Hyundai dementiert Roboter-Einsatz als Streitpunkt bei Südkorea-Verhandlungen

2026-07-23 · kamil

Die Hyundai Motor Company bestreitet, dass der geplante Einsatz humanoider Roboter Gegenstand der aktuellen Tarifverhandlungen mit streikenden südkoreanischen Automobilarbeitern ist. Das Unternehmen betont, dass die Teil-Arbeitsniederlegungen an seinem weltgrößten Automobilwerk in Südkorea primär durch Forderungen nach höheren Löhnen, Boni und einer Verlängerung des Renteneintrittsalters motiviert seien. Der erste Einsatz des humanoiden Roboters Atlas ist ab 2028 in der US-Fabrik Metaplant America geplant.

Hyundais Position zum Robotereinsatz

Nach Angaben von Hyundai ist der „potenzielle Einsatz von Robotern in koreanischen Produktionsstätten nicht Teil der aktuellen Gespräche zwischen Arbeitnehmern und Management“. Der Automobilhersteller bekräftigte sein Engagement für einen konstruktiven Dialog mit der Gewerkschaft, um eine Einigung zu erzielen, die den langfristigen Interessen beider Seiten dient.

Hyundai stellte klar, dass der aktuelle Plan lediglich die erste Implementierung des Atlas-Roboters in der Elektrofahrzeugfabrik Metaplant America nahe Savannah, Georgia, ab 2028 umfasst. Der Atlas-Roboter wurde vom US-Unternehmen Boston Dynamics entwickelt, einer hundertprozentigen Hyundai-Tochter. Entscheidungen über zukünftige Einsätze des Atlas-Roboters in anderen Werken würden „bedacht, im Einklang mit den lokalen betrieblichen Anforderungen und im Dialog mit den Mitarbeitern und Arbeitnehmervertretern an diesen Standorten“ getroffen, so das Unternehmen.

Gewerkschaftliche Bedenken und gesetzlicher Rahmen

Anders lautet jedoch die Darstellung des Wall Street Journal, das die Hyundai-Motoren-Gewerkschaft als Verfechterin „beispielloser Forderungen zum Schutz von Arbeitsplätzen im Zeitalter von Robotern und KI“ beschreibt. Bestimmte Lohnforderungen würden demnach auch als Absicherung gegen potenzielle Arbeitszeitverkürzungen durch KI-Einführung und Roboter-Automatisierung dienen.

Die Gewerkschaft hatte die Hyundai Motor Company bereits im Januar nach der Vorstellung des Produktionsmodells des Atlas-Roboters auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas vor der Notwendigkeit von Verhandlungen gewarnt. In einem internen Schreiben, über das Reuters berichtete, hieß es seitens der Gewerkschaft: „Denken Sie daran, dass ohne arbeitsrechtliche Vereinbarung kein einziger Roboter mit neuer Technologie am Arbeitsplatz zugelassen wird.“

Aktuell prüfen Hyundai-Management und Gewerkschaft eine vorgeschlagene Lohnreform. Diese soll Fabrikarbeitern auch nach dem geplanten Einsatz humanoider Roboter eine größere Einkommensstabilität bieten, indem Stundenlöhne für Überstunden und Nachtschichtzulagen in Festlöhne umgewandelt werden. Experten warnten jedoch laut The Korea Times, dass eine solche Umstellung auf Kosten der Unternehmensproduktivität gehen könnte.

Ein neues südkoreanisches Arbeitsgesetz, das im März 2026 in Kraft trat – das sogenannte „Yellow Envelope Law“ – spielt ebenfalls eine Rolle. Es erweitert die Arbeitnehmerrechte für Subunternehmer und schränkt die Möglichkeiten von Arbeitgebern ein, Schadensersatzansprüche wegen Streiks geltend zu machen. Das Gesetz könnte auch den Übergang zu Roboterarbeit verlangsamen, da es Managemententscheidungen, die die Arbeitsbedingungen erheblich beeinflussen, der Tarifverhandlung und kollektiven Aktion unterwirft. Das bedeutet, dass große Automatisierungsmaßnahmen mit Robotern gesetzlich mit den menschlichen Arbeitskräften verhandelt werden müssen, wie Arbeitsrechtsexperten der südkoreanischen Zeitung erklärten.

Die Korean Confederation of Trade Unions (KCTU) hat im Februar 2026 zudem ein gemeinsames Konsultationsgremium mit der südkoreanischen Regierung eingerichtet, um Arbeitsfragen, einschließlich KI-gesteuerter Automatisierung und Robotik, zu erörtern. Die KCTU äußerte sich dazu, dass es von den Entscheidungen und der politischen Ausrichtung der Regierung abhänge, ob diese Entwicklungen „zu einer Katastrophe werden, die Arbeitnehmern Unsicherheit und Opfer abverlangt, oder zu einer Chance, die Lebensqualität zu verbessern“.

Internationale Perspektive und Ausblick

Die Mitarbeiter in Hyundais Metaplant-Fabrik in Georgia, die als erste die Atlas-Roboter einsetzen wird, sind derzeit nicht gewerkschaftlich organisiert. Die United Auto Workers (UAW), die rund 400.000 Automobilarbeiter in den USA, Kanada und Puerto Rico vertritt, hat jedoch bereits Anstrengungen unternommen, die Metaplant-Mitarbeiter zu organisieren. UAW-Präsident Shawn Fain warnte bereits im Juni 2026 vor „der Bedrohung durch humanoide Robotik und Massenautomatisierung“, die die Beschäftigung und Vergütung der Arbeitnehmer untergraben könnten.

Es bleibt abzuwarten, ob sich humanoide Roboter als die autonomen Allzweckroboter erweisen werden, auf die viele Unternehmen setzen.


Thema: Technologie / KI allgemein. Quelle/Inspiration: Ars Technica.

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