Google startet ersten Test für orbitales KI-Rechenzentrum am 1. Oktober

2026-09-24 · kamil

Google startet am 1. Oktober seinen ersten Test für ein orbitales KI-Rechenzentrum im Rahmen von Project Suncatcher. Der experimentelle Satellit namens MVP, etwa so groß wie ein Kühlschrank, wird mit vier von Googles kundenspezifischen TPU-KI-Beschleunigern ausgestattet sein. Diese dienen zum Trainieren von KI-Modellen und zur Generierung von Tokens für KI-Anwendungen. Der Test soll die Vision einer zukünftigen Konstellation von KI-Satelliten validieren.

Hintergrund und Testdetails

Project Suncatcher wurde letztes Jahr angekündigt als Googles ambitioniertes Vorhaben, orbitale KI-Rechenzentren zu entwickeln. Diese werden von Befürwortern wie Elon Musk und Jeff Bezos als Alternative zu umstrittenen terrestrischen Rechenzentren vorgeschlagen, da sie potenziell solarbetrieben im Weltraum weniger Energie verbrauchen. Der MVP-Satellit startet an Bord einer SpaceX Falcon 9 Rakete als Teil der Transporter-18 Rideshare-Mission. Ursprünglich waren zwei kundenspezifische Satelliten für 2027 geplant, doch Google beschleunigte das Projekt. Das Raumfahrzeug selbst stammt von der Satellitenbildfirma Planet Labs, während die KI-Hardware von Google entwickelt wurde.

Die Solarpaneele des MVP liefern etwa ein Kilowatt Leistung, ausreichend für ein Haushaltsgerät wie eine Mikrowelle. Der Satellit wird nur wenige Monate in Betrieb sein und dient als Test für verschiedene Technologien. Langfristig plant Google Netzwerke von Satelliten, die über Hochgeschwindigkeits-Laserverbindungen kommunizieren.

Technische Herausforderungen im Weltraum

Ein zentrales Ziel des Tests ist die Bewertung, wie die Tensor-Chips von Google unter Weltraumbedingungen funktionieren. Während Hardware für viele Weltraummissionen speziell für extreme Temperaturen oder Strahlung entwickelt wird, handelt es sich hier um dieselben TPUs, die Google auch in Servern auf der Erde einsetzt. Strahlung kann Chips beschädigen oder Berechnungen stören, indem sie Bits umkehrt. Auch Vibrationen und hohe G-Kräfte während des Starts stellen Probleme dar. Bodentests wurden durchgeführt, doch der Start soll ein umfassenderes Bild der aktuellen Herausforderungen liefern.

Die Kühlung der Chips stellt eine der größten Schwierigkeiten dar. KI-Beschleuniger erzeugen im Vergleich zu herkömmlicher Weltraumhardware deutlich mehr Wärme. Googles Lösung verwendet eine Schicht aus formbarem „Thermal Interface Material“, das die Chips mit Aluminium- und Kupfer-Heatpipes verbindet. Diese leiten die Wärme zu einem Radiator, der sie in den Weltraum abgibt. Das Kühlsystem ermöglicht jedoch nur kurze Betriebsphasen von etwa 15 Minuten. Danach müssen die TPUs abgeschaltet werden, damit die Radiatoren die Wärme abführen können. Google wird Gemini-Modelle auf den TPUs zu Testzwecken laufen lassen.

Ausblick auf Project Suncatcher

Mit diesem ersten Test erhofft sich Google Erkenntnisse darüber, was funktioniert und was nicht, um zukünftige Designs zu verbessern. Die für 2027 geplanten Starts sind weiterhin auf der Agenda. Das Team erwartet jedoch, dass es Jahre dauern wird, bis Project Suncatcher von einem „Projekt“ zu einem „Produkt“ weiterentwickelt wird.


Thema: Google. Quelle/Inspiration: Ars Technica.

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