüngsten Vorfälle die damit verbundenen Risiken verdeutlichen. Mike Duffy, CEO des Sicherheitsbegleitunternehmens Solutions Group International, bestätigt, dass sein Unternehmen monatlich Hunderte von Ladungen, viele davon für Rechenzentren, begleitet.


Thema: Technologie / KI allgemein. Quelle/Inspiration: Ars Technica.

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