Google warnt vor LLMjacking: Hohe KI-Kosten für Unternehmen

2026-10-02 · kamil

Die unbefugte Nutzung von Rechenleistung für Künstliche Intelligenz, bekannt als LLMjacking, nimmt laut Analysten der Google Threat Intelligence Group erheblich zu. Diese Entwicklung könnte Unternehmen finanziell stark belasten, da Kriminelle Zugang zu KI-Modellen und Rechenressourcen erlangen und die Kosten auf die eigentlichen Besitzer abwälzen. John Hultquist, Chefanalyst der Google Threat Intelligence Group, berichtete der Financial Times, dass seine Cybersicherheitseinheit im Jahr 2026 eine deutliche Zunahme dieser Angriffe verzeichnete.

LLMjacking ist das Äquivalent zum Cryptojacking, bei dem unrechtmäßig Rechenleistung für das Schürfen von Kryptowährungen gestohlen wird. Im Kontext der KI bedeutet dies, dass Angreifer die Rechenkapazitäten und Ressourcen von Unternehmen missbrauchen. Dies geschieht oft durch den Diebstahl von Zugangsdaten oder API-Schlüsseln, die autorisierten Zugriff auf KI-Konten von Unternehmen ermöglichen. Solche Konten verfügen häufig über hohe oder unbegrenzte Nutzungslimits, wodurch zusätzliche Kosten außerhalb der regulären Abonnements entstehen können, insbesondere bei Überschreitung der Token-Nutzung.

Finanzielle Auswirkungen und der Schwarzmarkt

Cyberkriminelle beschaffen sich diese Zugangsdaten oder API-Schlüssel auf verschiedene Weisen: durch den Zugriff auf Unternehmensnetzwerke, Phishing-Angriffe, Datenlecks, Schwachstellen in Systemen oder durch Insider-Bedrohungen. Einmal gestohlen, werden diese Informationen oft auf dem Schwarzmarkt an andere kriminelle Gruppen weiterverkauft. Dort wird der illegale Zugang zu KI-Modellen von Anbietern wie Anthropic, Google und OpenAI mit Rabatten von bis zu 97 Prozent angeboten, wobei einige Händler sogar dauerhaften Zugang garantieren, selbst wenn kompromittierte Konten gesperrt werden.

Da fortschrittliche KI-Modelle immer mehr Rechenleistung erfordern, steigen auch die Kosten für die benötigten Rechen-Tokens oder höhere Abonnementstufen. Für Großunternehmen können die durch unautorisierte Nutzung verursachten Rechnungen schnell in die Höhe schnellen. Das Threat Research Team von Sysdig schätzt, dass solche Angriffe bei Top-Modellen zusätzliche Kosten von rund 46.000 US-Dollar und sogar über 100.000 US-Dollar pro Tag verursachen können.

Die finanziellen Schäden beschränken sich nicht nur auf die direkten Opfer des LLMjacking. Durch die Ausnutzung gestohlener KI-Leistung verschaffen sich Cyberkriminelle einen „wirtschaftlichen Vorteil“ bei der Durchführung weiterer Angriffe, da sie KI-Ressourcen nutzen, die von anderen bezahlt werden, während Verteidigern durch steigende Token-Kosten Einschränkungen auferlegt werden.

Schutzmaßnahmen gegen LLMjacking

Um das Risiko von LLMjacking zu minimieren, sind Unternehmen gefordert, ihre KI-Konten aktiv zu schützen. Experten empfehlen folgende Maßnahmen:

  • Mitarbeiterschulung: Implementierung effektiver Schulungs- und Sensibilisierungsprogramme, die über jährliche Pflichtübungen hinausgehen, um Mitarbeiter vor Phishing-Angriffen zu schützen, die eine Hauptursache für Kontodiebstahl sind.
  • Regelmäßige Audits und Patch-Zyklen: Sicherheitsteams sollten ausreichend Zeit und Ressourcen erhalten, um häufige Audits durchzuführen und ungepatchte Schwachstellen durch regelmäßige Patch-Zyklen zu beheben, die unbefugten Netzwerkzugriff ermöglichen könnten. Fehlkonfigurierte Instanzen, Einstellungen und exponierte Daten sind häufige Einfallstore.
  • Prinzip der geringsten Rechte (Least Privilege): Die Einführung des Prinzips der geringsten Rechte, auch als Zero Trust bekannt, beschränkt den Zugriff von Mitarbeitern auf die für ihre Arbeit absolut notwendigen Ressourcen und nur für den benötigten Zeitraum. Dies reduziert das Risiko, dass Administratorenkonten für bösartige Zwecke missbraucht werden.
  • Sicherer Umgang mit Zugangsdaten: Vermeidung fest codierter Zugangsdaten und API-Schlüssel. Im Falle eines Sicherheitsvorfalls sollten alle Zugangsdaten und Schlüssel unverzüglich geändert werden. Bei ungewöhnlicher KI-Nutzung, wie beispielsweise Aktivitätsspitzen, sollte der Zugriff vorübergehend widerrufen und der Anbieter kontaktiert werden.

Thema: Google. Quelle/Inspiration: ZDNet.

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