Inherent: KI-Agent Faraday übertrifft größere Modelle bei Forschungssimulation

2026-08-22 · kamil

Das britische KI-Labor Inherent, gegründet von ehemaligen Mitarbeitern von Google DeepMind, hat kürzlich seinen KI-Agenten namens Faraday vorgestellt. Dieser Agent hat bei der eigenständigen Reproduktion von Erkenntnissen aus wissenschaftlichen Publikationen die Leistung von deutlich größeren Modellen wie Anthropic’s Claude Opus 4.8 und OpenAI’s GPT-5.5 übertroffen.

Faraday basiert auf einem vergleichsweise kleinen Modell namens Qwen 3.6, das lediglich 27 Milliarden Parameter umfasst. Parameter dienen als Indikator für die Größe und typischerweise auch die Trainingskosten eines KI-Modells. Die überlegene Leistung von Faraday ist bemerkenswert, da die Konkurrenzmodelle von Anthropic und OpenAI als sogenannte „Frontier-Systeme“ deutlich umfangreicher sind.

Reproduktion wissenschaftlicher Arbeiten als Trainingsaufgabe

Die Fähigkeit, wissenschaftliche Arbeiten zu reproduzieren, mag zunächst wie eine Nischenanwendung erscheinen. Edward Hughes, Mitbegründer und Chefwissenschaftler von Inherent, betont jedoch, dass dies eine Standardübung für menschliche Wissenschaftler ist. Viele Doktoranden beginnen ihre Ausbildung mit der Reproduktion bestehender Forschungsergebnisse, um methodische Kompetenzen zu erlernen.

Für Inherent liegt der Wert dieses Erfolgs nicht primär im Übertreffen anderer KI-Systeme, sondern in der Entwicklungsmethode. Das übergeordnete Ziel des Londoner Labors ist der Aufbau einer KI, die neue wissenschaftliche Erkenntnisse entdecken und nicht nur bestehende Ergebnisse verifizieren kann. Ein zentraler Aspekt dabei ist die Entwicklung eines „Forschungsgeschmacks“ – die Fähigkeit, vielversprechende Experimente zu identifizieren und effektiv zu gestalten.

Ansatz und Vision von Inherent

Um diesen „Forschungsgeschmack“ zu vermitteln, setzt Inherent auf Reinforcement Learning (bestärkendes Lernen). Bei dieser Trainingsmethode wird ein KI-System für positive Ergebnisse belohnt, anstatt ihm explizite Regeln vorzugeben. Dieser belohnungsbasierte Ansatz soll eine bessere Generalisierbarkeit ermöglichen, um langfristig KI-Agenten zu schaffen, die in verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen Beiträge leisten können.

Inherent legt Wert auf einen kollaborativen Ansatz. Faraday nutzt beispielsweise OpenAI’s GPT-5.5 Codex für Programmieraufgaben, ähnlich wie menschliche Wissenschaftler auf vorhandene Software zurückgreifen. Das Unternehmen strebt zudem an, KI-Agenten zu entwickeln, die nicht nur bestätigen, was Nutzer hören möchten, sondern eigenständig neugierig sind und Forschungsergebnisse kritisch hinterfragen.

Gründung, Finanzierung und Standort

Inherent ist erst vor wenigen Wochen aus der verdeckten Entwicklungsphase (Stealth-Modus) hervorgegangen und hat eine Seed-Finanzierungsrunde in Höhe von 50 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Das Unternehmen beschäftigt derzeit rund ein Dutzend Mitarbeiter, die alle in einem Büro in King’s Cross, London, zusammenarbeiten. Inherent plant, die Mitarbeiterzahl bis zum Jahresende auf 20 bis 25 zu erhöhen. Edward Hughes äußerte sich zudem kritisch zur Praxis des „Garden Leave“ im Vereinigten Königreich, die Forschern den sofortigen Wechsel zu einem Konkurrenzunternehmen untersagt, da er selbst davon betroffen war.


Thema: OpenAI. Quelle/Inspiration: TechCrunch.

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