DeepSeek sucht weitere Milliarden für Rechenzentren und Chips

2026-07-14 · kamil

Das chinesische KI-Labor DeepSeek befindet sich Berichten zufolge in frühen Gesprächen über eine neue Finanzierungsrunde mit einer Pre-Money-Bewertung von rund 71 Milliarden US-Dollar. Dies geschieht nur wenige Wochen, nachdem das Unternehmen Ende Mai seine erste Runde über etwa 7 Milliarden US-Dollar abgeschlossen hatte, die dem Startup aus Hangzhou eine Bewertung von 52 Milliarden US-Dollar einbrachte.

Das neu zu beschaffende Kapital soll primär in den Bau eigener Rechenzentren und den Erwerb von KI-Chips fließen. DeepSeek entwickelt zudem einen eigenen Inferenz-Chip, um die Abhängigkeit von Anbietern wie Nvidia und Huawei zu reduzieren. Der Gründer Liang Wenfeng investierte bereits selbst rund 3 Milliarden US-Dollar und ist damit der größte Geldgeber. Zu den weiteren Investoren der ersten Runde zählen Unternehmen wie CATL, Tencent, JD.com, NetEase sowie Chinas staatlich gestützter KI-Fonds.

Strategie der aggressiven Preisgestaltung

Der hohe Kapitalbedarf ist direkt mit DeepSeeks Expansionsstrategie verbunden. Das Unternehmen hat kürzlich die Modelle V4-Pro und V4-Flash veröffentlicht, die als die größten Open-Weights-Modelle mit bis zu 1,6 Billionen Parametern gelten. Die zuvor eingeführten sehr niedrigen Preise für V4-Pro wurden dauerhaft festgelegt und sind auf Input-Seite etwa elfmal günstiger als die von GPT-5.5. Diese Strategie zeigt offenbar Wirkung: Laut der US-Finanzdienstleistungsfirma Ramp, die Ausgaben von über 50.000 Unternehmen verfolgt, gehörte DeepSeek im Juni zu den am schnellsten wachsenden Softwareanbietern unter US-Unternehmen. Ramp wies jedoch auf Sicherheitsrisiken hin, da Unternehmen Daten direkt über DeepSeeks Plattform senden.

Leistungsunterschiede und Wettbewerb

Obwohl sich die Leistungslücke zu westlichen Branchenführern wie OpenAIs GPT-5.6 Sol und Anthropics Claude Mythos vergrößert hat und DeepSeek deren Niveau noch nicht erreichen kann, ist der Leistungsunterschied deutlich geringer als der Preisunterschied. Gleichzeitig verschärft sich der Wettbewerb innerhalb Chinas. Zhipu AI hat das Open-Source-Modell GLM-5.2 vorgestellt, das Anthropics Opus-Modellen bei stundenlangen Programmieraufgaben nur um wenige Prozentpunkte nachsteht und bei Unternehmen an Bedeutung gewinnt. MiniMax arbeitet Berichten zufolge an einem Modell mit 2,7 Billionen Parametern, das bereits im dritten Quartal erscheinen könnte. Auch Moonshot AI, bekannt für Kimi, sucht frisches Kapital bei einer Bewertung von bis zu 30 Milliarden US-Dollar. Der Wettbewerb unter chinesischen KI-Laboren hat eine neue Intensität erreicht.


Thema: DeepSeek. Quelle/Inspiration: The Decoder.

← Zurück zu Aktuelles

Ähnliche Artikel