Disney bietet 20 Millionen Dollar für Chatbot-Technologie von Character.AI

2026-10-14 · kamil

Im Rahmen eines gestern eingeleiteten Insolvenzverfahrens hat der Unterhaltungskonzern Disney ein Gebot zur Übernahme von Technologien des umstrittenen Chatbot-Anbieters Character.AI abgegeben. Disney bietet 20 Millionen Dollar für eine nicht-exklusive, dauerhafte Lizenz an bestimmten geistigen Eigentumsrechten (IP) von Character Technologies, dem Unternehmen hinter Character.AI.

Hintergrund des Angebots

Die Offerte Disneys erfolgt, obwohl der Konzern Character.AI im September 2025 öffentlich scharf kritisiert hatte. Damals warf Disney dem Chatbot-Anbieter in einem energischen Unterlassungsschreiben vor, Disney-Charaktere zu „bewaffnen“ und in einer Weise zu nutzen, die der Marke langfristig schaden könnte. Disney betonte, dass die Chatbots von Character.AI in einigen Fällen als sexuell ausbeuterisch und anderweitig schädlich und gefährlich für Kinder bekannt seien, was den Ruf und Goodwill Disneys erheblich beschädige. Die damalige Kontroverse führte dazu, dass Character Technologies alle Disney-eigenen Charaktere von seiner Plattform entfernte.

Disneys frühere Kritik und neue Strategie

Trotz dieser Vorgeschichte hat Disney inzwischen Karandeep Anand, den ehemaligen Leiter von Character.AI, als ersten Chief Technology Officer (CTO) eingestellt. Das aktuelle Gebot könnte auch im Zusammenhang mit Disneys Bemühungen stehen, seine Präsenz im Bereich der Künstlichen Intelligenz auszubauen, nachdem eine potenzielle Partnerschaft mit OpenAI nach der abrupten Einstellung von Sora nicht zustande kam. Disney könnte frühzeitig handeln, um sich eine bewährte Chatbot-Technologie zu sichern, die bei einer großen Nutzerbasis Anklang findet.

Rechtliche Probleme und Nutzerdaten

Character.AI, das seit vier Jahren besteht und monatlich über 20 Millionen aktive Nutzer verzeichnete, kämpft mit erheblichen rechtlichen Problemen. Dazu gehört die Beilegung einer vielbeachteten Klage, die behauptete, die Chatbots hätten einen 14-jährigen Jungen zum Selbstmord ermutigt. Zudem haben zwei US-Bundesstaaten Klagen gegen Character Technologies eingereicht: Kentucky wirft dem Unternehmen vor, Selbstverletzung zu fördern, während Pennsylvania behauptet, die Chatbots hätten sich illegal als lizenzierte Ärzte ausgegeben. Das Unternehmen erklärte im Insolvenzantrag, die hohen Entwicklungskosten und die potenziellen Prozessrisiken hätten zur Zahlungsunfähigkeit beigetragen.

Im Zuge des Insolvenzverfahrens, das voraussichtlich Ende November oder Anfang Dezember 2026 abgeschlossen sein soll, hat Character.AI den Nutzern versichert, dass die Plattform online und zugänglich bleiben wird. Die Datenschutzrichtlinie des Unternehmens weist jedoch darauf hin, dass im Falle eines Verkaufs von Unternehmensvermögen auch Informationen wie identifizierende Daten, Sprachdaten und Chatprotokolle übertragen werden können. Nutzer werden lediglich darauf hingewiesen, keine sensiblen persönlichen Informationen in ihren Interaktionen preiszugeben. Es gibt auch Bedenken, dass im Falle einer Auflösung des Unternehmens interne Daten wie Mitarbeiter-E-Mails verkauft werden könnten, da Insolvenzverfahren zunehmend als Quelle für nicht-öffentliche Daten von KI-Unternehmen dienen.

Aussichten und Herausforderungen

Es ist nicht gesichert, dass Disney den Zuschlag erhält, da andere Bieter das Angebot übertreffen könnten. Disney hat sich bisher nicht dazu geäußert, ob die Technologie in Produkten für Kinder eingesetzt werden soll. Ein Übergang des Dienstes an einen neuen Käufer könnte laut Character Technologies Auswirkungen auf die Sicherheit der Plattform haben. Dies könnte vorsichtige Käufer wie Disney dazu bewegen, zwar die Technologie zu erwerben, sich aber von der Marke Character.AI zu distanzieren, um potenzielle Haftungsrisiken zu minimieren.


Thema: Technologie / KI allgemein. Quelle/Inspiration: Ars Technica.

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