British Columbia verklagt OpenAI nach Schulamoklauf in Tumbler Ridge

2026-09-25 · kamil

Die kanadische Provinz British Columbia hat eine Klage gegen OpenAI eingereicht. Hintergrund ist ein tödlicher Schulamoklauf, der sich am 10. Februar 2026 in Tumbler Ridge ereignete und bei dem der Täter, Jesse Van Rootselaar, ChatGPT zur Planung der Gewalttaten nutzte. Die Provinz fordert von OpenAI und dessen CEO Sam Altman die Übernahme der Kosten für den Bau einer neuen Schule, die Deckung weiterer Notfallausgaben sowie die Veröffentlichung der Chat-Protokolle des Täters.

Hintergrund des tragischen Vorfalls

Der 18-jährige Täter, Jesse Van Rootselaar, tötete am Tag des Amoklaufs fünf Schüler und einen Bildungsassistenten in der Tumbler Ridge Secondary School, bevor er Suizid beging. Zuvor hatte er bereits seine Mutter und seinen Halbbruder erschossen, wodurch die Gesamtzahl der Todesopfer auf acht stieg. Die Sekundarschule war ein zentraler Ort in der kleinen Bergbaugemeinde Tumbler Ridge, sowohl geografisch als auch kulturell. Nach der Tragödie wurde sie jedoch zu einem Symbol des Traumas für die Gemeinde mit etwa 2.700 Einwohnern.

Rund 160 Schüler, Lehrer und Mitarbeiter waren stundenlang in Klassenzimmern und Schränken der Schule eingeschlossen. Viele von ihnen waren danach zu traumatisiert, um jemals in das Gebäude zurückzukehren. Um den Opfern und der Gemeinde eine gewisse Entlastung zu verschaffen, begann im August der Abriss der Schule. Es besteht die Hoffnung, bis Ende des Jahres eine Ersatzschule an einem neuen Standort zu errichten.

Forderungen von British Columbia an OpenAI

British Columbia argumentiert, dass OpenAI und Sam Altman nicht nur eine Entschuldigung schulden, sondern auch tiefgreifende Änderungen vornehmen müssen, um weitere gewaltverursachende Nutzung von ChatGPT zu verhindern. Zudem sollen sie die Kosten für den Wiederaufbau und die Genesung von Tumbler Ridge tragen. Die Klage umfasst die Forderung nach:

  • Übernahme der Kosten für den Bau der neuen Schule.
  • Erstattung einer breiten Palette von Notfallkosten, die ohne die Tragödie und ihre vorhersehbaren Folgen nicht entstanden wären. Dazu gehören Ausgaben für den Abriss der alten Schule, die Einrichtung einer provisorischen Schule in Forst-Trailern und später modularen Klassenzimmern, die Einstellung und Schulung von Ersatzpersonal sowie die Organisation des Unterrichts.
  • Gerichtliche Anordnung, die OpenAI dazu verpflichtet, ChatGPT so zu aktualisieren, dass gewalttätige Konversationen automatisch beendet werden.
  • Sofortige gerichtliche Anordnung zur Veröffentlichung der Chat-Protokolle von Jesse Van Rootselaar. Bisher wurden diese Protokolle nur mit der Royal Canadian Mounted Police (RCMP) geteilt, die sich zur öffentlichen Freigabe nicht äußert.

OpenAIs Haltung und Kritik der Provinz

OpenAI lehnte eine direkte Stellungnahme zur Klage oder den geforderten Maßnahmen ab. Ein Sprecher des Unternehmens äußerte jedoch, dass sich OpenAIs Gedanken bei den Opfern, ihren Familien und der gesamten Gemeinschaft befänden und man weiterhin mit Regierungs- und Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten wolle. Das Unternehmen hatte zuvor die Nicht-Veröffentlichung der Chat-Protokolle mit dem Schutz der Privatsphäre von Van Rootselaar begründet, obwohl interne Prüfteams die Weitergabe an die Polizei empfohlen hatten.

British Columbia wirft OpenAI vor, ChatGPT nach mehreren ähnlichen Amokläufen, die wiederkehrende Muster gewalttätiger ChatGPT-Nutzung zeigten, nicht sicherer gemacht zu haben. Die Provinz vermutet, dass OpenAI die Chat-Protokolle zurückhält, um potenzielle Risiken für einen angestrebten Börsengang von bis zu einer Billion US-Dollar zu minimieren und die Öffentlichkeit nicht mit den realen Gefahren von Chatbots zu konfrontieren. Die Behauptung von OpenAI, im Dezember 2025 einen „Versuch“ unternommen zu haben, gewalttätige Chats zu blockieren, wird von der Provinz als unzureichend kritisiert, da dies die schädliche Nutzung durch Van Rootselaar nicht verhindert habe.

Die Generalstaatsanwältin von British Columbia, Niki Sharma, betonte auf einer Pressekonferenz, dass es keine „KI-Ausnahme“ für die Grundsätze des Strafrechts gebe. Sie stellte klar, dass jede Person, die Beihilfe leistet, ermutigt oder sich an einer Straftat beteiligt oder fahrlässig handelt, untersucht, strafrechtlich verfolgt und verurteilt werden kann.

Auswirkungen auf die kleine Gemeinde

Die Tragödie hat die Gemeinde Tumbler Ridge schwer getroffen, da die geringe Einwohnerzahl bedeutete, dass jeder die Opfer kannte. Die Tumbler Ridge Secondary School war die einzige Schule in der Stadt und schloss am Tag des Amoklaufs dauerhaft. Die betroffenen Schüler mussten in einer provisorischen Einrichtung unterrichtet werden, die zunächst aus Forst-Trailern und später aus modularen Klassenzimmern bestand. Die Kosten für die Einrichtung, die Rekrutierung und Schulung von Ersatzpersonal sowie die psychologische Betreuung waren erheblich.

Die Klage hebt hervor, dass die geringe Größe der Gemeinde die Auswirkungen der Tragödie verstärkte, da es keine redundanten Einrichtungen oder ausreichend Personal gab, um die Unterstützung und Beratung zu leisten, die dringend benötigt wurde. Neben einer neuen Schule wird auch ein Wellnesszentrum gebaut, da der Bedarf an psychologischer Betreuung seit der Tragödie unvermindert hoch ist.


Thema: OpenAI. Quelle/Inspiration: Ars Technica.

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