Google hat am Mittwoch die größte Umstrukturierung seiner KI-Organisation bekannt gegeben. Diese Veränderungen umfassen den Wechsel von DeepMind-Leiter Demis Hassabis in eine neue Rolle und den Abgang des langjährigen Google-Veteranen Jeff Dean, der zusammen mit drei weiteren führenden KI-Forschern ein neues Startup gründet.
Führungswechsel bei DeepMind
Demis Hassabis, bisheriger Leiter von Google DeepMind, wird sich künftig auf die Entwicklung von Allgemeiner Künstlicher Intelligenz (AGI) und die Forschung konzentrieren. Er übernimmt die Position des DeepMind-Vorsitzenden und Chief Scientist von Alphabet, während er weiterhin seine Rolle als Leiter des Arzneimittel-Forschungs-Spin-offs Isomorphic Labs behält. Die täglichen operativen Geschäfte von DeepMind werden von Koray Kavukcuoglu, dem bisherigen CTO von DeepMind, übernommen.
Obwohl Google und seine Führungskräfte die Änderungen als Weichenstellung für zukünftigen Erfolg darstellten, deuten Branchenbeobachter auf tiefer liegende Probleme hin. Dazu gehören Googles Position im KI-Wettlauf, wo das Unternehmen im Vergleich zu OpenAI und Anthropic als langsamer wahrgenommen wird, sowie Hassabis‘ Präferenz für langfristige Forschung gegenüber kurzfristiger Produktentwicklung.
Jeff Dean und weitere Top-Forscher verlassen Google
Ebenfalls Teil der Umstrukturierung ist der Weggang von Jeff Dean, einem 27-jährigen Google-Veteranen und dem 30. Mitarbeiter des Unternehmens. Dean verlässt Google zusammen mit drei weiteren führenden KI-Forschern – Sanjay Ghemawat, Quoc Le und Oriol Vinyals –, um ein neues KI-Startup namens Discovery Loop zu gründen. Dieses Startup soll Tausende von wissenschaftlichen und technischen Experimenten in Bereichen wie Arzneimittelforschung, Hardware-Design, saubere Energie und Materialdesign automatisieren.
Ein aktueller Google-Mitarbeiter äußerte anonym die Sorge, dass Deans Abgang einen „Brain Drain“ bei Google fortsetze und zu Mittelmäßigkeit führen könnte. Diese Entwicklung sei ein Beispiel für das „vollständige Sterben von Googles Idealismus“.
Hintergründe der Umstrukturierung
Die Veränderungen in der KI-Führung von Google werden von Brancheninsidern mit dem Druck in Verbindung gebracht, die Produktentwicklung zu beschleunigen und interne ethische Konflikte zu lösen. Ein ehemaliger Google-Mitarbeiter berichtete von einem erhöhten internen Wettbewerb im Bereich der KI-Produkte und dem Druck, mehr Mitarbeiter einzustellen, um Produktstarts zu beschleunigen.
Ein wesentlicher Faktor für Hassabis‘ Rollenwechsel und Deans Abgang könnte Googles Zusammenarbeit mit dem US-Verteidigungsministerium sein. Tyler Johnston, Gründer der Non-Profit-Organisation The Midas Project, wies darauf hin, dass dieser Deal die potenzielle Nutzung von Google KI für Massenüberwachung und autonome Waffensysteme ermöglichen könnte. Laut Johnston könnte dies bereits zu Mitarbeiterabgängen und Gewerkschaftsbildungsbemühungen bei DeepMind geführt haben. DeepMind wurde ursprünglich mit der Vereinbarung von Google übernommen, die Technologie nicht für militärische oder geheimdienstliche Zwecke zu verkaufen.
Jeff Dean war bekannt dafür, sich gegen moralische Fragen wie KI-Überwachung und autonome Waffen auszusprechen. Er gehörte zu den prominentesten Kritikern der Einstufung von Anthropic als Lieferkettenrisiko durch das Verteidigungsministerium, nachdem das Unternehmen seine roten Linien für die militärische Nutzung seiner KI beibehalten hatte.
Thema: Google DeepMind. Quelle/Inspiration: The Verge.